Sicherheit und Datenschutz

Apple stellt neue Datenschutz-Tools für Apple ID vor

24.05.2018
Von Halyna Kubiv
Kurz vor dem Start von DSVGO hat Apple neue Tools für die Apple ID vorgestellt. Somit ist es ein leichtes, beispielsweise die Apple ID zu löschen.

Wollte man wissen, welche Daten Apple von einem gespeichert hat, war die Anforderung bisher nicht ganz einfach und man musste rund fünf Wochen darauf warten. Ab sofort können alle Apple-Nutzer auf einer speziellen Unterseite im Apples Support-Bereich ihre Daten komfortabel anfragen. Dazu liefert der Anbieter noch erweiterte Funktionen zur Verwaltung der eigenen Apple ID, so kann man diese jetzt erstmals deaktivieren bzw. stilllegen. Außerdem bietet das Tool eine zusätzliche Möglichkeit, die eigene Apple ID zu löschen. Zwar war es schon davor möglich, das eigene Apple Konto zu löschen, doch ging dies bisher nur umständlich über eine Anfrage an den Apple Support – über eine ziemlich versteckte Seite. Nun hat Apple diese wichtigen Möglichkeiten prominent im eigenen Apple-ID-Bereich bereitgestellt.

Datenschutz: Ab sofort können alle Apple-Nutzer auf einer speziellen Unterseite im Apples Support-Bereich ihre Daten komfortabel anfragen.
Datenschutz: Ab sofort können alle Apple-Nutzer auf einer speziellen Unterseite im Apples Support-Bereich ihre Daten komfortabel anfragen.
Foto: m00osfoto, Shutterstock.com

Zu erreichen ist der neue Bereich unter privacy.apple.com, dort muss man sich mit den üblichen Zugangsdaten wie Apple-ID-Adresse, dem entsprechenden Passwort und gegebenenfalls mit dem Zugangscode eines vertrauenswürdigen Geräts autorisierten. Momentan unterstützt die Seite keine Safari-Anmeldung per iPhone, entweder ein Rechner oder ein iPad werden benötigt.

Eigene Daten der Apple ID herunterladen

Als erste Option steht dem Nutzer die Abfrage der von Apple verwalteten Daten zur Verfügung. Hierzu sind alle Datensätze nach Rubriken aufgelistet, die Apple von dem Nutzer auf seinen Servern speichert. Dazu gehören die Aktivitäten im App Store und Konsorten, Apple Care, iCloud-Lesezeichen, Notizen, Karten etc. Man kann auch gezielt bestimmte Daten anfordern. In einem separaten Support-Dokument stellt Apple übrigens eine Liste aller dieser Daten und den entsprechenden Verschlüsselungsmethoden zusammen. Kurz zusammengefasst sind fast alle Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt, außer Mails. In einem separaten Bereich sind extra-große Daten wie Fotos oder Dateien im iCloud Drive aufgeführt. Hier warnt Apple vor einer langen Download-Zeit, was eigentlich verständlich ist. (Aktuell muss man auf die Bereitstellung der Daten zum Download bis zu sieben Tage warten.)

Einige Daten sind über diese Anfrage jedoch nicht abrufbar: Alle Medien-Käufe wie Apps oder Bücher und die Transaktionen im App Store sind nicht enthalten. Nach Apples Angaben gehören diese Datensätze nicht zu den persönlichen Daten, daher sind sie auch nicht in der Abfrage eingeschlossen. Der Download wird große Datensätze in üblichen Tabellenformaten, Kontakte, Kalender, Mails und Lesezeichen in den üblichen standardisieren Formaten wie ICS, HTML oder EML enthalten, so dass man danach diese Datensätze leicht zu einem anderen Anbieter umziehen kann.

Diese Daten kann man von Apple laden.
Diese Daten kann man von Apple laden.

Apple ID deaktivieren

Eine komplett neue Funktion, die jetzt allen Nutzern zur Verfügung steht, ist die Möglichkeit der Stilllegung des Accounts. Dabei bleiben die Daten auf Apples Servern, der Anbieter hört aber damit auf, auf diese zuzugreifen oder sie zu verarbeiten. Dementsprechend wird die Nutzung aller iOS-oder macOS-Geräte beschränkt: Keine Nachrichten per iMessage sind mehr möglich, keine Anrufe per Facetime und keine iCloud-Mails. Alle Dokumente, die auf iCloud gespeichert sind, bleiben logischerweise ebenfalls gesperrt. Was weiterhin aktiv bleibt, sind die Apple-Care-Garantie und die Zahlungen über das iPhone Upgrade Programm. DRM-freie Musik in iTunes bleibt ebenfalls weiter abrufbar. Bei der Apple Music gibt es übrigens etwas mehr Freiheit, wenn man den Dienst über einen Mobilfunkanbieter abonniert hat: Die Grundfunktionen bleiben erhalten, einzig die iCloud-Musikmediathek steht nicht mehr zur Verfügung. Hat man den Antrag auf Deaktivierung der Apple ID gestellt, überprüft Apple zuvor noch, ob der Absender dieser Anfrage wirklich legitim ist, also ob Sie Sie sind. Dazu können zusätzliche Fragen kommen, beispielsweise zur Serien-ID eines Geräts etc. Apple verspricht, Anfragen auf Stilllegung innerhalb einer Woche zu bearbeiten. Danach erhält man einen alphanumerischen Code zur Reaktivierung. Nur mit dieser Ziffer- und Buchstaben-Abfolge kann man bei Bedarf die Apple ID in der Zukunft wieder zum Leben erwecken. Dazu gibt es aber keine Online-Tools mehr, man muss sich direkt an den Apple Support wenden, entweder online oder über die Hotline und gibt den eben erwähnten Code an. Ist dieser verloren, kann Apple die deaktivierte Apple ID nicht mehr aktivieren. Weitere Fragen zur Stilllegung der Apple ID beantwortet Apple in einem neuen Support-Artikel.

Apple ID löschen

Das Löschen der eigenen Apple ID funktioniert in etwa wie die Stilllegung. Der einzige Unterschied: Der Nutzer erhält am Ende keinen Reaktivierung-Code. Die Daten bleiben noch bis zu sieben Tagen auf Apples Servern, bis die Mitarbeiter den Löschantrag prüfen. Besteht kein Verdacht auf Betrug und der Nutzer kann seine eigene Identität beweisen, löscht Apple schließlich (fast) alle Nutzer-Daten von dem Server.

Automotive Shift happens – sind Sie dabei?

Fazit: Eigentlich sind solche Tools schon längst überfällig. Nach den letzten Daten-Skandalen rund um Facebook und Cambridge Analytica haben fast alle großen Anbieter mehr oder minder einfache Wege eröffnet, zumindest die Einsicht in eigene Daten zu gewinnen. Was nicht unterschätzt werden sollte: Mit dem Download der eigenen Daten in standardkonformen Formaten wie HTML oder Excel stellt Apple zumindest ansatzweise vernünftige Mittel für den Umzug auf andere Plattformen bereit. Noch vor ein paar Jahren kaum vorstellbar. (Macwelt)