Softwarestrategie wird einfacher

Apple läßt Rhapsody in Version zehn des Mac-OS aufgehen

15.05.1998

Interims-Chef Steve Jobs folgt mit dieser Weichenstellung dem Kurs, den er bereits bei der Hardware eingeschlagen hat: Reduzierung auf möglichst wenige Produkte. Bei der Vorstellung der Softwarestrategie anläßlich der Apple-Entwicklerkonferenz in San José erwähnte er trotz der gerade erfolgten Eingliederung der Claris-Produkte die Anwendungssoftware mit keinem Wort. Damit signalisierte Jobs, daß Apple dieses Geschäft Partnern wie Macromedia, Filemaker oder Microsoft überlassen will. Strategisch ist dagegen Systemsoftware wie Java für Programmierung und Internet, "Quicktime" für die Medienindustrie und vor allem das Betriebssystem.

Konkret sehen die Betriebssystem-Pläne vor, im Herbst 1999 ein Mac-OS X (zehn) auszuliefern, das für den Power-PC-Prozessor "G3" optimiert ist und von Rhapsody Unix-System-Eigenschaften wie echtes Multitasking, Multithreading und Speicherschutz erhält, damit eine abstürzende Anwendung nicht andere mit sich reißt. Die Entwickler sollen Anfang nächsten Jahres eine Version erhalten.

Für sie ist der Schwenk in der Betriebssystem-Strategie insofern von Vorteil, als die Portierung ihrer Anwendungen auf Mac-OS X in wenigen Wochen zu schaffen sei. Adobe demonstrierte während der Ankündigung auf einer Vorversion des Betriebssystems das Bildbearbeitungsprogramm "Photoshop", dessen noch nicht ganz abgeschlossene Anpassung eine Woche gedauert haben soll. Für den Umstieg auf Rhapsody veranschlagten die Softwarehäuser ein bis zwei Jahre.

Zielmärkte sind Medien und Internet

Diese kurzen Entwicklungszeiten rühren zum einen daher, daß es sich beim Mac-OS X nicht um ein vollständig neues Betriebssystem handelt. Außerdem wurde bei der Bereinigung der Funktionsaufrufe auf Kompatibilität geachtet. Die von Apple getesteten Programme entsprechen im Schnitt schon jetzt zu 90 Prozent den neuen Anforderungen, so daß nur wenig Code geändert werden muß. Die Liste der zu unterstützenden Aufrufe liegt zur Abstimmung mit den Entwicklern abrufbereit im Internet.

Trotz der raschen Umstiegsmöglichkeiten wird Mac-OS 8 weiterentwickelt. So soll nach der für Herbst 1998 angekündigten Version 8.5 zeitgleich ein weiteres Release von System 8 für all jene herauskommen, die bis dahin noch nicht auf den G3-Chip umgestiegen sind.

Auch Rhapsody wird nicht sofort ausgemustert, sondern vielmehr im Herbst dieses Jahres in der Version 1.0 ausgeliefert. Die Zukunft dieses Systems liegt jedoch im dunkeln. Offiziell wird es als Server-System für das Internet und für verschiedene Medien positioniert.

Viel über die Positionierung der Apple-Produkte verraten die Pläne für die beiden anderen Produkte, die Jobs im Rahmen der Softwarestrategie erwähnte. Bei Java und damit dem Internet geht es um eine Aufholjagd, was die Leistung der Ablaufumgebung Java Virtual Machine (JVM) betrifft. Hier hinken die Apple-Produkte den PC-Systemen hinterher. Nur zum Teil in den Internet-Bereich fällt das auffallend starke Engagement für die Multimedia-Software Quicktime. Sie soll in Kürze beispielsweise in der Lage sein, Live-Übertragungen via Web-TV zu ermöglichen. Wie einst "Postscript" als Universalsprache für die Verständigung zwischen Anwendung und Drucker sorgte, soll nun Quicktime als allgemeiner Standard zwischen den verschiedenen Medientechniken vermitteln. Auf diese Weise will sich Apple in dieser boomenden Branche unverzichtbar machen.