Apple-Geschichte

App-Markt feiert den zehnten Geburtstag

Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Eine halbe Ewigkeit: Vor zehn Jahren zeigte Apple auf einer Veranstaltung die ersten Dritt-Apps fürs iPhone.

"Apple befreit das iPhone" titelten wir heute vor zehn Jahren zu später Stunde. Was war passiert? Steve Jobs persönlich hatte auf einer Keynote in Cupertino der versammelten Presse erklärt, wie das mit der iPhone-Software weiter gehen sollte. Denn zu jenem Zeitpunkt, fast neun Monate nach dem Verkaufsstart in den USA, hatte Apple zwar erst gut fünf Millionen iPhones verkauft, damit aber jede Menge Begehrlichkeiten geweckt. Denn ein jeder wollte mit seinen Programmen und seinen Services auf das Telefon drauf, das schon mit den Vorschusslorbeeren bedacht war, ein "Jesus-Phone" zu sein: Eine Offenbarung für die ITK-Szene.

Heute vor zehn Jahren hat Apple auf einer Veranstaltung die ersten Dritt-Apps fürs iPhone gezeigt, eine Branche wurde geboren.
Heute vor zehn Jahren hat Apple auf einer Veranstaltung die ersten Dritt-Apps fürs iPhone gezeigt, eine Branche wurde geboren.
Foto: Lukas Gojda - shutterstock.com

Nur war das mit Anwendungen auf dem iPhone halt so eine Sache. Von Anfang an durften nur zwei Hersteller nativ ihre Programme laufen lassen: Apple und Google. Letztere steuerten Google Maps und den Youtube-Player bei, Apple den Rest wie Foto- und Kameraanwendung, Browser, Adressbuch, Mail-Client. Alle anderen hatten nur die Chance, mit Webapplikationen, also in asynchronem Java und XML (Ajax) geschriebenen Code, der auf Webservern ausgeführt wurde, am beginnenden iPhone-Boom teilzunehmen.

Doch schon bald nach dem Verkaufsstart entdeckten findige Entwickler, wie man an das iPhone zur Synchronisation von Daten auch herankäme, ohne iTunes zu nutzen. Der Begriff "Jailbreak" wurde geboren, auf derart ausgehebelten iPhones ließen sich nun beliebige Programme installieren.

Das wollte Apple ja an sich vermeiden, die Entwicklung des iPhones und seiner Software glich dem sprichwörtlichen Ritt auf einer Rasierklinge. Schon die kleinsten Störungen könnten das labile Gebilde zum Einsturz bringen, Apple wollte die komplette Kontrolle über das System behalten, um die Nutzererfahrung garantieren zu können. So hieß es zumindest bei der Vorstellung des Telefons. Intern sei es den Entwicklern aber sehr wohl klar gewesen, dass man das System früher oder später öffnen müsse, das iPhone "befreien".

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Wie das passieren würde, zeigte Apple eben an jenem Donnerstag vor zehn Jahren. Entwickler bekommen ein SDK, ein Software Development Kit, mit dem sie ihre Apps für das iPhone-OS 2.0 genannte System programmieren konnten. Den Vertrieb der Software würde Apple übernehmen, da man das iPhone ohnehin mit iTunes synchronisiere und darüber Updates für das System bekomme, werde es eben auch einen App Store innerhalb des einst für Musik konzipierten Programms geben. Die Kontrolle wollte Apple aber nicht aufgeben, der App Store bekam eine Freigabeprozedur, erst nach Bestehen einer kritischen Prüfung, konnten Apps zur Verfügung gestellt werden. Vorteil an der Konstruktion: Apple übernahm auch Distribution und Inkasso, behielt dafür aber 30 Prozent des Verkaufspreises ein - das ist im Prinzip auch heute noch so.

Jailbreaks wurden seltener, waren anfangs aber trotz des App Store noch beliebt, denn dessen Angebot musste erst wachsen. Mittlerweile gibt es an sich kaum noch einen Grund, sich Software von außerhalb des App Store auf das iPhone holen zu wollen. Und iTunes braucht man schon längst nicht mehr für den Bezug und die Verwaltung von Apps, erst letzten Sommer hat Apple diesen Teil gestrichen. Aber erst mit Apps von Dritten wurde das iPhone zu einem derart durchschlagenden Erfolg. Effektiv wurden die vor zehn Jahren angekündigten Maßnahmen schließlich im Juli 2008, mit der Eröffnung des App Store und der Distribution von iPhone-OS 2.0.

Mittlerweile zählt der App Store Millionen an Apps und an Downloads, die Entwickler setzen damit pro Quartal Summen in einem Milliarden-Bereich um, auch die Konkurrenz wie Google hat aufgeholt und bietet mit dem Google Play Market eine veritable Alternative zum App-Markt von Apple. (Macwelt)