Sicherheit, Breitbandausbau, E-Government und mehr

Anwenderverein VOICE macht Druck auf die Politik

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Der Bundesverband der IT-Anwender VOICE e.V. stellt im Wahljahr 2017 konkrete Forderungen an die Politik. Die organisierten CIOs verlangen eine bessere Koordination der Digitalisierung auf Bundesebene, einen Ausbau der E-Government-Aktivitäten und Sicherheitsregeln für den internationalen Datenverkehr.
Im Manifest zur IT-Sicherheit unterbreitet die Anwendervereinigung VOICE vorschläge zur Cyber-Security in Deutschland.
Im Manifest zur IT-Sicherheit unterbreitet die Anwendervereinigung VOICE vorschläge zur Cyber-Security in Deutschland.
Foto: VOICE

Der zur CeBIT vorgestellte Forderungskatalog enthält zuvörderst den Wunsch an den Bund, die laufenden Digitalisierungsanstrengungen besser zu bündeln. Dadurch, dass die Zuständigkeit auf verschiedene Ressorts verteilt sei, komme es eher zu einer Verlangsamung als zur erhofften Beschleunigung. Der VOICE schlägt eine zentrale Koordinierungsstelle vor. Die Digitale Agenda des Bundeswirtschaftsministeriums sei hier nicht konkret und verbindlich genug.

Föderalismus hemmt E-Government

Der Verband mahnt zudem bessere E-Government-Initiativen an. Es brauche hier mehr Serviceangebote für Unternehmen und Bürger. Einheitliche Richtlinien für Bund und Länder könnten einen deutlichen Schwung bringen, heißt es. Außerdem, so eine weitere Forderung, müssten die Produkthaftungsregeln, die es für analoge Produkte gibt, auf die digitale Welt ausgedehnt werden. "Hersteller und Betreiber müssen insbesondere bezüglich des Schutzes der neu entstehenden massiven Volumina personenbezogene beziehungsweise personenbeziehbarer Daten in die Pflicht genommen werden", heißt es beim VOICE.

Weiter moniert der Verband, dass nationale und europäische Initiativen rund um die Digitalisierung heute weitgehend entkoppelt seien. Hier müsse eine Verzahnung erfolgen - was auch den Schulterschluss unter den europäischen Ländern weiter fördern könne. "Nicht nur gemeinsam sind wir stark, gemeinsam sind wir digital", heißt es beim Verband.

Der VOICE erwartet zudem mehr Anstrengungen beim Breitbandausbau: Der Plan der Bundesregierung, bis 2018 flächendeckendes Breitband-Internet mit 50 Mbit/s auszurollen, reiche nicht aus. Eine deutliche leistungsstärkere Versorgung müsse angestrebt werden, die Kommunikationsinfrastruktur sei künftig so wichtig wie die Verkehrsinfrastruktur.

Die besten Digitalisierungsprojekte - Foto: IDG

Die besten Digitalisierungsprojekte

Für den internationalen Datenverkehr fordert die Interessenvertretung der CIOs verbindliche Sicherheitsregeln. Länder, die das Regelwerk nicht akzeptierten, müssten kontrollierter und eingeschränkter am Datenverkehr beteiligt werden, hieß es. Und schließlich müsse generell eine höhere Digitalkompetenz in den Unternehmen und der Bevölkerung angestrebt werden. Nur so könnten die digitale Spaltung der Gesellschaft vermieden und mittelfristig Arbeitsplätze gesichert werden. Digitale Bildungs- und Weiterbildungsangebote für alle sozialen Schichten und Altersklassen sind laut VOICE essenziell.

Manifest zur IT-Sicherheit

Die im VOICE organisierten CIOs übergaben auf der CeBIT außerdem ein "Manifest zur IT-Sicherheit" an Staatssekretär Mathias Machnig und Bundes-CIO Klaus Vitt. Darin werden Vorschläge unterbreitet, wie folgende sechs Problemfelder beseitigt werden könnten, die der VOICE gemeinsam mit dem Bundesverband IT-Sicherheit e.V. - TeleTrusT ausgemacht hat:

- Sicherheitsprobleme gefährden nachhaltige Digitalisierung,

- Zu wenige sichere und vertrauenswürdige IT-Lösungen,

- Fehlende Transparenz und Vertrauen,

- Unzureichende Umsetzung der Prinuzipien Security-by-Design und Privacy-by-Design,

- Mangelnde Selbständigkeit der europäischen IT-Sicherheitsinfrastruktur und

- Steigende Bedrohung durch Cyberwar.

Besonders kritisch ist aus Sicht der Verbände der bislang zu niedrige Reifegrad der Systeme und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe sowie die fehlende Standardisierung vorhandener Sicherheitslösungen. Europäische Hersteller sollten mehr eigenes Wissen rund um die IT-Sicherheit aufbauen und alle IT-Produkte sollten so designt werden, dass Sicherheit und Datenschutz als Entwurfsprinzipien von Beginn an berücksichtigt seien. Hans-Joachim Popp, CIO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheitsbeauftragter im VOICE fordert die IT-Anbieter auf, Lösungen anzubieten, die das Prinzip Security by Design befolgen - andernfalls hätten die Anwenderunternehme Probleme, ihren Teil zur Cyber-Security beizutragen. "Die Hersteller sind gefordert, endlich Nägel mit Köpfen zu machen".

Interessierte finden das Manifest zur IT-Sicherheit auf den Voice-Web-Seiten zum Download.