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Anwender kritisieren instabiles Second Life

04.05.2007
Im "Project Open Letter For a Better Second Life" haben sich Tausende von Nutzern zusammengeschlossen, um beim Anbieter Linden Lab eine stabilere und weniger fehleranfällige Software durchzusetzen.

Anfang der Woche startete Christiano Diaz, in Second Life als Christiano Midnight unterwegs, das Project Open Letter, in dem wichtige Probleme mit der virtuellen Plattform Second Life adressiert werden. Hintergrund für die beanstandeten Unzulänglichkeiten ist das rasante Wachstum der Plattform: Second Life entwickelte sich binnen anderthalb Jahren von einer kleinen Community so genannter Early Adopters zu einer Plattform für etliche Millionen Anwender. Betreiber Linden Lab scheint dem Ansturm nicht gewachsen zu sein.

Das explosive Wachstum führte zu unerwarteten technischen Problemen, von denen sich einige derzeit offenbar kontinuierlich verschlimmern. Die Anwender, die Second Life professionell nutzen und die Plattform für Marketing-Aktionen hernehmen oder gar Geschäfte darauf abwickeln, fühlen sich empfindlich gestört.

Rochaden in der virtuellen Welt können derzeit etwas länger dauern.
Rochaden in der virtuellen Welt können derzeit etwas länger dauern.

Zu den Streitpunkten zählt die fehlende Datensicherheit. Sie wird im Brief als "verheerendes Problem" bezeichnet, das sich immer mehr zuspitzt. "Wir haben nicht die Möglichkeit, unsere eigenen Datenbestände durch Backups zu schützen", heißt es in dem Schreiben. Hier sei der Nutzer ganz auf Linden Lab angewiesen. Das Problem lasse sich möglicherweise durch sinnvolle Grenzen für Datenbestände (insbesondere für anonyme Accounts) lösen. Fortschritte könnten auch bessere Management-Tools bringen sowie Möglichkeiten für den Anwender, seine Daten selbst zu schützen.

"So kann es nicht weitergehen", heißt es in dem offenen Brief. "Wir werden finanzielle Verluste als Feature von Second Life nicht hinnehmen. Als Service-Provider liegt es in Ihrer Verantwortung sicherzustellen, dass keine Daten verloren gehen. Sie lassen uns hier im Stich!"

Suchfunktion in Second Life weist Mängel auf

Ärger mit der von Instant-Messaging-Systemen bekannten Find and Friends List ist dem Schreiben zufolge ebenfalls an der Tagesordnung. Im Zusammenhang mit dieser Suchfunktion gebe es zu viele Systemausfälle. Damit werd es schwierig, bestimmte Orte in Second Life zu erreichen. Außerdem ärgerten sich die Firmen, die für suchwortabhängige Werbung zahlen. "Wenn AOL, MSN und Yahoo Präsenzinformationen für Hunderte von Millionen Nutzern zuverlässig zur Verfügung stellen können, sollte es doch möglich sein, dass auch unsere Friends-Listen funktionieren."

Kritisiert werden außerdem die fehlende Stabilität und Performance des Netzes, die sich vor allem unter hoher Last bemerkbar mache, sowie Schwierigkeiten mit den "Build Tools", die es Nutzern ermöglichen, ihre Second-Life-Präsenzen aufzubauen. "Wir sind auf diese Tools angewiesen", heißt es in dem Brief. Doch mitunter verschwänden Inhalte, ließen sich nicht sorgfältig platzieren oder nicht mit anderen Inhalten verbinden.

Unmut rufen außerdem Transaktionsprobleme hervor: Angeforderte Inhalte von Linden Lab kommen demnach zu spät oder gar nicht, so dass die Anwender immer wieder improvisieren müssen. Aus Sicht der Autoren ein Ärgernis, da die in Second Life getätigten Geschäfte alles andere als virtuell sind. "Wir wollen Second Life weiter unterstützen und werden unseren Teil zur Lösung der Probleme beitragen", heißt es abschließend in dem Schreiben. Voraussetzung sei allerdings, dass Linden Lab mit seinen Kunden besser kommuniziere und die beanstandeten Probleme schnell löse - noch bevor neue Features herauskämen. (hv)