Unternehmen empfinden Compliance als lästige Pflicht

Angst vor der Denunziation



Sascha Alexander ist seit vielen Jahren als Redakteur, Fachautor, Pressesprecher und Experte für Content-Strategien im Markt für Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics tätig. Stationen waren unter anderem das Marktforschungs- und Beratungshaus BARC, die "Computerwoche" sowie das von ihm gegründete Portal und Magazin für Finanzvorstände CFOWORLD. Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Trotz einer Fülle gesetzlicher Auflagen ist Compliance längst noch nicht Alltag in den Unternehmen. Nicht einmal die Hälfte der Konzerne sorgt mit eigenen Programmen für Schutz vor kriminellen Angriffen, wie eine neue Studie zeigt.

Bei der Compliance muss man die Unternehmen zum Jagen tragen. Wer meint, dass entsprechende Programme zum Schutz vor Wirtschaftsverbrechen und für mehr Transparenz schon aus Eigeninteresse gerne aufgesetzt werden, täuscht sich gewaltig. Gut gemeint, denkt man sich in den Vorstandsetagen. Aber viel zu kompliziert, kostenintensiv und bürokratisch.

Das sich dennoch entsprechende Richtlinien und Kontrollen in den Organisationen verbreiten, ist laut einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers (PwC) vor allem gesetzlichen Auflagen geschuldet. So habe in den USA insbesondere der Sarbanes-Oxley Act die Anforderungen an Kontroll- und Präventionsmaßnahmen derart verschärft, dass börsennotierte Unternehmen reagieren mussten.

In Deutschland hingegen seien Großunternehmen, die ein Compliance-Programm implementiert haben, immer noch die Minderheit, attestiert PwC. So sei deren Anteil seit der letzten Studie im Jahr 2007 um lediglich drei Prozentpunkte auf nun 44 Prozent aller Befragten gestiegen. Dem gegenüber stehe eine Mehrheit (57 Prozent), die kein Compliance-Programm habe und dies zumindest in den nächsten zwei Jahren auch nicht einführen wolle. Als Gründe nennen die Befragten einen unverhältnismäßigen Aufwand (54 Prozent), zu viele bürokratische Kontrollen (58 Prozent) und die zu hohe Kosten (53 Prozent), die durch die Einführung eines Compliance-Programms enstehen würden.

Geht es zudem um Präventionsmaßnahmen beispielsweise gegen Wirtschaftskriminalität, auch "Hinweisgebersysteme" genannt, ist die Ablehnung in Unternehmen noch spürbarer: Nur ein gutes Drittel (34 Prozent) der Befragten hat laut PwC bislang ein derartiges Verfahren eingeführt. Weitere zehn Prozent wollen derartige Verfahren intern einsetzen.

Laut PriceWaterhouseCoopers sei einer der Haupteinwände gegen Hinweissysteme die Furcht vor Denunziationen (44 Prozent). Das Missbrauchsrisiko werde aber laut der Wirtschaftsprüfer überschätzt. Die Hälfte der befragten Unternehmen berichtete über keine Vorfälle von Missbrauch. Neun Prozent schätzten den Anteil missbräuchlicher Nutzung auf ein bis fünf Prozent und weitere elf Prozent der Befragten auf fünf bis zehn Prozent. Nur jedes vierte Unternehmen machte schlechtere Erfahrungen.

Angesichts der teilweise deutlichen Ablehnung bei den Unternehmen zieht PwC den Schluss, dass Compliance-Programme und insbesondere Hinweisgebersysteme sich nur in solchen Organisation wirklich durchsetzen, wo es eine "positive Kultur" für sie gibt. Diese charakterisieren die Wirtschaftsprüfer mit Teamatmosphäre, Bereitschaft zur Mitteilung von Fehlern und Toleranz gegenüber Regelverstößen.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CFOWorld. Die Studie kann bei PwC kostenlos heruntergeladen werden.