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Analysten kritisieren Siebels Tauschgeschäfte

13.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Knapp drei Wochen nachdem die US-Softwareschmiede Siebel Systems einen starken Umsatz- und Ergebniseinbruch im zweiten Geschäftsquartal bekanntgegeben hatte (Computerwoche online berichtete), kritisieren Analysten das Bilanzierungsverfahren. Der Grund: Wie aus einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, schrumpften die Einnahmen aus dem Softwareverkauf im vergangenen Quartal um 41 Prozent auf 170 Millionen Dollar. Gleichzeitig stieg aber auch der Umsatzanteil aus Tauschgeschäften mit Lieferanten. Insgesamt beliefen sich diese Erlöse auf 30,7 Millionen Dollar, das entspricht rund 18 Prozent der Lizenzeinnahmen oder 7,6 Prozent des Gesamtumsatzes. Ein Jahr zuvor hatte Siebel mit Einnahmen aus Tauschgeschäften noch 12,2 Millionen Dollar oder vier Prozent der Lizenzeinnahmen erwirtschaftet.

Kritische Stimmen sind nun der Ansicht, dass die Lieferanten die Software gar nicht dringend benötigten. Sie behaupten vielmehr, die Zulieferer ließen sich nur auf den Tauschhandel ein, um Siebel bei der Bilanzkosmetik zu helfen und so die künftigen Geschäftsbeziehungen nicht zu gefährden. Langfristig werde sich diese Strategie rächen, da Siebel auf diesem Weg keine zuverlässigen Kunden gewinne.

CEO Tom Siebel verteidigte die Praxis, Umsätze aus Tauschgeschäften detailliert auszuweisen, und fragte, warum andere Softwareanbieter keine ähnlichen Informationen preisgäben. Das Unternehmen erklärte in seinem Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC, dass die Softwareverkäufe an Zulieferer separat ausgehandelt, bar bezahlt und auf rein geschäftlicher Basis abgelaufen seien. (mb)