Web

 

Analysten befürchten Internet-Einbruch

23.11.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - US-Analysten lesen aus aktuellen Marktzahlen bereits ein drohendes Ende des derzeitigen Internet-Booms heraus. Henry Blodget von Merill Lynch befürchtet beispielsweise, daß die Zahl der Internet-Surfer nicht mehr in gewohntem Maße weiter ansteigen wird. Er beruft sich dabei auf Statistiken von Media Metrix. Diese hatten nach einem Quasi-Stillstand im September 1999 für den zurückliegenden Oktober knapp 490 000 neue Onliner konstatiert (Gesamtzahl: 63,8 Millionen). In den Vormonaten hatte es hingegen regelmäßig ein Wachstum von rund 750 000 Neu-Surfern gegeben. "Wir wollen das Ergebnis zwar nicht überbewerten, glauben aber trotzdem, daß es sich hier um ein weiteres Anzeichen für einen Rückgang des Wachstums bei Online-Usern in den USA handelt", befürchtet Blodget.

Auch wenn die Media-Metrix-Zahlen (ähnlich wie die GfK-Erhebungen hierzulande) aufgrund der relativ kleinen zugrundeliegenden Stichprobe umstritten sind, kommen auch andere Experten zu der Ansicht, daß sich die Internet-Netzlast immer mehr auf wenige große Sites konzentriert. "Der Trend geht stetig dahin, daß Dollars und Nutzung sich am oberen Ende der ´Nahrungskette´ konzentrieren", erklärt James Preissler von Paine Webber. "Das hat ganz klar Auswirkungen auf andere, weniger prominente Sites. Es gibt vielleicht nicht genug Krümel, um alle Firmen da draußen mit durchzufüttern." Preissler führt zum Beweis Zahlen des Internet Advertising Bureau an. Diesen zufolge konnten die zehn größten Websites im ersten Quartal 1999 bereits 75 Prozent aller Online-Werbeeinnahmen für sich beanspruchen. In den drei Monaten zuvor betrug der Top-Ten-Anteil 71 Prozent, im ersten Halbjahr 1998 hatte er noch niedriger gelegen.