Durchgängige Prozesskette

Amsterdam digitalisiert das Knöllchen-Schreiben

Robert Berndt ist freier Journalist aus Tübingen.
Autofahrer werden dieses Transformationsprojekt wahrscheinlich hassen. Dank Digitalisierung können im Amsterdam Knöllchen nun schneller und effizienter ausgestellt werden.
Dank digitaler Technik müssen Park-Kontrolleure in Amsterdam nicht mehr auf den Bürgersteigen herumlaufen. Stattdessen fahren Sie in Fahrzeugen mit SCANaCAR-Systemen von ScanAuto durch die Straßen, mit denen bis zu 800 digitale Bilder pro Sekunde von parkenden Autos gemacht werden.
Dank digitaler Technik müssen Park-Kontrolleure in Amsterdam nicht mehr auf den Bürgersteigen herumlaufen. Stattdessen fahren Sie in Fahrzeugen mit SCANaCAR-Systemen von ScanAuto durch die Straßen, mit denen bis zu 800 digitale Bilder pro Sekunde von parkenden Autos gemacht werden.
Foto: BT Global Services

Bis vor kurzem hatten es die Park-Kontrolleure bei ihren Patrouillen in den Straßen von Amsterdam nicht einfach. Sie mussten mit aggressiven und manchmal sogar gewalttätigen Autofahrern umgehen, die einen Strafzettel für falsches Parken erhalten hatten. Dies führte zu gesundheitlichen Belastungen und zu hohen Arbeitsausfällen.

Strafzettel aus dem Backoffice

Durch ein neues System werden Strafzettel jetzt im Backoffice erstellt und dadurch Konfrontationen vermieden. Die Arbeit der Kontrolleure ist sicherer und abwechslungsreicher geworden, weil sie zwischen Innen- und Außendienst wechseln können. Zum Außendienst gehören zum Beispiel Patrouillen in speziellen Scan-Fahrzeugen und die Begutachtung von komplexeren Parksituationen. Die Jobzufriedenheit schnellte nach oben, die Fehlzeiten wegen Krankheit sind von 24,3 Prozent im Jahr 2011 auf rund 3,5 Prozent im Jahr 2016 zurückgegangen.

Parksünder scannen

Parkplatz-Kontrolleure oder Strafzettel auf den Straßen von Amsterdam gehören dank eines digitalen Parksystems der Vergangenheit an. Parkscheine werden online ausgestellt und Parksünder durch den Einsatz mobiler Auto-, Motorroller- oder Fahrrad-Patrouillen per Kamera entdeckt. Dank der digitalen Technik müssen die Park-Kontrolleure in Amsterdam nicht mehr auf den Bürgersteigen herumlaufen. Sie müssen noch nicht einmal auf falsch geparkte Autos achten. Stattdessen fahren Sie in Fahrzeugen mit SCANaCAR-Systemen von ScanAuto durch die Straßen. Die Fahrzeuge können bis zu 800 digitale Bilder pro Sekunde von den parkenden Autos machen.

Das automatische Knöllchen

Mit Hilfe der neuen Plattform konnten nicht nur die Kosten um 35 Prozent reduziert werden, sondern auch die Verfügbarkeit auf 99,9 Prozent erhöht werden.
Mit Hilfe der neuen Plattform konnten nicht nur die Kosten um 35 Prozent reduziert werden, sondern auch die Verfügbarkeit auf 99,9 Prozent erhöht werden.
Foto: BT Global Services

Die digitalen Aufnahmen werden verschlüsselt und zur Analyse an das Backoffice gesendet. "Mit unserer Software wird das Kennzeichen in eigenen und behördlichen Datenbanken gesucht, um zu überprüfen, ob der Fahrzeugbesitzer den korrekten Parkschein für die betreffende Parkzone erworben hat", erklärt Jan Lukkien, IT Manager bei Egis Parking Services. Ist dies nicht der Fall, wird automatisch ein Strafzettel erstellt und per Post an die Adresse des Fahrzeugbesitzers geschickt. Ohne Verzug und ohne Stress. Dabei werden jährlich rund 40 Millionen Nummernschilder gescannt und rund 200 Millionen Euro Bußgelder pro Jahr eingezogen.

Egis ist ein französischer Technologie-Konzern der für die Stadt Amsterdam diesen outgesourcten Service organisiert und durchführt. Ursprünglich wurde das System von einer städtischen Organisation verwaltet, während British Telecom (BT) Dienstleistungen sowie Datacenter- und Netzwerkdienste bereitstellte. Auf der Suche nach einem IT-Dienstleister entschied sich Egis dann wieder für BT.

Die Technik

Mit der Vorgabe, über einen Vertragszeitraum von 10 Jahren bis zu 1,7 Milliarden Euro für die Stadt Amsterdam einzunehmen, begann Egis den Betrieb seiner Park-Services. Jan Lukkien, IT-Manager bei Egis Parking Services, konkretisiert die Herausforderung: "Wir brauchten eine stabile IT-Plattform, da wir praktisch rund um die Uhr arbeiten und rund 40 Millionen Nummernschilder pro Jahr scannen."

Egis entschied sich dann für den britischen Carrier, weil nicht nur dessen Compute-Hosting-Plattform die Anforderungen erfüllte, sondern auch eine Kostenreduktion von 35 Prozent zu erzielen war. Das Kernstück der Lösung sind vier von BT bereitgestellte und gewartete Cisco UCS-(Unified Computing System)-Blade-Servercluster der B-Serie, die auf Switches der Cisco Nexus 9000 Serie laufen.

Sie unterstützen rund 100 virtuelle Maschinen (VM) in einer VMware-Umgebung, auf denen Datenbanken, Verzeichnisse und andere Anwendungen laufen. Die Systemverfügbarkeit wird dabei mit 99,9 Prozent angegeben. Für die Connectivity zwischen Rechenzentrum und Egis-Firmensitz sorgt eine 1-GBit/s-Verbindung.