Bewerbung für den Topjob

Wie Sie den Traumjob ergattern

05.11.2015 von Malin Schadel
Auf dem Arbeitsmarkt sind echte Topjobs rar. Die Folge: Viele qualifizierte Kandidaten bewerben sich auf sie, um Karriere zu machen. Die Bewerbung muss deshalb spitze sein, denn meist entscheiden Kleinigkeiten darüber, wer die heiß begehrte Stelle erhält.
  • Bei Spitzenjobs gelten verschärfte Auswahlkriterien.
  • Wer im Talent-Pool landet, bekommt vielleicht eine zweite Chance.
  • Bewerber sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Der Arbeitsmarkt in der IT-Branche boomt. Trotzdem ist es für Jobsuchende nicht leicht, den Traumjob zu ergattern. Der Grund: Auf diese Stellen bewerben sich in der Regel viele qualifizierte Kandidaten. Den begehrten Job kann aber nur einer bekommen. Und wer aus dem Bewerbungsrennen als zweiter Sieger hervorgeht, der hat (meist) verloren.

Der Traum vom Traumjob geht nur dann in Erfüllung, wenn die Bewerbung von A bis Z perfekt ausgeführt wird.
Foto: Rido-shutterstock.com

Doch was ist überhaupt ein Top- oder Traumjob? "Das hängt von der Qualifikation, Lebenssituation und den persönlichen Zielen ab", betont Cornelia Heim, Geschäftsführerin der ilea-Akademie, Stuttgart. Für eine junge Mutter kann eine Teilzeitstelle in der Nähe ihrer Wohnung der Traumjob sein. Für einen Elektriker, der bisher für einen Kleinbetrieb arbeitete, vielleicht eine Stelle in einem Großunternehmen, weil er dort ein höheres Gehalt erhält. Und für einen frischgebackenen Betriebswirt? Für ihn kann die Stelle als Trainee in einem Konzern der Traumjob sein, weil sie ihm den Weg zu einer internationalen Karriere eröffnet.

Topjobs erfordern Topbewerbungen

Gemeinsam ist allen Topjobs: "In der Regel bewerben sich überdurchschnittlich viele Stellensucher auf sie", betont Personalberater Frank Adensam aus Meckenheim. Also können die Unternehmen bei der Personalauswahl schärfere Auswahlkriterien anlegen. Folglich muss bereits die Bewerbung "spitze" sein, damit ein Bewerber überhaupt in die engere Auswahl kommt.

Doch was kennzeichnet eine Spitzenbewerbung? Klar ist: Der Bewerber muss alle fachlichen Anforderungen erfüllen. Klar ist ferner: Die Bewerbungsunterlagen dürfen keine größeren Mängel aufweisen; speziell dann, wenn sie an "attraktive Arbeitgeber" adressiert sind, die oft mit Bewerbungen überschwemmt werden.

Das betont auch Martin Baltes, Gruppenleiter Recruiting Fach- und Führungskräfte beim Pharma- und Chemiekonzern Merck, Darmstadt: "Bewerbungen, die zum Beispiel aufgrund von Rechtschreibfehlern keinen guten Gesamteindruck machen, haben keine Chance." Dasselbe gilt, wenn in der Bewerbungsmappe wichtige Unterlagen fehlen, ergänzt Bernadette Imkamp, Leiterin Personalbetreuung und -marketing bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. "Oder wenn ein Lebenslauf mehr Fragen aufwirft als beantwortet." Dabei gilt selbstverständlich: Bei Schulabgängern schauen die Unternehmen eher über Schwächen hinweg als bei Hochschulabgängern und berufserfahrenen Stellensuchern.

Als Person Flagge zeigen

Doch Top-Bewerbungsunterlagen sind letztlich nur eine Grundanforderung, die es beim Bewerben zu erfüllen gilt. Um eine echte Chance zu haben, ist mehr nötig - speziell wenn es um das Besetzen echter Spitzenjobs geht. So betont zum Beispiel Julia Laas, Leiterin Personalmarketing bei der Allianz, bezogen auf die Kandidaten für deren Trainee- und Vorstandsassistenten-Programm: "Wir wollen die Begeisterung der Bewerber spüren." Aus der Bewerbung sollte hervorgehen, warum der Bewerber sich bei einem Versicherungs- und nicht bei einem Bauunternehmen bewirbt. Ähnlich äußert sich Merck-Recruiter Baltes.

Mit speziellen Fähigkeiten punkten

Gerade berufserfahrenen Stellensuchern fällt es oft schwer, Unternehmen darzulegen, warum sie für eine vakante Stelle die Idealbesetzung sind. Diese Erfahrung hat Personalberater Adensam gesammelt. Denn sie erachten häufig vieles, was sie in ihrer bisherigen Position taten, als selbstverständlich. "Oft ist ihnen nicht bewusst, dass sich dahinter spezielle Fähigkeiten verbergen, die sie für bestimmte Unternehmen zu sehr attraktiven Bewerbern machen." Deshalb rät Adensam speziell berufserfahrenen Bewerbern: "Analysieren Sie genau, welche Fähigkeiten und Erfahrungen Sie in Ihrer letzten oder aktuellen Position erworben beziehungsweise gesammelt haben. Denn hieraus können Sie ableiten: Bei welchen Unternehmen und Positionen habe ich eine realistische Chance? Und: Welche Pfunde kann ich in die Waagschale werfen?"

Zehn schlimme Fehler in der Bewerbung
Haarsträubende Bewerbungsfehler
IT- und Software-Spezialisten sind gefragt. Aber trotz der guten Berufsaussichten heißt es auch für diese Klientel, haarsträubende Bewerbungsfehler zu vermeiden.
Öffentliche Jobsuche
Wer als IT-Spezialist in seinem Xing- oder LinkedIn-Profilen angibt, dass er auf Stellensuche ist, wird mit Stellenangeboten zugeschüttet, wovon die wenigsten auf sein Profil passen. Daher ist es ratsam, sich auf Plattformen oder Reverse-Recruiting-Portalen anzumelden, die auf einzelne Branchen spezialisiert sind.
Technologie-Geprotze
Die Lebensläufe von IT-Bewerbern strotzen oft von Namen und Abkürzungen sämtlicher jemals benutzten Programmiersprachen und Technologien. Weniger ist aber mehr. Von Vorteil ist es, nur für die Stelle relevanten Kenntnisse in den Vordergrund zu stellen.
Print-Bewerbung
Nur ein Viertel der Personalverantwortlichen ist noch gewillt, ausgedruckte und per Post geschickte Bewerbungen anzunehmen. Speziell für IT- oder Softwareexperten gilt entsprechend: Bewerbungen in Papierform werden meist aussortiert.
Zu wenig Fakten
Der Lebenslauf sollte übersichtlich und aussagekräftig sein. Nur die vorherigen Arbeitgeber und Stellenbezeichnungen zu nennen, reicht nicht aus. Drei bis fünf Stichpunkte unter jeder ausgeübten Tätigkeit, mit Angaben über Rolle, Aufgaben, Projekte und angewandte Technologien sind ein Muss. Der Recruiter kann sich so schnell einen guten Überblick verschaffen.
Massenbewerbung
Das offene Versenden der Bewerbung an mehrere Adressaten ist eine Todsünde. Betriebe reagieren in der Regel allergisch auf Massenbewerbungen per E-Mail. Mit anderen Worten: eine Bewerbung muss individuell an das Unternehmen und die offene Stelle angepasst sein.
Zu viele Einzeldokumente
E-Mail-Bewerbungen mit vielen unterschiedlichen Einzeldokumenten sowie zu großen Dateien lassen Personaler schnell an der Kompetenz des ITlers zweifeln. Alle Dokumente sollten kompakt in einer nicht zu großen PDF-Datei (nicht mehr als 3MB) versandt werden.
Keine Manieren
Der Bewerber sollte den normalen Grad an Persönlichkeit, Höflichkeit und Respekt zeigen, auch wenn er gerade als Technikexperte stark umworben wird. Die kommentarlose Versendung eines Links zum eigenen Social-Media-Profil auf Xing, LinkedIn, Github, Facebook, etc. ohne begleitende Worte ist keine passende und zielführende Kommunikation.
Bewerbungs-Homepage
Die Idee der Bewerbungs-Homepage ist grundsätzlich gut. Das Problem ist nur, dass die Schwerpunkte für den spezifischen Job und das Unternehmen, dem die Bewerbung gilt, nicht herausgehoben werden können. Ein sehr gutes Begleitschreiben kann das ausgleichen – sofern es gelesen wird.
Forderungen stellen
Es wird als No-Go angesehen, direkte Forderungen à la „Wenn-dann“ in der Bewerbung zu stellen. Die Formulierung von Wünschen und Vorstellungen in überschaubarem Maß ist dagegen meist unproblematisch.
Zu private Bewerbungsfotos
Die Anforderungen an das Bewerbungsfoto haben sich gerade in der IT-Branche stark gelockert. Authentizität und Sympathie stehen im Vordergrund. Auch Bilder aus der Freizeit können das gut transportieren. Zur Vorsicht ist aber geraten, wenn es zu Partybildern oder Aufnahmen vom unordentlichen Schreibtisch zu Hause kommt.

Oft gibt es eine zweite Chance

Übereinstimmend betonen alle Firmenvertreter: Wer einen Spitzenjob ergattern möchte, darf seine Bewerbungen nicht im Streuversand verschicken. "Zielführender ist es" laut Imkamp, "wenige qualifizierte Bewerbungen zu schreiben." Und wenn man dann aus einem Bewerbungsrennen doch nur als zweiter oder dritter Sieger hervorgeht, dann sei die Mühe oft trotzdem nicht vergebens, betont Allianz-Managerin Laas. "Denn diesen Bewerbern offerieren wir häufig alternative Stellen. Oder wir nehmen sie in unseren Talent-Pool potenzieller Mitarbeiter auf, mit denen wir Kontakt halten." Ähnlich verfahren die Unternehmen Merck und Schwäbisch Hall. Denn sie wissen: Gute Fach- und Führungskräfte zu finden, wird in den kommenden Jahren zunehmend schwerer. Deshalb lohnt es sich, mit Spitzenbewerbern in Verbindung zu bleiben. (pg)