Tipps von IDC

Was Städte auf dem Weg zur Smart City beachten sollten

08.03.2017 von Laura Hopp
Kommunale Verwaltungen werden von vielen Bürgern als eingefahren und unbeweglich wahrgenommen, unmodern und technologisch in der Steinzeit angesiedelt. Dass sich deutsche Städte und Gemeinden allerdings vielerorts langsam, aber sicher zur Smart City mausern, ist nicht mehr zu übersehen. Was Stadtverantwortliche auf ihrer Reise durch die digitale Transformation beachten sollten, lesen Sie hier.

Modernste Technologien und Innovationen im Rahmen der digitalen Transformation bieten Städten und Gemeinden heute ganz neue Möglichkeiten, das Leben und den Alltag ihrer Bürger in vielerlei Hinsicht positiv zu beeinflussen. Um die Transformation zur Smart City erfolgreich zu meistern, haben Stadtverwaltungen dabei einige Herausforderungen zu meistern: (unzureichende) Haushaltsbudgets, rechtliche Rahmenbedingungen, klimapolitische Ziele sowie die (fehlende) Akzeptanz der Bürger.

Auf dem Weg zur Smart City haben Stadtverwaltungen einige Herausforderungen zu meistern.
Foto: jamesteohart, Shutterstock.com

Die Liste der Hürden ist lang - und führt dazu, dass bestehende Potenziale aktuell noch nicht ausreichend genutzt werden. Ein Beispiel: 75 Prozent der Städte sind derzeit nicht in der Lage das volle Potenzial von Smart-City-Daten auszunutzen, hier werden die Daten lediglich im Nachgang analysiert und visualisiert. Ziel sollte es jedoch sein, Daten in Echtzeit in alltägliche Prozesse einfließen zu lassen, um diese effizienter zu gestalten. Hierfür müssen allerdings bestehende Abläufe, Routinen und auch die Arbeitskultur in den Verwaltungen grundlegend verändert werden.

Für Verwaltungsmitarbeiter bedeutet dies, dass einige Aufgaben wegfallen und neue hinzukommen. Sie müssen sich daher auf neue Arbeitsweisen einstellen und diese vor allem auch akzeptieren, denn nur so können Veränderungen überhaupt umgesetzt werden. Hinzu kommt für die Kommunen und Gemeinden der finanzielle Aspekt, ohne Investitionen in moderne IT, Datenschutz und -sicherheit sowie entsprechende personelle Kapazitäten kann keine Smart City entstehen.

Trotz der skizzierten Hürden haben Städte vielerorts bereits erste Smart-City-Initiativen erfolgreich gestartet. So verfolgt beispielsweise die Hansestadt Hamburg mit ihren Aktivitäten rund um die „Digitale Stadt“ ein ganzheitliches Konzept, welches verschiedene Teilbereiche umfasst.

Eine weitere Leuchtturmstadt ist Köln, die eine Plattform ins Leben gerufen hat, auf der Projekte rund um die Smart City koordiniert und neue Ideen von Unternehmen, Verbänden und Bürgern gemeinsam entwickelt und ausprobiert werden. Der Weg zur vollkommenen Smart City ist jedoch auch hier noch nicht geschafft - und wird es wahrscheinlich auch nie sein. Der technologische Wandel steht nicht still und bereits Umgesetztes wird wieder und wieder in Frage gestellt.

IDC hat drei wichtige Entwicklungen identifiziert, die Stadtverantwortliche hierzulande in den kommenden Jahren bei der Gestaltung ihrer smarten Stadt beachten sollten.

Gefragt: Technologiepartner, die offene Schnittstellen, Datenaustausch und langfristige Beziehungen verfolgen

Smart-City-Daten, beispielsweise bezogen auf Verkehr, Umwelt oder Energieverbrauch, werden an vielen Orten (Straßen, Parkplätze, Laternen, Gebäude, etc.) über die Stadt verteilt gesammelt. Um diese miteinander zu verknüpfen, sinnvoll zu analysieren und weiter zu verteilen ist es für Stadtverwaltungen essentiell, die Daten an einer Stelle zentral zu managen.

Hier kommt die Smart-City-Plattform ins Spiel. Die Integrationsmöglichkeit der Daten aus verschiedenen Quellen ist dabei ein entscheidendes Kriterium. Legacy-Systeme, die insbesondere Betriebssysteme mit proprietären Standards verwenden, machen eine Integration dabei äußerst schwer. IDC erwartet daher, dass die Verantwortlichen in den Städten bei der Auswahl ihres Plattformanbieters auf das Prinzip der Open IT setzen und sich für modulare, innovative, kompatible und auf Open Source oder zumindest offene Schnittstellen basierende Systeme entscheiden. IDC schätzt, dass künftig zwei Drittel der Budgets in „offene Lösungen“ fließen werden.

50 Prozent der Open-Data-Initiativen werden darauf abzielen, neue Einnahmequellen zu testen

Open-Data-Portale oder zumindest erste Ansätze zur Entwicklung eines Konzeptes sind in Deutschland vielerorts bereits vorhanden. Verschiedene Datensätze werden hier von der Stadt für die weitere Nutzung zur Verfügung gestellt, um langfristig den Informationsaustausch zu fördern und die Basis für neue Services zu schaffen. Das Sammeln der Daten und die Bereitstellung dieser auf den Portalen ist jedoch auch mit Kosten und Personalaufwand verbunden. Angesichts der finanziell angespannten Lage keine einfache Situation für viele Kommunen.

Um weitere Investitionen zu rechtfertigen, müssen Stadtverwaltungen daher darüber nachdenken, welche neuen Einnahmequellen sich durch die Bereitstellung von Daten ergeben können. Wie können bereits vorhandene oder künftige Smart-City-Daten Nutzen stiften und Einnahmen generieren? Denkbar wäre, Daten des öffentlichen Sektors mit Daten aus der Privatwirtschaft zu kombinieren, sie damit werthaltiger zu machen und dann beispielsweise an App-Entwickler, Forscher und Unternehmen zu verkaufen.

Diese können die Daten anschließend einsetzen, um innovative Anwendungen und Services zu entwickeln. Denkbar wäre die Kombination von Daten bezogen auf Verkehrsunfälle (Polizei), Verkehrsaufkommen (Navigationsdienstleister) und Baustelleninfos (Straßenbauamt) mit Wetterdaten (privaten Wetterstationen), um so beispielsweise Services zur Echtzeit-Flottenoptimierung für das Transportgewerbe zu entwickeln. IDC erwartet, dass Verantwortliche in deutschen Städten die Bereitstellung von Open Data in den kommenden Jahren zunehmend als neue Einnahmequelle nutzen werden.

Eine Datenstrategie ist hierbei dringend notwendig, um festzulegen, welche Informationen öffentlich und welche zwar öffentlich, aber kostenpflichtig sind. Hinzu kommt ein geeignetes Preissystem für den Verkauf der kostenpflichtigen Daten auf den Portalen.

Das Thema Sicherheit rückt für Städte in den Fokus

Immer häufiger werden physischen Objekten mit Sensorik ausgestattet und internetfähig gemacht. Die Vernetzung der Städte weltweit schreitet somit weiter voran und bildet die Basis für die smarte Stadt. Die Kehrseite der Medaille: Städte werden dadurch auch für Hacker immer interessanter. Die Tatsache, dass Menschen in den Großstädten dicht auf dicht leben, bieten den Angreifern dabei eine ideale Gelegenheit, einen größtmöglichen Schaden anzurichten.

So beobachtet IDC aktuell, dass Städte und Gemeinden häufig von Ransomware-Attacken betroffen sind. Dabei handelt es sich um eine Form des unerlaubten Zugriffs von außen, bei dem ganze IT-Systeme lahmgelegt und erst wieder freigegeben werden, nachdem eine Art Lösegeld bezahlt wurde. Der öffentliche Sektor ist hierbei besonders gefährdet, da aufgrund der oftmals angespannten finanziellen Situation nicht ausreichend in präventive Sicherheitsmaßnahmen investiert und demnach notgedrungen ein reaktiver Ansatz verfolgt wird.

Angesichts der Sicherheitsrisiken gehört das Thema Security ganz oben auf die Agenda und muss proaktiv angegangen werden. Stadtverantwortliche tun gut daran, sich mit potenziellen Cyber-Attacken auseinandersetzen und präventive Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren. Nur auf Attacken zu reagieren ist nicht ausreichend, vielmehr müssen interne Systeme prophylaktisch geschützt werden. Sicherheitsverantwortliche sollten also dringend evaluieren, inwiefern ihre Stadt auch durch Attacken außerhalb der eigenen Systeme verwundbar ist.

Fazit: Der Weg zur Smart City ist steinig, aber lohnt sich

Die digitale Transformation ist in vielen deutschen Städten zu spüren und erste Initiativen wurden gestartet. Auf dem Weg zur Smart City haben Stadtverantwortliche mit Herausforderungen zu kämpfen, die facettenreicher nicht sein könnten. Es geht zum einen um die Auswahl und den Einsatz neuer Technologien, die Auswahl von Anbietern sowie darum, wie Effizienzsteigerung und Einnahmengenerierung realisierbar sind.

Bei der Anbieterwahl sollten Stadtverantwortliche insbesondere darauf achten, dass Modularität und Interoperabilität, etwa über Open-Source-Codes, gewährleistet wird. Zudem sollte in präventive Sicherheitsmaßnahmen investiert werden, um Cyber-Angriffe vorzubeugen. Für den Umgang mit Smart-City-Daten sowie die Bereitstellung und dem Pricing von Open Data muss eine Datenstrategie entwickelt werden.

Darüber hinaus geht es beim Wandel zur smarten Stadt jedoch auch um weiche Faktoren, wie die Akzeptanz der Mitarbeiter im Hinblick auf die Veränderung der Arbeitsprozesse. Um dies zu erreichen ist ein Kulturwandel in den Verwaltungen unumgänglich. Das braucht Zeit und einen langen Atem. Das Ziel der Smart City erreicht man also weniger über die Autobahn, sondern vielmehr über den steinigen Feldweg – aber die Reise lohnt sich. (mb)