Dresscodes im Job

Was ist "business casual"?

Update  11.07.2020 von Karen Funk
Dürfen Sie Jeans tragen, wenn der Kleidungsstil "business casual" verlangt wird? Was versteht man unter "Come as you are" im Business-Kontext? Wir verraten Ihnen, welche Kleidung Sie in welcher Situation im Job anziehen müssen, um sich nicht zu blamieren.

Wie häufig haben Sie beim Dresscode "business casual" auf der Einladung zu einer Firmenveranstaltung oder einem Kongress überlegt, was Sie anziehen werden? Oder haben bei Abendeinladungen gegrübelt, was unter "festliche Abendgarderobe" zu verstehen ist? Haben Sie deswegen schon einmal einen Rundruf bei Kollegen und Abteilungsassistenz gestartet? Wäre es nicht schön gewesen, wenn sich der Einladende deutlich ausgedrückt hätte?

Eine Krawatte ist nicht immer Pflicht, etwa wenn als Dresscode "Business Casual" angegeben ist.
Foto: Trombax - shutterstock.com

Die Expertinnen Anke Quittschau und Christina Tabernig von dm Trainingsinstitut korrekt! bringen Licht ins Dunkel der Kleiderordnungen. Sie haben eine Übersicht über die wichtigsten Dresscodes im Geschäftsleben mit den Do's and Don'ts erstellt:

Day Informal / Business Attire / Tenue de Ville

Anlass: Geschäftsreise

Tipp: Es geht um einen Business-Tag, der außerhalb der eigenen Geschäftsräume und/oder mit externen Partnern/ Kunden verbracht wird. Erwartet wird ein dunkler Anzug (meist dunkelgrau, anthrazit oder dunkelblau) mit Hemd, Krawatte und schlichten Schuhen.

Das geht gar nicht: Jeans oder andere Freizeitkleidung.

Business (hochoffiziell)

Anlässe: tägliches Business in hohen Führungsebenen, Business-Veranstaltungen

Tipp: Erwartet wird ein (dreiteiliger) dunkler Anzug mit Weste, Hemd, Krawatte und glatten Lederschuhen. Schlichte Manschettenknöpfe sind gern gesehene Accessoires, der Anzug sollte dunkelgrau, anthrazit oder dunkelblau sein und darf einen Nadelstreifen haben. Bei einer Abendveranstaltung darf der Anzug auch Schwarz sein. Hier wird klassische Eleganz erwartet.

Das geht gar nicht: Helle Anzüge, Rollkragenpullover, keine Krawatte, Button-down-Hemd.

Kleidungstipps für den Business-Mann
Stilvolle Business-Kleidung ...
... ist eine hohe Kunst. Lesen Sie unsere Anregungen, um die größten Fettnäpfchen zu vermeiden.
Das hochwertige Sakko
Ein qualitativ hochwertiges Business-Sakko erkennen Sie daran, dass es innen, unten links, über eine Tasche für Visitenkarte verfügt. Außerdem hat das teurere Sakko an den Ärmeln vier statt drei Knöpfe.
Das Sakko sitzt richtig ...
... wenn der Kragen des Sakkos sich unterhalb des Hemdkragens so um den Nacken legt, dass der Hemdkragen etwa eineinhalb Zentimeter übersteht. Unter dem Kragen dürfen keine Falten auftreten, sonst wirkt das Sakko zu eng oder zu weit.
Hemdsärmelig?
Der Ärmel des Sakkos ist eineinhalb Zentimeter kürzer als der Hemdsärmel und reicht bis zum Knochen des Handgelenks.
Seriös wirken
Der korrekte Anzug für den Job hat einen dunklen Farbton.
Das Detail macht den Unterschied
Ein Haifischkragen wirkt deutlich schicker als der gute alte Kentkragen.
Schlichtweg unmöglich ...
... sind Button-down-Hemden in der Führungsetage oder bei Geschäftsveranstaltungen.
Details, Teil 2
Eine Krawatte ist ein Statement. Binden Sie diese deshalb ordentlich, wobei der oberste Hemdknopf geschlossen wird.
Kariert oder gestreift?
Wenn Sie gemusterte Hemden bevorzugen, entscheiden Sie sich für ein unauffälliges Design oder klassische Streifen bei der Krawatte.
Von Kopf bis Fuß
Nichts ruiniert Ihr Outfit schneller, als ein stilloser oder vernachlässigter Schuh. Mit den Klassikern (Oxfords und Brogues) liegen Sie immer richtig.
Farbkombis
Zu schwarzen Anzügen trägt man weder braune Gürtel noch braune Schuhe. Zumindest nicht als Deutscher. Italiener kriegen auch diese Kombi chic hin.
Weniger ist mehr.
Zu einem Nadelstreifenanzug wählen Sie immer ein einfarbiges Hemd.
Noch ein No-Go ...
....sind nackte Männerwaden! Das geht nur beim Sport! Achten Sie darauf, dass die Socken auch beim Beinüberschlag keine Haut zeigen. Auf Nummer Sicher gehen Sie dabei mit Kniestrümpfen.
Ein Mann ist ein Mann ...
... Schmuck ist deshalb im Business-Umfeld nach wie vor nicht akzeptiert. Hier sollten sich Herren auf maximal ein bis zwei Ringe und eine Armbanduhr beschränken.
Manchmal geht auch leger
Bei Geschäftsessen oder zum Drink nach Feierabend darf die Krawatte auch mal fehlen.
Drauf reingefallen?
Business Casual als Dresscode suggeriert zwar einen Freizeit-Look, jedoch nur im angemessenen Rahmen: Jeans sind absolut tabu, ebenso wie Shorts oder offene Schuhe.
Für Fortgeschrittene
Business Casual, Teil 2: Stilvoll sind Polohemden, farbige Oberhemden und/oder feine Strickpullover in Kombination mit Baumwoll- oder Cordhosen.

Business (offiziell)

Anlässe: tägliches Business in mittleren und höheren Führungsebenen, Business-Veranstaltungen

Tipp: Erwartet wird ein zwei- oder dreiteiliger, dunkler Anzug mit Hemd, Krawatte und glatten Lederschuhen. Der Anzug kann neben den üblichen dunklen Farben auch grau, braun oder Cognac-farben sein. Allerdings sollten Sie insbesondere bei braunen Anzügen die Schuhe und den Gürtel farblich abstimmen. Nadelstreifen, farbige Krawatten sowie Hemden in Pastelltönen mit feinen Streifen oder Gitterkaros sind erlaubt. Achten Sie auf eine dezente Kombination, sonst wirkt der Look schnell überladen.

Die Regel lautet: Nie mehr als zwei Muster gleichzeitig tragen.

Das geht gar nicht: Pullover, aufgeknöpfte Hemden, Button-down-Hemd, keine Krawatte, ungepflegte Schuhe, helle Socken.

Semi formal

Anlässe: Geschäftsalltag mit Kontakt zur Chefetage, Geschäftsreise

Tipp: Dieser Dresscode klingt legerer, als er ist, beinhaltet er doch eine Mixtur der oben genannten klassischen Outfits. Der erwartete Grad an Eleganz ist nicht zu unterschätzen: tagsüber trägt der Mann auf jeden Fall einen dunklen Anzug, Hemd und Krawatte.

Das geht gar nicht: Feierabend-Look mit gelockerter Krawatte, aufgekrempelten Ärmeln und einem über die Schulter geworfenen Jackett. Semi-formell oder "semi formal" bedeutet nicht "halb"-formell!

Business Casual

Anlässe: Veranstaltungen nach dem Büro, lockere Businessveranstaltung, interne Meetings ohne Chefetage

Profitipp: Business Casual ist nicht zu verwechseln mit Casual oder dem Casual Friday. Die Definition für diesen Dresscode lautet: Anzug mit Hemd ohne Krawatte. Eine Kombination aus Sakko und Stoffhose ohne Krawatte wäre auch möglich. Button-down-Hemd statt Business-Hemd ist hier möglich.

Fauxpas: keine Jeans, Bootsschuhe oder zu bunte Kleidung. Das Wörtchen "Business" deutet immer noch an, in welchem Rahmen man sich befindet.

Casual

Anlässe: Brunch, Sightseeing im Rahmen einer Geschäftsreise, internes Meeting außerhalb des Büros

Tipp: Dieser Dresscode suggeriert zwar einen Freizeit-Look, jedoch nur im angemessenen Rahmen: Jeans, Shorts und offene Schuhe sind absolut tabu. Stilvoll sind Polohemden, farbige Oberhemden und/oder feine Strickpullover in Kombination mit Baumwoll- oder Cordhosen.

Das geht gar nicht: Sportkleidung ist nicht gewünscht. Sparen Sie sich Ihre Shorts für den Badeurlaub auf.

Style Guide: Was ist erlaubt am Casual Friday?
Thanks God it's Friday!
Auch am Freitag sollte man sich an den Grundsatz halten: Was im Büro getragen wird, soll auch nach Büro aussehen. Wenn es also unbedingt eine Jeans sein muss, dann bitte eine ohne Löcher.
Die Benimm-Expertinnen ...
... Christina Tabernig (links) und Anke Quittschau von Korrekt! geben einen kleinen Style Guide zum Casual Friday.
Es muss nicht immer Blazer sein ...
... zum Hosenanzug oder Kostüm. Bluse zur durchgefärbten, dunklen Jeans (am besten im Regular Cut mit geradem Bein, eine Slimjeans wirkt zu sexy) oder Stoffhose ist ausreichend. Auch eine dünne Strickjacke kann zur Bluse getragen werden.
Frauen und Schuhe ...
Immer ein weites Feld! Loafer oder Ballerinas sind freitags in Ordnung, sofern kein wichtiger Termin mit Kunden oder Chef ansteht.
Immer schön klassisch
Der Stil bleibt weiter klassisch, auf nackte Haut und tiefe Ausschnitte sollte frau auch am Freitag verzichten.
Krawatte, nein danke
Auf die Krawatte können Männer am Freitag verzichten. Tragen Sie jedoch ein Button-Down-Hemd, damit der Kragen nicht schief aus dem Sakko schaut.
Achtung, No-Go!
T-Shirts und Outdoor-Kleidung sind ein No-Go. Im Business-Umfeld ist ein Hemdkragen Pflicht.
Gestaltungsspielräume
Legere Anzüge aus Leinen oder Baumwolle sind möglich.
Willkommen im Wochenende!
Tragen Sie keine Sneakers oder Flip-Flops. Beide gehören in die Freizeit.
Noch mehr Kleidungstipps ...
... für Männer finden Sie hier:
Wie schafft Frau den Spagat zwischen seriös und modisch?
Welche Rocklänge dürfen Business-Frauen tragen? Welche Einblicke sind im Geschäftsleben erlaubt? Antwaorten auf diese Fragen gibt dieser Artikel:
Ein gutes Polohemd ...
... zur Chino ist dagegen möglich.

Come as you are (smart casual)

Anlässe: Geschäftsessen oder Drink nach Feierabend

Tipp: Dieser Dresscode meint tatsächlich das, wonach er klingt: Kommen Sie so, wie Sie (nach Büroschluss) sind, lassen Sie Ihren Anzug an und ziehen Sie die Krawatte aus, sich umzuziehen ist nicht nötig. Wer direkt von Zuhause kommt, sollte allerdings nicht in die Falle tappen und in Jeans auftauchen. Erwartet wird ein korrekter (Business-)Look, Hemd und Flanellhose sind also die Basics.

Das geht gar nicht: Freizeitkleidung wie Jeans und T-Shirt.

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