Plaut stimmt sich auf den Turnaround ein

07.05.2003 von Manfred Bremmer
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach hohen Verlusten im vergangenen Jahr präsentierte die IT-Beratungsgruppe Plaut für das erste Quartal 2003 vor Zinsen und Steuern (Ebit) wieder einen leichten Gewinn. Der neue Firmenchef Toon Bouten geht davon nun aus, in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
Der neue CEO kehrt nach 19 Jahren als Manager an den Anfangspunkt seiner Karriere, das Beratergeschäft, zurück. Toon Bouten, Vorstandsvorsitzender von Plaut

Wegen der anhaltend schwachen Nachfrage und dem hohen Preisdruck hatte das 1946 gegründete Consulting- und Dienstleistungsunternehmen 2002 beschlossen, seinen Restrukturierungsplan "Target Ten" zu forcieren. Ziel des Programmes ist es, in jeder Ländergesellschaft eine operative Marge von zehn Prozent zu erreichen. So trennte sich Plaut im vergangenen Jahr vom Bereich Datacenter-Outsourcing - eine Reihe internationaler Niederlassungen wurden aufgegeben, die Rechenzentren in Italien, Österreich und Deutschland sollen künftig über Partner laufen. Um die Produktivität zu steigern, reduzierten die Salzburger den Personalbestand außerdem um 281 auf 1366 Mitarbeiter, dabei wurden 176 Berater auf die Straße gesetzt.

Nachdem im Vorjahr bereits ein Nettoverlust von 25,3 Millionen Euro verbucht worden war, sorgten die hohen Restrukturierungskosten, Einmalaufwendungen und vorsorglichen Abschreibungen 2002 für einen Fehlbetrag von 33,9 Millionen oder 1,70 Euro pro Aktie. Einziger Lichtblick: Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 215,8 Millionen Euro, lag damit jedoch leicht über den (zuvor gesenkten) Erwartungen. Zudem konnte Plaut mit 6,6 Prozent die prognostizierte Ebitda-Marge vor Sondereffekten um 0,6 Prozent überschreiten.

Das Unternehmen kündigte an, im laufenden Jahr weiter an der Kostenstruktur zu arbeiten. Um den Berateranteil an der Belegschaft von 80 auf 83 Prozent zu erhöhen, sollen 2003 zusätzliche 100 Stellen gestrichen werden, 82 davon wurden bereits im ersten Quartal abgebaut. Daneben beabsichtigt Plaut, unter anderem auf externe Berater weitgehend zu verzichten.

Bedenken, dass die geplanten Maßnahmen erneut zu einem tiefroten Jahresergebnis führen, wies der Vorstandsvorsitzende Erich Lebeiner auf der Bilanzpressekonferenz am 30. April zurück: "Es kann nicht Ziel sein, immer nur die Kosten zu senken, wir müssen nun zur Profitabilität zurückfinden". Den Machbarkeitsbeweis wird sein seit Anfang Mai amtierender Nachfolger, der frühere Philips- und Compaq-Manager Bouten, ablegen müssen, Lebeiner selbst wird Plaut als Berater weiter zur Seite stehen.

Einen Vorgeschmack auf bessere Zeiten gaben die Österreicher bereits im ersten Dreimonatszeitraum: Obwohl der Umsatz nach vorläufiger Schätzung gegenüber dem vorangegangenen Schlussquartal 2002 von 53,8 Millionen auf 46,6 Millionen Euro sank, erzielte das Unternehmen einen Ebit-Gewinn von 1,6 Millionen Euro. Die operative Marge betrug 7,3 Prozent. Die Effekte der vorangegangenen Restrukturierung sollen in der zweiten Jahreshälfte noch deutlicher werden, wenn die Produktivität weiter zunimmt, versprach Lebeiner. Zwar wollte das Management wegen des wechselhaften Marktes und der anstehenden Veränderungen im Haus keine detaillierte Prognose für 2003 abgeben. Nach dem guten Start stellt Plaut jedoch schwarze Zahlen und eine Verdreifachung der Ebitda-Marge in Aussicht.

Mit der Konzentration auf die beiden Geschäftslinien Management-Consulting sowie IT-und Hosting-Solutions sieht sich das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. Zwar würden SAP SI und andere Konkurrenten extremen Preisdruck ausüben, so der ehemalige Firmenchef, "wir jedoch kontern mit einer vernünftigen Strategie und Umsetzung". Ohnehin herrsche im SAP-Umfeld nach wie vor ein stabiles Preisniveau - wenn man Effizienzgewinne für den Kunden nachweisen könne. Außerdem baut Plaut auf Studien von Marktforschern, die für 2003 im Beratungs- und Servicegeschäft mit einem leichten Wachstum rechnen - und insbesondere auf die steigende Nachfrage des Mittelstands.