Arbeitsmarkt

IT-Jobs werden wichtiger

14.06.2016 von Susanne Köppler
Mit der Industrie 4.0 geht die Sorge vieler Arbeitnehmer einher, dass ihre Arbeitsstellen aufgrund der Digitalisierung und der Automatisierung wegrationalisiert werden könnte. Dazu besteht aktuellen Untersuchungen zufolge jedoch kein Anlass.
  • Durch die Digitalisierung können bis zu 60.000 Stellen verlorengehen. 80.000 sind jedoch in den letzten Jahren durch sie hinzugekommen
  • Das Internet, die Digitalisierung und Industrie 4.0 eröffnen neue Geschäftschancen für viele Branchen und tragen damit zu einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bei

Der eco Verband für Internetwirtschaft wirbt dafür, dass in Zusammenhang mit der Digitalisierung das Augenmerk auf die Chancen für Arbeitnehmer gelenkt werden soll. Zwar kann die Digitalisierung Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse überflüssig machen, aber die Sorgen, dass keine neue Arbeitsplätze entstehen werden, teilt Lucia Falkenberg, Leiterin der eco Kompetenzgruppe New Work, nicht.

Durch Digitalisierung und Automatisierung werden vor allem im verarbeitenden Gewerbe Arbeitsplätze in Zukunft wegfallen.
Foto: ktsdesign - shutterstock.com

IT-Berufe werden wichtiger

Laut Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung wird sich ein Großteil der heutigen Berufsbilder zwar wandeln, jedoch nicht verloren gehen. Falkenberg geht davon aus, dass die Digitalisierung das Aufkommen neuer Berufsgruppen vorantreiben wird. Zu dem Schluss kommt auch der Ökonom Ulrich Walwei, Vizedirektor am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. In einem Beitrag für Zeit online schreibt er: "Berufe, die an Bedeutung gewinnen, sind insbesondere spezialisierte IT- und technische Berufe, aber auch viele soziale Berufe. In diesen gibt es aber bereits heute oftmals Engpässe. Nicht nur Metall- und Elektrofachkräfte sind knapp, sondern auch Pflegefachkräfte."

Wie sich die einzelnen Berufe genau entwickeln werden, kann heute niemand seriös prognostizieren. Für Walwei ist aber klar, dass die Anforderugnen an die Mitarbeiter steigen werden und vor allem fachkräfte gebraucht werden.

Das IAB geht in seiner Studie davon aus, dass in kaum einem Beruf der Mensch vollständig ersetzbar sei. 85 Prozent der heutigen Arbeitsplätze seinen keinem hohen Risiko ausgesetzt, durch Automatisierung wegrationalisiert zu werden. Wer genau zu den Gewinnern oder zu den Verlierern der digitalen Arbeitswelt gehören wird, ist laut IAB-Forscher noch nicht gnau zu sagen. Er geht davon aus, dass im verarbeitenden Gewerbe weniger Arbeitskräfte nötig sein werden, während der Dienstleistungsbereich von der Digitalisierung profitiert.

Insgesamt sollen bis 2025 etwa 60.000 Stellen durch die Digitalisierung verloren gehen. Dem gegenüber stehen 80.000 neue Stellen, die laut eco allein in den letzten vier Jahren in der deutschen Internetwirtschaft entstanden sind.

Was Digitalisierung für Mitarbeiter bedeutet
Was ändert sich durch die Digitalisierung für die Mitarbeiter?
Antworten suchten diese IT-Chefs in einer Diskussion mit COMPUTERWOCHE-Redakteuren. Unser Bild zeigt von links: Hans Königes (CW), Edgar Kirchmann von Transearch, Dieter Loewe von NTT Data, Daniel Krauss von Flixbus, Axel Kummer von Metafinanz, Frank Engelhardt von Salesforce.com, Jürgen Renfer von der KUVB und Alexandra Mesmer (CW).
Axel Kummer, Metafinanz
„Wir müssen neu denken, ausgehend von den Geschäftsprozessen und den Endkunden. Dafür setzen wir auf kreative Köpfe, die auch aus anderen Branchen als der IT kommen.“
Daniel Krauss, Flixbus
„Unsere größte Herausforderung ist es, mit permanentem Change und der damit einhergehenden Unsicherheit zurechtzukommen.“
Dieter Loewe, NTT DATA
„Wir brauchen eine Arbeitskultur, in der Mitarbeiter ein Privatleben haben dürfen und nicht immer erreichbar sind.“
Edgar Kirchmann, Transearch
„Wer ­Digitalisierung ernst nimmt, braucht mehr als einen neuen Posten wie den Chief Digital Officer. Topmanagement wie Führungskräfte müssen das Thema ­treiben und vorleben.“
Jürgen Renfer, KVUB
„Digitale Veränderungen sind derart disruptiv, dass wohl niemand genau weiß, wo die Reise ­endet. Der CIO ist als Lotse gefordert.“
Frank Engelhardt, Salesforce.com
„Es motiviert die Mitarbeiter, wenn sie eine reelle oder auch gefühlte Autonomie ­haben.“