Public Cloud, Private Cloud oder Hybrid Cloud

Cloud-Modelle im Nutzer-Check

12.07.2017 von Günter Unterholzner
Eine aktuelle Umfrage zeigt die möglichen Kosteneinsparungen durch Cloud Computing sowie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten.

Die deutschen Unternehmen nutzen nach langem Zögern nun immer stärker Cloud-Angebote. Das belegen diverse Studien wie der BITKOM Cloud-Monitor. Demnach setzen bereits zwei von drei Firmen in Deutschland Cloud-Dienste ein, wobei die Mittelständler mit 100 bis 1.999 Mitarbeitern sogar über dem Durchschnitt liegen.

Die Cloud gibt es je nach Anwendungsfall in verschiedenen Ausprägungen.
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Doch diese Untersuchungen sagen wenig darüber aus, ob sich die Cloud tatsächlich lohnt und welche Variante in welchen Fällen sinnvoll ist. Um diese Fragen zu klären, haben die Marktforscher von Research in Action (RIA) im Auftrag von Interxion mehr als 500 IT-Entscheider mit Budgetverantwortung in deutschen Unternehmen verschiedener Branchen befragt.

Demnach zahlen sich der Umzug von Daten und Anwendungen in eine Public Cloud sowie die Auslagerung der IT-Infrastruktur zu einem kommerziellen Rechenzentrums-Betreiber (Colocation) am schnellsten aus. Investitionen in Public Cloud-Dienste rentieren sich in 87,1 Prozent der Fälle bereits innerhalb des ersten Jahres. Bei einem ausgelagerten Rechenzentrum schafft es immerhin noch fast jedes zweite Unternehmen (48,9 Prozent) innerhalb eines Jahres, alle anfänglichen Aufwendungen zu decken. Die Kosten für eine Private Cloud bei einem Colocation-Anbieter werden in nahezu allen Fällen (95,5 Prozent) in weniger als zwei Jahren wieder hereingeholt. Dagegen amortisieren sich Investitionen in die Private Cloud im eigenen Rechenzentrum bei 90,7 Prozent der Befragten nach spätestens vier Jahren.

Einsparen vs. Kontrolle

Die Dauer bis zum ROI ist zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Frage bei der Entscheidung für oder gegen eine Cloud-Variante. In der Vergangenheit haben Unternehmen oft aufgrund von Sicherheits-Bedenken mit der Einführung von Cloud-Lösungen gezögert. Inzwischen sind die Cloud-Angebote deutlich sicherer geworden und übertreffen häufig sogar die Maßnahmen von vielen Rechenzentren in Unternehmen. Zudem halten sie die strengen deutschen Datenschutzgesetze ein, wenn die genutzten Server auf europäischem Boden stehen. Doch es gibt noch immer Gründe, warum Unternehmen lieber selbst die Kontrolle über ihre Server haben wollen - diese rangieren zwischen Bauchgefühl, branchenspezifischen Regularien und unter Umständen durchaus Kostengründen.

So wissen zwar die meisten Unternehmen, dass sie oft von Kostenvorteilen profitieren, wenn sie weniger kritische Daten und Anwendungen in die Public Cloud verlagern. Trotzdem sind sie selbst dann oft noch zögerlich und verarbeiten die Workloads lieber in der eigenen IT-Infrastruktur, auch wenn dies höhere Kosten verursacht. Hier gilt der Grundsatz "sicher ist sicher".

Cloud-Prognosen für 2017 von Forrester
Prognose 1: Regionale Player ergänzen das Angebot der Cloud-Giganten
Auch AWS, Microsoft oder Google können nicht jede Kundenanforderung abdecken. Für kleinere regionale Cloud-Provider ergeben sich dadurch Chancen. Cloud-Nutzer sollten sie bei der Auswahl berücksichtigen.
Prognose 2: CIOs bringen Cloud-Kosten unter Kontrolle
2017 werden CIOs das Kosten-Management ihrer Cloud-Services besser in den Griff bekommen. Dabei helfen einschlägige Tools, etwa von AWS, Cloudability oder Cloudyn.
Prognose 3: Apps werden für den Cloud-Betrieb angepasst
Unternehmen sollten ihre Applikationen nicht einfach unverändert in die Wolke schieben, sondern sie für den Betrieb in der Public Cloud anpassen, empfiehlt Forrester.
Prognose 4: Hyperconverged Systems erleichtern Private-Cloud-Installationen
Forrester empfiehlt den Einsatz von Hyperconverged Systems für Private-Cloud-Szenarien insbesondere für neue Workloads, die eine rasche und automatisierte Skalierung der Infrastruktur erforderten.
Prognose 5: Container-Techniken drängen in die Cloud
Linux-Container werden 2017 Bestandteil jeder großen Public- oder Private-Cloud-Plattform sein, erwarten die Analysten.
Prognose 6: Enterprise-Anwendungen wandern in die Public Cloud
"Die Cloud ist der beste Ort, um aus Enterprise-Daten schnell Erkenntnisse zu gewinnen“, sagt Forrester-Analyst Dave Bartoletti. Schon jetzt hosten etliche Unternehmen auch Enterprise-Anwendungen in der Public Cloud. Dieser Trend werde sich 2017 verstärken.

Trotz der oft preiswerten Public Cloud Angebote und der Alternative des Colocation-Modells setzt jedes zweite befragte Unternehmen bei der Wahl der bevorzugten Cloud-Dienste nach wie vor auf den Betrieb einer Private Cloud im eigenen Rechenzentrum (52,2 Prozent). Die Public Cloud wird lediglich von 34,8 Prozent der Unternehmen als hauptsächlich genutztes Konzept in Deutschland favorisiert. Für eine Auslagerung der Private Cloud in ein Colocation-Rechenzentrum entscheiden sich heute immerhin 11,4 Prozent der Teilnehmer.

Für Unternehmen mit hohen Ansprüchen an die Sicherheit der Daten aber nur beschränkten RZ-Kapazitäten ist ein Umzug der eigenen Server in ein Colocation-Rechenzentrum eine gute Alternative. Denn sie können die Server, Anwendungen und Daten vollständig in eigener Hoheit betreiben. Der Dienstleister kümmert sich bei diesem Modell um den reibungslosen Betrieb des Rechenzentrums und die Netzanbindung, nicht die Applikationsebene.

Gemäß der Studie haben 46,1 Prozent der IT-Entscheider seit der Einführung von Cloud Computing im Colocation-Modell zwischen 25 und 50 Prozent der Kosten eingespart. Demgegenüber erreichen fast drei Viertel (74,4 Prozent) der Befragten, die eine Private Cloud im eigenen Rechenzentrum betreiben, nur Einsparungen von 25 Prozent und weniger. Bei Public Cloud Services konnten dagegen etwas mehr als die Hälfte der IT-Entscheider (51,2 Prozent) seit der Einführung der Cloud-Dienste die Kosten sogar zwischen 50 und 75 Prozent reduzieren.

Unterschiede nach Größe und Land

Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede in der Nutzung verschiedener Cloud-Dienste je nach Unternehmensgröße. Firmen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern setzen mehrheitlich nicht auf die Public Cloud. Dafür entscheiden sich nur 6,9 Prozent der befragten Führungskräfte aus diesem Größensegment. Stattdessen setzen sie bei ihrer IT-Infrastruktur auf eine Private Cloud im eigenen Rechenzentrum (67,2 Prozent) sowie Colocation-Lösungen (22,4 Prozent). Kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 5.000 Mitarbeitern haben dagegen deutlich weniger Bedenken. Hier entscheiden sich 59,3 Prozent der Teilnehmer vor allem für die Public Cloud.

Neben Deutschland wurde die Umfrage auch bei weiteren 610 IT-Führungskräften aus Frankreich, Österreich, Niederlande und Schweden durchgeführt. In diesem internationalen Vergleich liegt Deutschland mit 34,8 Prozent bei der hauptsächlichen Nutzung von Public-Cloud-Angeboten mit Frankreich (33,2 Prozent) und Österreich (34,2 Prozent) im Mittelfeld. Dagegen nutzt schon jedes zweite Unternehmen in Schweden (53,3 Prozent) und den Niederlanden (52,5 Prozent) vorwiegend die Public Cloud. In solch Cloud-affinen Ländern wie Schweden investieren nur wenige Firmen in eigene Rechenzentren mit Private-Cloud-Lösungen (29,2 Prozent), Colocation-Lösungen mit einer Private Cloud sind dagegen mit 14,2 Prozent schon stärker vertreten als in Deutschland.

Tipps auf dem Weg in die Cloud
Erarbeitung einer umfassenden Cloud-Strategie
Der Weg in die Cloud ist nicht ausschließlich ein Technologiethema. Die Unternehmensberatung Accenture empfiehlt daher allen Unternehmen, die sich auf den Weg in die Wolke begeben, zuallererst eine übergreifende Cloud-Strategie zu entwickeln. Neben der sorgfältigen Auswahl des Cloud-Providers und der benötigten Cloud-Services sollten auch Fragen der institutionellen Rahmenbedingungen (Governance), der zugrundeliegenden Prozesse, des Cloud-Operating-Modells unter anderem in eine Gesamtstrategie einbezogen werden. <br /><br />Arne Bleyer, Accenture-Spezialist für Cloud-Infrastruktur: "Mit dem Weg in die ‚Wolke‘ werden sich auch die konkreten Arbeitsweisen ändern. Deshalb sind Unternehmen gut beraten, im Vorfeld ihre lang- und mittelfristige Servicestrategie und das Serviceportfolio zu klären."
Ist-Erfassung bei Mittelstand und Enterprise-Unternehmen
Es erweist sich als ratsam, der Migration in die Cloud eine umfassende Assessment- und Planungsphase vorzuzuschalten. Über ein Applikations-Cluster gilt es, eine geeignete Transformationsstrategie festzulegen. Bleyer: „Das kann in der Praxis auch zu einer Konsolidierung der bestehenden IT-Landschaft bis hin zu deren Ablösung führen.“ Hintergrund: Sowohl Mittelstand als auch große Konzerne verfügen bei ihren Erstüberlegungen, in die Cloud zu gehen, oftmals nur über unzureichende Informationen über ihre aktuelle IT-Anwendungslandschaft.
Externe Partner für die Transformation auswählen
Nur die wenigsten internen IT-Abteilungen sind für alle notwendigen Schritte auf dem Weg in die Cloud gerüstet. Somit stelle sich letztendlich die Frage, welche externen Partner für welchen Bereich der Transformation ins Haus geholt werden müssen...

Auch bei den Investitionen sind klare Unterschiede zu erkennen. Während in Deutschland die Mehrheit der Teilnehmer (59 Prozent) noch weniger als die Hälfte des jährlichen operativen IT-Budgets in die Cloud investiert, stellt in Schweden jedes zweite Unternehmen mehr als 50 Prozent und jedes vierte Unternehmen sogar mehr als drei Viertel des IT-Budgets für die Cloud bereit.

Als insgesamt größte Vorteile der Cloud sehen Unternehmen in Deutschland neben Kostenvorteilen die Vereinfachung der Testumgebung (9,7 Prozent), skalierbarere IT-Ressourcen (9,4 Prozent), schnellere Umsetzung, Verfügbarkeit und Rollout (8,9 Prozent) sowie höhere Ausfallsicherheit (8,7 Prozent). Eine bessere Einbindung mobiler Nutzer (0,5 Prozent) ist in Deutschland noch kaum relevant, wurde aber im Cloud-affinen Schweden bereits von 9,4 Prozent der Unternehmen umgesetzt.

Fazit

Zwar erfreut sich die Public Cloud wachsender Beliebtheit, doch noch setzen in Deutschland viele Unternehmen auf die Private Cloud. Fakt ist auch, dass nur wenige Firmen werden alle Anwendungen in die Public Cloud migrieren. Ältere Applikationen lassen sich oft nicht auslagern, regulatorische Vorgaben sprechen manchmal dagegen oder auch die Unternehmensstrategie. In vielen Fällen bietet sich aber eine hybride Lösung als Kompromiss an. Dabei bringt laut der Studie die Einbeziehung eines externen Rechenzentrums signifikante Kostenvorteile mit sich. Zudem bieten viele Provider oft eine höhere Sicherheit und besseren Datenschutz als so manches Firmen-Rechenzentrum. (hal)