Dell bleibt auch im zweiten Quartal auf der Überholspur

12.08.2005
Trotz sehr guter Ergebnisse wurde Dell an der Börse mit erheblichen Kursabschlägen abgestraft - Analysten und Investoren hatten offenbar wieder einmal noch mehr erwartet.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dell hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2005/06 einen Umsatzsprung von 15 Prozent auf 13,43 Milliarden Dollar und einen Zuwachs beim Pro-forma-Gewinn von 17 Prozent auf 935 Millionen Dollar erzielt.

Das Ergebnis des zweiten Quartals (Ende: 29. Juli 2005) wurde allerdings durch eine amerikanische Steuer für die Repatriierung von im Ausland erwirtschafteten Gewinnen um drei Cent geschmälert. Ohne diese Belastung wäre der Gewinn nach den US-Bilanzregeln GAAP bei 1,02 Milliarden Dollar beziehungsweise 41 Cent je Aktie gelandet - das wäre einer Steigerung von 28 Prozent gleichgekommen. Um die Steuer vermindert, lag der Pro-forma-Gewinn bei 31 Cent je Anteilschein. Der Pro-forma-Nettogewinn des Vorjahresquartals hatte 799 Millionen Dollar betragen.

Gegenüber dem ersten Quartal 2005/06 (Ende: 29. April 2005) stieg der Umsatz nur geringfügig. Von Februar bis April erwirtschaftete Dell knapp 13,4 Milliarden Dollar. Auch der Gewinn bewegte sich im Vergleich zum ersten Vierteljahr lediglich um eine Million Dollar nach oben.

Von Thomson First Call regelmäßig befragte Analysten hatten mit einem Umsatz im zweiten Quartal von 13,7 Milliarden Dollar gerechnet. Auch wegen des eher verhaltenen Ausblicks auf das dritte Vierteljahr gab die Dell-Aktie nachbörslich um 7,7 Prozent nach.

Im ersten Halbjahr 2005/06 legte Dell beim Umsatz um 15 Prozent zu. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 23,27 Milliarden Dollar erwirtschaftete das Unternehmen nunmehr 26,8 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn stieg ebenfalls von 1,53 auf 1,95 Milliarden Dollar. Dies ist ein Zuwachs von 28 Prozent.

Chief Executive Officer (CEO) Kevin Rollins geht davon aus, dass Dell im dritten Quartal einen Umsatz von 14,1 bis 14,5 Milliarden Dollar erwirtschaften wird bei Gewinnen von 39 bis 41 Cent je Aktienanteil.

Dell wird die in den vergangenen Quartalen ständig verbesserte Cashflow-Situation auch weiterhin zum Erwerb eigener Aktien nutzen. Im gerade abgelaufenen Vierteljahr hat das Unternehmen aus Round Rock, Texas, 1,8 Milliarden Dollar investiert, um 47 Millionen Dell-Aktien zurückzukaufen. Im dritten Quartal will der weltweite PC-Marktführer dafür mindestens 1,2 Milliarden Dollar aufwenden.

Dells Umsatz wuchs außerhalb der USA um 24 Prozent. Die asiatisch-pazifische Region legte um 24, Europa, der Mittlere Osten und Afrika (Emea) um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

Die größten Wachstumssegmente im Produktportfolio sind die Laserdrucker mit einer Zunahme um 168 Prozent in der Quartalsschau. Alle Drucker zusammen gewertet, verzeichnete Dell eine Steigerung von 77 Prozent. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Druckerdivision der Texaner von einem niedrigen Niveau etwa im Vergleich zu PCs ausgeht. Dell hat aber seit seinem Eintritt in den Druckermarkt vor 15 Monaten nach den Worten des obersten Managers für das Geschäft in Deutschland und Österreich, Alain Bandle, weltweit bereits zehn Millionen Printer verkauft, 1,5 Millionen davon in Europa.

Die Stückzahlen ausgelieferter Mobilrechner erlebten mit 47 Prozent Zuwachs ebenfalls eine rasante Steigerung. Diese Produktgattung erwirtschaftete allein 3,4 Milliarden Dollar vom Gesamtumsatz des Unternehmens.

Auch mit Massenspeicherprodukten - Dell vertreibt unter anderem Storage von EMC - gelang ein spürbarer Aufschwung. Im zweiten Quartal wuchs dieser Umsatz um 26 Prozent.

Schließlich entwickelt sich auch das Geschäft mit Services für Dell positiv. 1,2 Milliarden Dollar Umsatz entsprechen einem Zuwachs von 41 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal des vorangegangenen Geschäftsjahres. Neben klassischen, hardwarenahen Arbeiten offeriert Dell zudem Beratungsdienstleistungen in Bezug etwa auf Migrationsprojekte, also beispielsweise den Umstieg von Lotus Notes auf eine Microsoft-Umgebung. Das Unternehmen bietet zudem Konsolidierungen von Server- und Storage-Landschaften an.

Allerdings, so Bandle gegenüber der COMPUTERWOCHE, werde Dell kein Business-Consulting und keine Systemintegrationsaufgaben wahrnehmen. "Das wollen wir nicht machen, weil solche Tätigkeiten nicht zu unserer Kernkompetenz gehören."

Dell werde sicher auch nicht in Outsourcing-Deals investieren, bei denen komplette IT-Abteilungen samt deren Mitarbeitern das Unternehmen wechseln, wie dies etwa Hewlett-Packard mit Triaton oder der West LB getan hat. "Das wäre ein direkter Widerspruch zu dem, was Dell bisher machte", sagte Bandle.

Das europäische Management habe sich, so Bandle, zum Ziel gesetzt, auf dem alten Kontinent um 25 Prozent zu wachsen, "weil wir in den kommenden drei Jahren unseren Umsatz verdoppeln wollen". Diese Zielvorgabe gelte auch für Deutschland: "Es gibt überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wir dieses Ziel erreichen werden."

Bandle ist davon überzeugt, dass Dell mittelfristig auch hierzulande die Marktführerschaft übernehmen wird. Nachdem das Unternehmen bereits 1989 den hiesigen Markt enterte, haben sich die Träume von der Topposition bislang allerdings nicht erfüllt. Die Entwicklung, so Bandle, habe aber gezeigt, dass Dell auch in Deutschland wesentlich schneller als der Gesamtmarkt wachse - in jüngster Zeit viermal so schnell.

Bandle glaubt deshalb auch, dass Dell Deutschland von heute 1,5 Milliarden Dollar innerhalb von drei Jahren auf drei Milliarden Dollar zulegen wird. (jm)