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AMD lässt Athlon XP vom Stapel

09.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der von den Preissenkungen des Rivalen Intel gebeutelte Halbleiterkonzern Advanced Micro Devices (AMD) kündigt heute seine neue Prozessorfamilie "Athlon XP" an. Diese basiert als erster Desktop-Chip auf dem "Palomino"-Kern und besteht zum Start aus vier CPUs mit physikalischer Taktfrequenz zwischen 1,33 und 1,53 Gigahertz. XP stehe für "extreme Leistung unter Windows XP", erklärt der Hersteller. Gegenüber älteren Athlons bieten die XP-Chips eine um 20 Prozent verringerte Leistungsaufnahme, verbesserte Multimedia- und 3D-Befehlssätze sowie die so genannte Quantispeed-Architektur.

Bei der Namensgebung geht AMD allerdings neue Wege: Die Chips werden als "1500+", "1600+", "1700+" sowie "1800+" vermarktet. Mit der jeweiligen 1000er-Ziffer will der Hersteller die "relative" Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Taktrate früherer Athlons sowie konkurrierender Prozessoren andeuten. Soll heißen: Ein Athlon MP 1800+ biete in etwa die gleiche Leistung wie ein "Pentium 4" von Intel mit 1,8 Gigahertz, obwohl er "nur" mit 1,53 Gigahertz taktet.

AMD ist das Kräfte zehrende "Rennen" um pure Mega- und Gigahertz leid. Letztlich zähle, wie schnell Anwendungen tatsächlich auf einer Prozessorarchitektur abliefen, konstatiert AMDs Produkt-Manager Mark Bode. Dass es hierbei längst nicht nur um reine Taktfrequenz gehe, zeige sich unter anderem in der immer weiter aufklaffenden Geschwindigkeitsschere zwischen Server- und Desktop-CPUs. Compaq liefere erst seit Juli seinen schnellsten Alpha mit 1 Gigahertz; der Ultrasparc-III von Sun takte gar nur mit 900 Megahertz.

Darum möchte AMD nun die Initiative "True Performance" ins Leben rufen, in der der Hersteller zusammen mit anderen Branchengrößen und Verbraucherberatern ein "objektives" Messverfahren für die PC-Leistung entwickeln will (Apple dürfte da begeistert mit von der Partie sein - man erinnere sich an die regelmäßigen Anti-"Megahertz-Myth"-Demos, die Steve Jobs und sein Marketing-Chef Phil Schiller veranstalten). Bis 2002 soll dieser neue Standard stehen.

Analysten zweifeln allerdings, ob AMD trotz der neuen Produkte mit der Konkurrenz Schritt zu halten vermag. "Man hört nichts von einem 1900+ oder 2000+", gibt etwa Nathan Brockwood von Insight 64 angesichts des von Intel bereits offerierten Pentium 4 mit 2 Gigahertz (die 2,2-Gigahertz-Variante erscheint Ende dieses Monats) zu bedenken. In einem Bereich bescheinigt der Experte AMD allerdings einen klaren Vorsprung - die neuen Prozessoren seien klar im Preisvorteil. So koste der schnellste Athlon XP 252 Dollar, während der 2 Gigahertz schnelle Pentium 4 mit 562 Dollar zu Buche schlage. "Solange Intel nicht willens ist, die Preise für seine 1,9 und 2 Gigahertz schnellen Chips auf das Niveau des 1800+ zu senken, werden die Anwender wohl beide in Betracht ziehen", glaubt Brockwood.

Zu den ersten PC-Herstellern, die Athlon-XP-basierte Systeme anbieten wollen, gehören ab Montag kommender Woche in den USA Compaq und Hewlett-Packard und NEC Computers International in Europa.