AWS Summit 2019

Amazon Web Services launcht Mammut-Instanzen für S/4HANA

01.03.2019
Von 
Jens Dose ist Redakteur der COMPUTERWOCHE und betreut in erster Linie Themen rund um IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance.
AWS hat Cloud-Instanzen mit 48 Terabyte für S/4HANA angekündigt. Zudem will der Cloud-Provider mit der Boston Consulting Group in München einen Showroom für digitale Pilotprojekte eröffnen.

Nachdem Amazon Web Services (AWS) bereits 2018 sogenannte High-Memory-Varianten seiner Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) angekündigt hatte, baut der Cloud-Anbieter nun das Angebot für SAP-Anwender weiter aus. Die bisher verfügbaren Instanzen bieten eine Memory-Kapazität von sechs, neun oder 12 TB. Aufbauend auf der zuletzt genannten Variante offeriert AWS nun Instanzen für S4/HANA-Workloads, die auf bis zu 48 TB (vier 12-TB-Knoten) hochskalieren können.

Das neue Angebot für S/4HANA-Workloads skaliert in vier Schritten zu je 12 TB bis zu einer Memory-Kapazität von 48 TB.
Das neue Angebot für S/4HANA-Workloads skaliert in vier Schritten zu je 12 TB bis zu einer Memory-Kapazität von 48 TB.

Das EC2 zugrundeliegende Nitro-System stellt eine Kombination aus Hard- und Softwarekomponenten dar, die speziell darauf ausgelegt sind, hohe Leistung, Verfügbarkeit und Sicherheit zu bieten. Damit soll sich das neue Cloud-Angebot speziell für große, rechenintensive S4/HANA-Workloads eignen.

Da das System komplett softwaredefiniert ausgelegt ist, soll die Bereitstellung der Instanzen AWS zufolge weniger als eine Stunde beanspruchen und elastisch mit den Aufgaben skalieren können. Konkrete Angaben, was die neuen S/4HANA-Instanzen kosten sollen, blieb AWS indes schuldig.

Zonen und Regionen

Um die Instanzen ausfallsicher zu machen, können Anwender mithilfe der SAP HANA System Replication hochverfügbare HANA-Cluster über die verschiedenen Availability Zones einer AWS-Region erstellen. Eine Availability Zone setzt sich im Grunde aus einer Gruppe mehrerer Rechenzentren zusammen. Diese sind so konzipiert, dass die Data Center innerhalb einer Zone nicht denselben Ausfallrisiken ausgesetzt sind. Wenn also beispielsweise ein Rechenzentrum in Flussnähe durch Hochwasser ausfällt, laufen die anderen garantiert weiter, weil sie nicht an Gewässern gebaut wurden, so die AWS-Verantwortlichen. Der Cloud-Provider betreibt momentan weltweit 60 Availability Zones, die wiederum in verschiedene Regionen sortiert sind. Für zusätzliche Desaster Recovery können Cloud-Instanzen asynchron über mehrere Regionen repliziert werden.

Die S/4HANA-Instanzen sind aktuell verfügbar in den Regionen US East (N. Virginia), US West (Oregon), Europe (Irland), Asia Pacific (Tokio) und AWS GovCloud (US). Im Laufe des Jahres will AWS weitere Instanzen jenseits der 12 TB mit 18 und 24 TB anbieten.

Digitalisierung greifbar machen

Die zweite große Ankündigung auf dem Ende Februar in Berlin veranstalteten Summit betraf eine Kooperation zwischen AWS und der Boston Consulting Group (BCG). Beide Unternehmen wollen gemeinsam einen "Digital Builders Showroom" im München aufbauen. Ab Mitte des Jahres sollen dort Kunden und Interessenten praxisnah mit Lösungsansätzen für Digitalisierungsprojekte vertraut gemacht werden. Der besondere Reiz liege in der Verbindung aus dem strategischen Wissen von BCG und dem technologischen Know-how von AWS, hieß es.

Die Kooperation zwischen AWS und BCG soll strategische Expertise und technologisches Know-how verbinden.
Die Kooperation zwischen AWS und BCG soll strategische Expertise und technologisches Know-how verbinden.

Der Showroom soll sich auf digitale Schwerpunktthemen in verschiedenen Branchen fokussieren und komplexe Zusammenhänge verständlich und anwendungsorientiert erklären. Das Angebot soll Beispiele für den Handel, die fertigende Industrie, Medienunternehmen oder auch das Banken- und Versicherungswesen abdecken.

Was kann digitale Medizin?

Kunden hätten in dem Showroom die Möglichkeit, mit AWS und BCG Anwendungsszenarien zu diskutieren und in Planungs-Workshops erste Schritte einer Lösung zu konzipieren. Dabei sollen Schlüsseltechnologien wie Cloud- und Edge-Computing, Machine Learning oder Verfahren zur analytischen Datenverarbeitung demonstriert werden. Im Laufe der Zeit soll das Portfolio um weitere Branchen und Anwendungsbeispiele erweitert werden.

Angesichts der in manchen Branchen immer noch stagnierenden Digitalisierung hierzulande klingt die Kooperation nach einer vielversprechenden Initiative, um Entscheider an die Materie heranzuführen. Wie hoch jedoch der tatsächliche Nutzwert für die Besucher sein wird und ob es sich am Ende nicht doch nur um einen elaborierten Verkaufsraum handelt, bleibt abzuwarten.