App-Entwickler klären auf

Alles zur Corona-Datenspende-App

15.04.2020
Von 
Halyna Kubiv ist Content Manager bei Macwelt
Kaum eine App hat zuletzt so viel Aufsehen erregt wie die neue Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts.

Nicht nur Mediziner und Ersthelfer kämpfen gegen die Covid-19-Pandemie. Dass die Krankheit sich auch mit Software, wenn nicht eindämmen, doch sich aber besser erforschen lässt, war von Anfang an offensichtlich. Noch vor Apples und Googles gemeinsamer Lösung zu einer Info-App hat das Robert-Koch-Institut in der vergangenen Woche eine Datenspende-App veröffentlicht. Diese hat nicht als Ziel die Kontakte mit den potentiell infizierten Personen nachzuverfolgen, sondern sammelt die Fitness-Daten aller Freiwilligen und will diese zu einem späteren Zeitpunkt auswerten.

Da gleich bei dem Start Kritik über den Datenschutz laut wurde – schließlich wertet die Datenspende-App sehr sensible Gesundheitsdaten vieler Nutzer aus – haben wir mit den Entwicklern der App, der mHealth Pioneers GmbH aus Berlin, gesprochen.

Corona-Datenspende-App des RKI
Corona-Datenspende-App des RKI
Foto: Robert-Koch-Institut

Wozu überhaupt die Datenspende der Gesundheitsdaten?

Die Idee stammt von einer früheren Studie aus den USA. Dort hat man vom ersten März 2016 bis ersten März 2018 von rund 200 000 Teilnehmern die Gesundheitsdaten von ihren Fitbit-Fitnesstrackern ausgewertet. Es hat sich herausgestellt, dass selbst die Angaben zum Puls und zum Schlafverhalten der Nutzer ziemlich genaue Schlüsse auf die Verbreitung der Grippe-Epidemie in den USA erlauben würden. Das Robert-Koch-Institut erhofft sich mit der Datenspende-App einen robusten Datensatz, um die Verbreitung der Covid-19-Epidemie in Deutschland nachzuverfolgen. Schließlich gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass die Dunkelziffer aller Infizierten die offiziellen Daten der Behörden deutlich übersteigern kann.

Welche Daten kann die Datenspende-App abgreifen?

Installiert der Nutzer die Datenspende-App auf seinem Smartphone, muss man zunächst die Verbindung zu seinem Fitness-Tracker oder der Smartwatch herstellen. Ab dann werden von der Gesundheitszentrale der jeweiligen Plattform – Apple Health oder Google Fit – die Vitaldaten abgegriffen und weitergeleitet. Bei der Apple Watch sind das Herzfrequenz, Ruheherzfrequenz, Schlafanalyse und Schritte. In dieser Tabelle gibt es eine komplette Übersicht aller unterstützten Geräte und möglichen Datenquellen. Dazu weist das RKI in der App darauf hin, dass zu jedem Nutzer noch aufgerundete demografische Daten erhoben werden: Alter (gerundet auf 5 Jahre), Größe (gerundet auf 5 cm), Geschlecht und Gewicht (gerundet auf 5 kg). Als geografische Angabe gilt die eigene Postleitzahl, die einmal bei der Einrichtung eingegeben werden muss.

Warum sind die Daten pseudonymisiert und nicht anonymisiert?

Bei der Ersteinrichtung erhält jeder Nutzer einen 32-stelligen alphanumerischen Code, der stellvertretend für sein Datenkonto steht. Nach Angaben des Entwicklers können nur so die Daten über die längeren Zeiträume richtig zugeordnet und interpretiert werden. Weder die persönlichen Daten wie ein Name oder Adresse, noch Metadaten wie die Geräte-ID werden dem Entwickler bekannt.

Was ist mit den Standortdaten per GPS?

Die App verlangt keinen Zugriff auf das GPS-Modul des Geräts, auch der Entwickler behauptet, dass die App keine Bewegungsprofile erstellen kann, weil sie keine Standortdaten abfragt.

Wie wird das Datenmanagement zwischen mHealth Pioneers GmbH und dem Robert-Koch-Institut verteilt?

Die Datenspende-App ist aus der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen in vier Wochen entstanden, dabei setzt die App auf das bereits existierende Thryve-SDK der mHealth Pioneers GmbH. Die Entwicklungsumgebung erlaubt demnach eine einfache Verknüpfung verschiedener Geräte. Das Problem dabei ist, dass unterschiedliche Hersteller andere Datenformate für den Export ihrer Gesundheitsdaten nutzten. Thryve-SDK gleicht diese Daten in einem gemeinsamen Format ab und bereitet sie für die weitere Analyse auf. Die Hardware-Infrastuktur betreibt für das RKI und die Datenspende App ebenfalls mHealth Pioneers GmbH, diese ist von anderen kommerziellen Anwendungen des Thryve-SDK komplett getrennt und laufen als eigene Instanz. Das Robert-Koch-Institut wird ebenfalls die Auswertung der Daten übernehmen. (Macwelt)