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Aktienoptionen und IPO-Gewinne: Staatsanwaltschaft nimmt US-Carrier ins Visier

01.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer hat Anklage gegen fünf aktive oder ehemalige Topmanager von US-Carriern erhoben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem Ex-Worldcom-CEO Bernard Ebbers sowie der ehemalige Qwest-Chef Joseph Nacchio. Außerdem sollen der ehemaligen Qwest-Chairman Philip Anschutz, Stephen Garofalo, ein Board-Mitglied von Metromedia Fiber Networks und Clark McLeod, Ex-Chef von McLeod USA vor den Richter zitiert werden. Ihnen wird laut Presseberichten vorgeworfen, von der Vergabe günstiger Erstemissionsaktien und falschen Analystenberichten der Investmentbank Salomon Smith Barney profitiert zu haben.

Gegenstand der Klage sind Gewinne in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar, die die Angeklagten beim Verkauf von Anteilsscheinen ihrer eigenen Firmen erzielt haben sollen. Darüber hinaus fordert Spitzer von den Beschuldigten die Rückzahlung von 28 Millionen Dollar Profit, die diese durch den Verkauf von "heißen" IPO-Aktien erzielt haben sollen (Computerwoche online berichtete). Während des Internet- und Telco-Booms Ende der 90er Jahre verbuchten die Anteilscheine von Börsenneulingen häufig bereits am ersten Tag einen Kursanstieg im zweistelligen Prozentbereich. Der Zugriff auf die Papiere zum Ausgabekurs kam damit einer Lizenz zum Gelddrucken gleich.

Der Staatsanwalt versucht zu beweisen, dass die Beschuldigten die Anleger bewusst getäuscht hätten, indem sie ihre Beziehung zu Salomon Smith Barney verheimlichten. Zwar ist die Zuteilung von IPO-Aktien an sich nicht verboten. Falls diese jedoch als Gegenleistung für die Auswahl der Investmentbank bei Börsengeschäften erfolgte war, haben sich die fünf Topmanager strafbar gemacht. Außerdem wird angenommen, dass der Salomon-Staranalyst Jack Grubman in diesem Zusammenhang überaus optimistische Research-Berichte für die IPO-Firmen abgab, um den Wert der Aktien weiter in die Höhe zu treiben.

Bereits vor einer Woche hatte sich Salomon Smith Barney mit der NASD (National Association of Securities Dealers) auf die Zahlung einer Strafe von fünf Millionen Dollar geeinigt (Computerwoche online berichtete). Damit ahndete die US-Vereinigung der Wertpapierhändler die Herausgabe von irreführenden Analystenberichten über das inzwischen insolvente TK-Unternehmen Winstar Communications im vergangenen Jahr (Computerwoche online berichtete). Die Citigroup-Tochter hätte damit das Vertrauen der Anleger missbraucht, erklärt die Vereinigung auf ihrer Website. Neben der NASD interessieren sich auch die US-Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium für die Empfehlungspraktiken der Research-Abteilung.

(mb)