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Aktienbewertung von Internetfirmen übertrieben?

21.04.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Jeremy J. Siegel, Professor für Finanzen an der Wharton School, hält die aktuelle Bewertung von Internet-Titeln für überhöht. In einem Artikel in der Montagsausgabe des "Wall Street Journal" erklärte der Ökonom, das wirtschaftliche Potential vieler Firmen rechtfertige nicht die hohe Börsenbewertung. So belaufe sich etwa die Markkapitalisierung von AOL auf rund 200 Milliarden Dollar. Damit gehöre der Online-Dienst zu den zehn höchstbewerteten US-Unternehmen, obwohl er beim Nettogewinn lediglich Rang 311 und beim Umsatz sogar nur Platz 415 erreicht. Siegel führt die Überbewertung auf die unrealistische Erwartung zurück, daß AOL jenseits des Stammgeschäfts lukrative Dienstleistungen anbieten werde. Das gegenwärtige Geschäft sei mit einer Marktkapitalisierung von 4,5 Milliarden Dollar angemessen wiedergegeben. Zwar sei es für die größeren Anbieter wie AOL und Yahoo! kein Problem, Wettbewerber zu übernehmen, doch der Aufkauf von Verluste machenden Unternehmen zu astronomischen Preisen könne langfristig nicht erfolgreich sein. Siegel, der keinen Zweifel am grundsätzlichen Erfolg des Internets hegt sondern lediglich die erwarteten milliardenschweren Gewinne der Anbieter in Frage stellt, erinnerte mahnend an die alte Weisheit, daß bislang noch jede Übertreibung an der Börse korrigiert worden sei.