Mit iOS/iPadOS 14

Airpods Pro bekommen Raumklang

04.07.2020
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf und verantwortet ein Team zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er nebenberuflich auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig und betreibt einen eigenen Podcast (Beta-Schmerz) rund um das iOS-Ökosystem.
Die Airpods Pro bekommen die Möglichkeit Raumklang (Spatial Audio) wiederzugeben. Was sich wie ein reines Konsumenten-Feature anhört, ist jedoch weit mehr als das.

Mit Apples neuen Systemen sollen die AirPods Pro einen 5.1, 7.1 und Dolby-Atmos-Sound so wiedergeben, wie man das von (teuren) und fest verbauten Surround-Anlagen kennt. Das ist umso erstaunlicher, wenn man sich überlegt, dass es ja nur zwei kleine Lautsprecher sind, die sich auf zwei Ohren verteilen. Hier spielt Apple aber eine Trumpfkarte aus. Die Kopfhörer verwenden einen Beschleunigungssensor, um ihre relative Bewegung und die Signalstärke um ihre Entfernung zum iOS-Gerät zu ermitteln. In Apples typischer Detailversessenheit werden so Kopfbewegungen relativ zum iPhone- oder iPad-Bildschirm ermittelt und mithilfe von Algorithmen auf die Wiedergabe angewendet. Dreht der Anwender seinen Kopf, verhält sich der Ton anders, als wenn er das iPad bewegt. Bewegen sich alle Geräte – der Anwender sitzt in einem Bus, der um die Kurve fährt – verarbeitet das iOS-Gerät und die Airpods dies auch „akustisch“ korrekt.

Spatial Audio mit Airpods Pro
Spatial Audio mit Airpods Pro

Diese Berechnungen erlauben es, eine Audio-Quelle räumlich korrekt zu positionieren und an ihrem virtuellen Ort zu belassen. Auf diese Weise können Anwender als Zuschauer mitten in den Film geraten. Apple verspricht damit quasi, dass sie nicht nur eine Stecknadel fallen hören, sondern auch noch genau hören, wo sie gefallen ist.

Abgesehen von den Airpods Pro benötigt der Anwender für Spatial Audio auch ein iPhone 7, iPhone 7 Plus, iPhone 8, iPhone 8 Plus, iPhone X, iPhone XS, iPhone XS Max, iPhone XR, iPhone 11, iPhone 11 Pro, iPhone 11 Pro Max oder ein iPhone SE (2. Generation). Auf Seiten der iPads bedarf es eines iPad Pro 12.9-Zoll (ab 3. Generation), iPad Pro 11-Zoll, iPad Air (3. Generation), iPad (ab 6. Generation) oder ein iPad Mini (5. Generation). Ob das Ganze irgendwie mit dem Apple TV auch klappt, ist bisher unbekannt.

Airpods, bitte „wechseln“

Airpods Pro, Airpods der zweiten Generation, Powerbeats, Powerbeats Pro und Beats Solo Pro bekommen mit der nächsten Softwaregeneration von iOS und macOS eine Funkion mit der Bezeichnung „Auto Switching“. Diese Funktion erlaubt es, dass die Kopfhörer situationsbedingt die Verbindung zwischen iPhone, Watch, iPad und Mac aufbauen bzw. wechseln. Hört der Anwender einen Podcast auf dem iPad, wechseln die Kopfhörer bei einem Anruf auf dem iPhone automatisch zu diesem.

Damit Anwender noch lange kraftvoll zuhören können

Ein Feature hat Apple auf der Keynote gar nicht erwähnt: Es geht um die Lebensdauer der Akkus. Um die Batteriealterung aufzuhalten bzw. langsamer fortschreiten zu lassen, hat Apple eine intelligente Ladelogik integriert. Mit dieser soll das System erkennen, wann der Anwender normalerweise seine Airpods verwendet. Mit diesem Feature hält das Ladecase die Kapazität des Akkus bei 80 Prozent und erhöht dies erst kurz vor der Inbetriebnahme auf die vollen 100 Prozent. Zumindest informiert die aktuelle Entwickler-Beta den Anwender genau über diesen Sachverhalt.

Damit hält ein mit iOS 13 für das iPhone eingeführte Feature Einzug in die Airpods. Das ist sehr zu begrüßen, da die kleinen Akkus nach einigen wenigen Monaten / Jahren sehr an Laufzeit verlieren.

Dass Apple nicht alles auf der WWDC-Keynote erwähnt bzw. erwähnen kann, ist aufgrund der kurzen Zeit und der puren Menge an Neuigkeiten nicht verwunderlich. Im Audio-Umfeld gibt es so noch eine weitere Sache: Mit iOS 14 kann das iPhone vor bestimmten Geräuschen warnen. So kann das Feature z.B. für die Geräusche:

– Feuer,
– Sirene,
– Wasser,
– Katze /Hund,
– Haushaltsgeräte,
– Babygeschrei,
– sowie Türklopfen

aktiviert werden. Die Geräuscherkennung findet, einmal aktiviert, dabei laufend auf dem Gerät statt.

Einschätzung

Es ist erfreulich zu sehen, wie Apple sogar für bereits veröffentlichte Hardware sogar Funktionen nachrüstet. Ich bin sehr gespannt, wie gut der Klang wirklich ist. Es wäre natürlich super, wenn das Ganze auch auf einem Apple TV funktionieren würde. Die Warnung vor Geräuschen ist ein Feature, das ich aktiviert habe, auch wenn ich keiner Beeinträchtigung des Hörens erliege. (Macwelt)