Bavaria-Film-CIO Mercedes Eisert

Agilität zählt auch in der Filmbranche

19.03.2021
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Die Digitalisierung verändert die Branche der Film- und Fernsehproduzenten. CIO Mercedes Eisert stellt die Bavaria Film GmbH auf einen permanenten Wandel ein.
"Wir brauchen klar formulierte Ziele und müssen IT-Kauderwelsch vermeiden", sagt Mercedes Eisert, CIO der Bavaria Film GmbH.
"Wir brauchen klar formulierte Ziele und müssen IT-Kauderwelsch vermeiden", sagt Mercedes Eisert, CIO der Bavaria Film GmbH.
Foto: Eisert

"Wir haben kein Wlan in Studio 9". Solche Sätze hört Mercedes Eisert öfter, und das nicht nur tagsüber. Die Covid-19-Pandemie mit Social Distancing, Kontaktbeschränkungen und Hygiene-Maßnahmen hat die Drehzeiten in den Bavaria Filmstudios erheblich verlängert. Dreharbeiten bis tief in die Nacht sind keine Ausnahme. Das bedeutet auch mehr Arbeit für Eisert, die im Oktober 2019 den CIO-Posten bei der Bavaria Film GmbH übernahm.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Grünwald bei München gehört zu Deutschlands bekanntesten Film- und Fernsehproduzenten. Neben der Content-Produktion ist Bavaria Film mit etwa 1.650 festen und freien Mitarbeitern auch in der Vermarktung von Filmrechten und Lizenzen aktiv und offeriert eine breite Palette produktionstechnischer Dienstleistungen. In den Bavaria-Studios entstehen sowohl Fernsehserien wie die "Rosenheim Cops" als auch aufwändige Produktionen für Streaming-Anbieter wie Netflix, Sky oder Amazon, beispielsweise Szenen der Serie "Das Boot".

Die Bayern profitieren von der stark wachsenden Nutzung von Streaming-Angeboten, aber auch vom insgesamt zunehmenden Medienkonsum. "Der Markt brummt", sagt Eisert. "Es wird sehr viel digitaler Content nachgefragt". Damit steige auch die Bedeutung der Digitalisierung.

Als die Diplom-Kauffrau 2019 von der Gema-Tochter IT4IPM zu Bavaria Film wechselte, waren dort die Voraussetzungen für einen digitalen Wandel alles andere als optimal. Zu ihren ersten Aufgaben gehörte es, eine IT-Strategie zu entwickeln. Sie setzte dabei vier Schwerpunkte: Business-IT-Alignment, Mitarbeiter, Technologie und Sourcing. "Wir müssen näher ran an die Produktionsbereiche", beschreibt sie die Marschrichtung. Die IT sollte nicht länger als abgekapselte Abteilung, sondern als Dienstleister für alle Unternehmensbereiche wahrgenommen werden.

Agile Serviceteams

Dazu stieß die CIO eine umfassende Neuorganisation an. Wie in vielen mittelständischen Unternehmen war die Bavaria-IT klassisch in Funktionen wie Server, Support und Anwendungsbetreuung gegliedert. Eiserts Ziel war ein "Arbeiten in agilen Serviceteams", die jeweils für die gesamte Leistungserbringung in ihrem Bereich verantwortlich sein sollten. Den theoretischen Rahmen schaffte sie mit einer Enterprise Architecture, in der verschiedene Fachdomänen definiert sind.