Innovation statt Stillstand

Agile Transformation und die bimodale IT

Bertram Geck ist im IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit als technischer Projektleiter tätig. Er greift auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in Produktentwicklung, Produktmanagement sowie im Marketing und Vertrieb von IT-Lösungen zurück. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Steuerung von IT durch Transparenz, agile Methoden, die effiziente Integration von IT und Anwendern.

Die bimodale IT ist nur ein Zwischenschritt

Durch Robaso sollen aus einer monolithischen Architektur viele agile Einheiten entstehen. Anders ausgedrückt: Eine einzelne große IT-Einheit wird durch den IT-Schwarm ersetzt, der wohlorganisiert funktioniert und resilient gegen Ausfälle ist. Mit unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten können die einzelnen IT-Systeme entwickelt und koordiniert in den Betrieb gebracht werden.

Beim Projekt Robaso kann man zwei Anforderungen unterscheiden:

  1. 1. Anforderungen, die nur Änderungen in Robaso erfordern.

  2. 2. Anforderungen, die Änderungen in Robaso und weiteren IT-Systemen erfordern.

In der einfachsten Variante können Anforderungen der ersten Kategorie in schnellen Zyklen ausgerollt werden und Anforderungen der zweiten Kategorie in den bestehenden langsamen Zyklen.Langfristig soll die IT in der Lage sein, die Anforderungen unabhängig von den beiden Kategorien agil umzusetzen. Somit ist die vielzitierte bimodale IT nur ein notwendiger Zwischenschritt.

Der Betrieb muss Verfügbarkeit sicherstellen. Dafür hat der Betrieb seit jeher auf Standardisierung und ausgefeilte qualitätssichernde Prozesse gesetzt. Dieses Vorgehen hat gute Erfolge mit einer hohen Stabilität erzielt. Allerdings mit der Einschränkung, Änderungen nur in großen zeitlichen Abständen zuzulassen.

Aufgrund der wachsenden Anzahl von neuen Anforderungen an die IT wurden die wenigen Änderungen so voluminös, dass auch das Risiko mit jeder Änderung stieg. Es muss deshalb Ziel sein, einerseits die Menge an Änderungen pro Aktualisierung zu reduzieren, andererseits aber die Qualitätssicherung aufrechzuerhalten. Die Agilität, die sich für kleine Software-Projekte erfolgreich behauptet hatte, kann auch hier eine Lösung sein.

Um das Risiko der Transformation zu reduzieren, greifen viele Unternehmen als Zwischenlösung auf das Modell der bimodalen IT zurück. Der Großteil der IT Systeme bleibt auf dem bestehenden langsamen Releasezyklus, während einige IT-Systeme den schnellen agilen Releasezyklus anwenden. Agiles Vorgehen und klassische Wasserfallmethoden ergänzen sich hier.

Insgesamt zeigen verschiedene Studien-Ergebnisse deutliche in Richtung hybrider Projekt-Management-Methoden. Stefan Symanek, Leiter Marketing bei GULP, ist sich sicher: "In der Zukunft, wird die Frage nicht mehr lauten, klassisch oder agil, sondern vielmehr: agil oder hybrid".

Der Crash-Report des ISVs Cast zeigt, dass Hybridprojekte erfolgreicher sind als die reinen Wasserfall- oder agilen Projekte. Bill Curtis verweist im Report außerdem darauf, dass die Prozessreife hoch relevant für die Qualität der Ergebnisse ist, unabhängig vom Vorgehensmodell. Der Report "Status-Quo-Agile" der Hochschule Koblenz stellt fest: "Die Mehrheit der Anwender agiler Methoden nutzt diese selektiv oder in einer Mischform. Die durchgängige Nutzung agiler Methoden ist nur bei zirka einem Viertel der agilen Anwender der Fall."

Notwendige Voraussetzungen

Die Voraussetzungen auf dem Weg zur Agilisierung betreffen mehrere Dimensionen:

  • Organisation

  • Technologie

  • Prozesse

In jeder Dimension finden sich diverse Bedarfsschwerpunkte, die miteinander verknüpft sind. Diese werden dann je nach Situation priorisiert und anschließend umgesetzt.

Drei Dimensionen: Organisation, Technologie und Prozesse
Drei Dimensionen: Organisation, Technologie und Prozesse
Foto: Bertram Geck