Praxis

Agile Softwareentwicklung aus der Public Cloud

01.12.2017
Von 
IT-Fachjournalistin 
Agile Konzepte liegen im Trend, sollen sie doch den Softwareentwicklungsprozess schneller und effizienter machen. Ergänzt um skalierbare IT-Ressourcen aus der Cloud entsteht eine bewegliche Grundstruktur, innerhalb derer Teams agil zusammenarbeiten können.

Jahrelange Softwareentwicklungszyklen mit wochenlangen Tests und halbjährlichen Updates gehören vielerorts der Vergangenheit an. Egal ob Entwickler für externe Kunden oder für das eigene Unternehmen Software entwickeln: Die Entwicklungszyklen haben sich deutlich verkürzt, schnellere Deployments der kleineren Releases und Apps sind das Ziel. Um das zu erreichen, muss sich allerdings auch die Arbeit der Entwicklungs-Teams grundlegend ändern. Mit Scrum und Kanban einerseits oder DevOps andererseits haben sich bereits mehrere agile Projektsteuerungsmethoden und Kollaborationsansätze etabliert. Zahlreiche Software-Werkzeuge unterstützen diese Art zu arbeiten.

Agile Entwicklungsteams können von flexiblen IT-Ressourcen aus der Cloud profitieren.
Agile Entwicklungsteams können von flexiblen IT-Ressourcen aus der Cloud profitieren.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Der Wiesbadener Dienstleister //SEIBERT/MEDIA (Seibert) hat sich darauf spezialisiert, solche Tools zu entwickeln und Kunden bei der Einführung zu unterstützen. "Egal ob großer deutscher Autohersteller, Hersteller von Logistiksoftware oder IT-Dienstleister einer Versicherungsgruppe: Der Einsatz von agilen Softwareentwicklungs-Tools und Kollaborations-Werkzeugen ist grundsätzlich in allen Branchen möglich", erklärt Rico Ullmann, Technical Consultant bei Seibert. "Diese Art zu arbeiten setzt allerdings einen gewissen Grad an Computerisierung und Vernetzung voraus. Der Trend in diese Richtung ist eindeutig."

Agile Methoden leben von kurzen Entscheidungswegen und der flexiblen Bereitstellung von Ressourcen. Letzteres ist durchaus im doppelten Sinne zu verstehen: So wie die Teams projektbezogen je nach benötigtem Know-how zusammengestellt werden, sollten auch die IT-Ressourcen je nach Bedarf mitwachsen oder schrumpfen können. "Agil zu arbeiten bedeutet, sich eben nicht an starre, vorgegebene Strukturen halten zu müssen", sagt Ullmann. "Die IT soll dabei genauso elastisch sein. Das Team braucht die Ressourcen, sobald die Arbeit beginnt. Die Ressourcen müssen unkompliziert konfiguriert und skaliert werden können, wenn beispielsweise die neue App getestet werden soll. Und sie sollten ebenso schnell wieder abgeschaltet werden können, wenn das Projekt zu Ende ist."

Um dem wachsenden Kundenstamm gehostete Lösungen bieten zu können, ohne die eigenen Rechenzentren weiter ausbauen zu müssen, brauchte Seibert einen Infrastruktur-Partner. "Wir haben mehrere Infrastructure-as-a-Service-Anbieter auf unsere Anforderungen hin überprüft", so Ullmann. Denn die Erwartungen der Kunden vor allem hinsichtlich des Datenschutzes waren hoch. Um den strengen deutschen Datenschutzregelungen gerecht zu werden, suchte Seibert nach einem IaaS-Dienstleister aus Deutschland. Denn amerikanische Anbieter unterliegen de facto den Datenschutzbestimmungen der USA, selbst wenn sie ihr Rechenzentrum hierzulande betreiben. Seibert entschied sich für ProfitBricks, einen IaaS-Dienstleister aus Berlin: "Neben dem Standortvorteil bietet uns ProfitBricks die Flexibilität, die wir hinsichtlich der Rechenzentrums-Konfigurationen brauchen."

Was Seibert unter Flexibilität der Infrastruktur versteht, geht über die gewöhnlichen Vorteile der Cloud hinaus. Nach Bedarf Ressourcen hinzubuchen oder abschalten zu können, ist das, was Cloud-Kunden mindestens erwarten. "Wir wollen unseren Kunden noch mehr Flexibilität bieten", erläutert Ullmann. "Das heißt, jeder Kunde baut sich sein virtuelles Rechenzentrum genau so, wie er es benötigt - es gibt keine vordefinierten Pakete oder Mindest-Kontingente." Dabei funktioniert der Übergang automatisch: Kunden, die Tools von Seibert nutzen, loggen sich praktisch direkt auf den ProfitBricks-Servern ein.

Die Cloud soll eigene Rechenzentren ersetzen

Seibert verhilft nicht nur seinen Kunden zu mehr Agilität, sondern lebt dieses Konzept selbst. Gerade schließt das Unternehmen die Umstrukturierung in eine sogenannte Pfirsichorganisation ab. Diese Art der Unternehmensstruktur verspricht mehr Nähe zum Markt, denn hier verlaufen die Entscheidungswege von außen nach innen - vom Markt ausgehend in das Unternehmen hinein. Dank flacher Hierarchien arbeiten die Teams weitgehend autonom in miteinander verwobenen Zellen und können sich dadurch freier entwickeln sowie kundenspezifischer agieren.

Wenn Teams selbständig Projekte aufsetzen und durchführen, müssen sie auch in der Lage sein, kurzfristig und unkompliziert die notwendige Infrastruktur dafür aufzubauen. Deshalb nutzt der Dienstleister die Infrastruktur des Cloud-Providers auch selbst. "Für uns zählen letztlich dieselben Argumente wie für unsere Kunden", resümiert Ullmann zusammen. "Wir brauchen maßgeschneiderte IT-Ressourcen, die dann zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden." Noch unterhalte man zwei eigene Rechenzentren. Doch der Betrieb koste zu viel Zeit und Geld. Mittelfristig plane Seibert deshalb, komplett auf die Public Cloud umzusteigen.