Scrum ist Spitzenreiter

Agile Methoden bringen Digitalisierung voran

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
In der modernen Arbeitswelt hat sich die Projektarbeit etabliert. Eine Mehrheit von 65 Prozent der deutschen Unternehmen setzt auf agile Methoden, wobei Scrum der eindeutige Favorit ist. Das geht aus einer Bitkom-Befragung von mehr als 300 Unternehmen ab 500 Mitarbeitern im Auftrag von Etengo hervor.

Das klassische Projektmanagement scheint nicht die Instrumente liefern zu können, um solche umfassenden Trends wie die Digitalisierung konsequent umzusetzen. Denn jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) ist im IT-Bereich auf agiles Projekt-Management umgestiegen, wie die aktuelle Bitkom-Studie zeigt. Bei den Unternehmen mit 2000 Beschäftigten und mehr sind es bereits 56 Prozent. Weitere 15 Prozent aller Unternehmen planen den Einsatz in den kommenden zwölf Monaten. Lediglich für knapp jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) sind agile Methoden im Projektmanagement derzeit kein Thema.

Auf die Frage, warum Unternehmen auf agile Methoden setzen, wird neben Schnelligkeit und Projektqualität auch die wichtige Zusammenarbeit mit Freiberuflern genannt.
Auf die Frage, warum Unternehmen auf agile Methoden setzen, wird neben Schnelligkeit und Projektqualität auch die wichtige Zusammenarbeit mit Freiberuflern genannt.
Foto: TippaPatt - shutterstock.com

Im direkten Vergleich der agilen Methoden zeigt sich: Spitzenreiter unter den Methoden des agilen Projekt-Managements ist Scrum. Mit so einem eindeutigen Ergebnis habe er nicht gerechnet, gibt Studienauftraggeber Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender des Mannheimer IT-Personaldienstleisters Etengo zu. Methoden wie Kanban, Extreme Programming (XP) oder Feature Driven Development (FDD) kommen selten zum Einsatz. Insbesondere im Handel ist Scrum klarer Spitzenreiter: Neun von zehn Unternehmen (91 Prozent), die agile Methoden anwenden, setzen auf Scrum. Hier sei der Druck besonders groß, in großer Geschwindigkeit Projekte umzusetzen, meint Reuter. Gerade der stationäre Handel muss massiv ins Internet-Geschäft investieren, will er mit den reinen Online-Giganten wie Amazon oder auch Nischenanbietern wie zum Beispiel Flaschenpost.de, der einen app-basierten Getränkelieferservice mit extrem schneller Lieferung und einem großen Sortiment aufgebaut hat, mithalten. Insgesamt nutzen acht von zehn Unternehmen (79 Prozent), die agile Methoden einsetzen oder dies konkret planen, Scrum.

Auf die Frage, warum nun so viele Firmen auf agile Methoden setzen, nennen Unternehmen allem voran die Argumente Schnelligkeit und Qualität. Unternehmen, die agile Methoden bereits anwenden, sehen vor allem qualitativ bessere Projektergebnisse (72 Prozent) sowie die einfachere Zusammenarbeit mit IT-Freelancern (53 Prozent) als entscheidende Vorteile. Auch die schnellere Umsetzung von Projekten (50 Prozent), das schnellere Erkennen und Reagieren auf auftretende Probleme (47 Prozent) sowie die höhere Flexibilität im Projekt (41 Prozent) sind Argumente, die für deutsche Unternehmen klar für den Einsatz agiler Methoden sprechen. 38 Prozent der Unternehmen, die agiles Projekt-Management betreiben, meinen außerdem, dass die Mitarbeitermotivation durch mehr Verantwortung und selbständiges Arbeiten steigt.

Für den reibungslosen Ablauf und die Umsetzung von IT-Projekten kommt es nicht nur auf das richtige Projektmanagement an, es braucht auch die richtige Manpower. Heute sind dafür häufig nicht mehr nur festangestellte Mitarbeiter gefragt, sondern auch eine Vielzahl externer Experten - oftmals Freelancer. Die aktuelle Befragung zeigt, dass IT-Freelancer für Unternehmen immer wichtiger werden. Sechs von zehn Unternehmen (63 Prozent) sagen, dass die Bedeutung der Freiberufler in den kommenden sechs Monaten weiter zunehmen wird. Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) schätzt gar, dass die Bedeutung der Freelancer für die eigene Firma sehr stark zunehmen wird, 23 Prozent gehen davon aus, dass die Bedeutung stark zunehmen wird. 19 Prozent sagen, sie wird eher zunehmen. "In Deutschland wird es immer schwieriger, die dringend benötigten IT-Spezialisten zu finden. Experten werden auf dem Arbeitsmarkt händeringend gesucht", sagt Axel Pols, Geschäftsführer der Bitkom Research. "Auch die wachsende Bedeutung von IT-Sicherheit treibt die Nachfrage nach IT-Freelancern. Unternehmen werden deshalb auch nach eigener Einschätzung in Zukunft immer häufiger auf IT-Freelancer zurückgreifen."

Nikolaus Reuter, Etengo: "Die Freiberuflichkeit hat sich für IT-Spezialisten längst zu einer interessanten Karriereoption entwickelt, in vielen Fällen sogar direkt von der Universität weg."
Nikolaus Reuter, Etengo: "Die Freiberuflichkeit hat sich für IT-Spezialisten längst zu einer interessanten Karriereoption entwickelt, in vielen Fällen sogar direkt von der Universität weg."
Foto: Michaela Handrek-Rehle

Auch heute schon stehen IT-Freelancer hoch im Kurs. Knapp sieben von zehn Unternehmen (69 Prozent) messen ihnen eine große Bedeutung bei. So leisteten Freiberufler in den vergangenen sechs Monaten bereits mehr als jede fünfte Arbeitsstunde (23 Prozent) bei IT-Projekten in Unternehmen. Bei großen Unternehmen mit 2.000 Beschäftigten und mehr war es bereits jede vierte Stunde (25 Prozent). In mehr als jedem zehnten Unternehmen (13 Prozent) werden bereits 40 Prozent und mehr an IT-Projekten von Freelancern erledigt.

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Laut den Befragten wird auch dieser Wert innerhalb des nächsten halben Jahres weiter zunehmen. So schätzen die Unternehmen, dass dann 29 Prozent der Arbeitsstunden von IT-Freelancern geleistet werden. Das ist ein Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorhalbjahr. In mehr als jedem vierten Unternehmen (26 Prozent) werden IT-Freiberufler dann bereits 40 Prozent oder mehr des IT-Arbeitsvolumens übernehmen. "Die Nachfrage im IT-Bereich ist momentan sehr hoch, denn die Digitalisierung tangiert nahezu alle Bereiche und Branchen und erstreckt sich auch auf das private Umfeld. Die Freiberuflichkeit hat sich für IT-Spezialisten längst zu einer interessanten Karriereoption entwickelt, in vielen Fällen sogar direkt von der Universität weg", betont Etengo-Vorstandsvorsitzender Reuter.

Der Ergebnisbericht ist kostenfrei erhältlich unter: https://www.bitkom-research.de/efx. Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung von 305 IT-Vorständen, CIOs oder IT(Haupt-)Abteilungsleitern deutscher Unternehmen ab 500 Mitarbeiter.