IT- und Geschäftsprozesse optimieren

Agil oder gut geplant

Steffen studierte in Tralee (Irland) Informatik. Anfang der 90er war er Mitgründer von SimpleWork,  das man 96 verkaufte. Anfang 97 wurde er Interims-IT-Leiter bei Maxdata, Ende 97 war er Mitgründer der Beans AG und 2001 Mitgründer der Lobster GmbH. Dort ist er Leiter Software-Entwicklung.
Wer Wettbewerbsvorteile sucht und sich schnell anpassen will, muss das Management seiner Schnittstellen überdenken.

Wer für IT- oder Industrieprozesse verantwortlich ist, hat gelernt, erst einmal sauber zu planen: Projekt aufsetzen, Ziele definieren, Meilensteine festlegen, Projektteam bilden, Fortschritt überwachen und vor allem mit Krisen umgehen. Dazu gehören nicht eingehaltene Termine, explodierende Kosten, plötzlich fehlende Schnittstellen und ähnliche zusätzliche Aufgaben, an die bisher niemand dachte. Retter in der Not sind bis heute meist die Manager der Generation der langfristigen Roadmaps, die mit Dashboards, Balanced Scorecards und Gantt-Charts arbeiten.

Herkömmliche Geschäftsprozesse veralten immer schneller. Gefragt sind neue Ansätze wie agiles Management oder Design Thinking.
Herkömmliche Geschäftsprozesse veralten immer schneller. Gefragt sind neue Ansätze wie agiles Management oder Design Thinking.
Foto: dotshock - shutterstock.com

Seit einiger Zeit erleben wir das Aufkommen neuer Ansätze. Agiles Management, Design Thinking, Scrum und Kanban driften durch die Management-Ebenen. Dahinter steckt die Erfahrung, dass herkömmliche Geschäftsprozesse immer schneller veralten. McKinsey hat die durchschnittliche Lebenserwartung von Standard & Poors 500 Unternehmen untersucht und festgestellt, dass die Lebenserwartung dieser Unternehmen im Jahr 1935 bei 90 Jahren lag. Und im Jahr 2010 noch bei 14 Jahren.

Woran liegt es, dass die Lebenserwartung von Unternehmen sinkt? Die Antwort ist banal und bekannt: Die Märkte verändern sich immer schneller. Die Schlagworte: Internationalisierung, Automatisierung, Digitalisierung, Industrie 4.0 und Internet of Things. Die Treiber dieser Veränderungen wirken auf der Beschaffungsseite ebenso wie auf der Produktseite.

Um flexibel und agil zu reagieren, ist eine smarte, agile und problemlose Vernetzung von individuell und situationsspezifisch zusammengestellten IT-Systemen notwendig. Sie muss sich flexibel und ohne Programmieraufwand den jeweiligen Bedingungen anpassen lassen.
Um flexibel und agil zu reagieren, ist eine smarte, agile und problemlose Vernetzung von individuell und situationsspezifisch zusammengestellten IT-Systemen notwendig. Sie muss sich flexibel und ohne Programmieraufwand den jeweiligen Bedingungen anpassen lassen.
Foto: Steffen Brehme/Lobster GmbH

Digital Leaders Academy

Wenn wir uns IT-Prozesse ansehen, dann gehören dazu Diskussionen von 'Bring your own device' über 'On-premise oder Cloud' bis zur Vernetzung von EDI-Prozessen (Electronic Data Interchange; Verbindung mit anderen Unternehmen) mit EAI-Prozessen (Enterprise Application Integration; Verbindung von Systemen im eigenen Unternehmen, zum Beispiel von Produktion und ERP-Systemen - heißt Enterprise Resource Planning, sprich betriebswirtschaftlichen Softwarelösungen zur Steuerung von Geschäftsprozessen).

Je mehr Unternehmen zu Industriezweigen gehören, die sich in einer Umbruchsituation befinden, desto höher ist der Veränderungs- und Anpassungsdruck. Klassische Automobilhersteller und ihre Zulieferer zum Beispiel: Dieselgate, Elektromobilität und autonomes Fahren heißen hier die Katalysatoren. Wer bei Entwicklung, Produktion und Absatz neuer Serien immer noch in Zyklen von fünf bis zehn Jahren denkt, hat gute Chancen, innerhalb der von McKinsey genannten 14 Jahre auf dem Schrottplatz der Automobilgeschichte zu landen.

Agiles Management soll helfen - für die meisten IT-Leiter ist das ein Graus. Es bedeutet zum Beispiel, immer wieder und auch kurzfristig neue Technologien zu integrieren, die mal von der eigenen Entwicklungsabteilung oder Produktion, mal von einem OEM und mal von einem Startup zur Verfügung gestellt werden. Es bedeutet, bei der Anbindung von Vertrieb oder Logistik auf aktuelle und neue Softwarelösungen umzustellen, mit denen flexible und anpassungsfähige Prozesse gestaltet werden können. Also nicht mehr alles aus einer Hand sondern bei EDI wie EAI ein Best of breed-Ansatz, der schnelles Anpassen an Märkte und Wettbewerb wie an Technologien und veränderte Geschäftsprozesse ermöglicht. Langwierige IT-Projekte, bei denen über Monate an der Systemintegration herumgebastelt und programmiert wird, kann man sich da kaum mehr leisten. Sie vermindern die Wettbewerbsfähigkeit.

Wie also können Unternehmen, die intern wie extern für die zueinander gehörenden Aufgaben unterschiedlichste IT-Systeme und -Standards nutzen, operativ zusammenarbeiten, ohne Zeit zu verlieren? Zugespitzt reduziert sich die Frage auf das Management von Schnittstellen. Gefragt sind smarte, flexible, agile Unternehmen, die nicht nur neue Technologien entwickeln, sondern ihre Strukturen und Geschäftsmodelle den neuen Bedingungen immer wieder anpassen. Und gefragt ist die smarte, agile und problemlose Vernetzung von individuell und situationsspezifisch zusammengestellten IT-Systemen, die flexibel und ohne Programmieraufwand den jeweiligen Bedingungen angepasst werden können. Die IT ist das Betriebssystem des Unternehmens. Sie hat es in der Hand, mit agilen Strukturen die Lebenserwartung des eigenen Unternehmens wesentlich zu erhöhen.