Affengeil ins Internet

07.06.1996

Zeitgeistkritiker und Kulturbeflissene aller Länder aufgemerkt! Der Internetter an sich muß nicht sozialdepraviert, sprich unfähig zum kommunikativen TÉte-ê-tÉte sein. Eine revolutionäre Idee aus deutschen Landen dürfte in den kommenden Monaten Platz greifen überall dort, wo Öffentlichkeit per se existiert, nachgerade gewollt ist: In Cafes, Restaurants, Kinos. Mit einem Wort und bestem Deutsch des Herstellers, in allen In- und Outdoor-Bereichen unserer Republik werden sie stehen: Die "Cut"-Terminals.

Die Internet-Rechner mit dem ansprechenden Design einer ältlichen Toplader-Waschmaschine sind für den ultimativen Surf im WWW gut gerüstet: Die 100 Megahertz eines Pentium-Prozessors, gepaart mit 32 MB Arbeitsspeicher ermöglichen dem Online-Freak, der nichtsdestotrotz vom Glauben an die Sinnhaftigkeit sozialer Kontakte partout nicht lassen will, beflügelt in den Stau der Datenautobahnen zu rauschen. Lautsprecher, Monitor, Tastatur und ein sogenanntes Glidepad - das glaubhaft nicht aus dem Repertoire dezent liefernder deutscher Versandhäuser stammt - runden das harte Outfit der Cut-Terminals ab.

Gesurft wird per Web-Browser Netscape 2.0. Per mitgelieferter E-Mail-Software lassen sich Botschaften an andere In-Lokationen versenden. Das mit 11000 Mark fast geschenkte Terminal sei, so der Hersteller, auch für mentale Metablocker völlig unproblematisch zu handhaben. Fehlbedienungen und Manipulationen würden durch Hard- und Softwaremaßnahmen unterbunden.

Die ersten drei Cut-Terminals werden Mitte Juni in Rheine ans Netz gehen. Kommunikationsfördernder Aspekte wegen in einem Drive-In der deutschen Schnellgerichte-Kette Kochlöffel. Haute Cuisine und Internet - wer da nicht auf den Geschmack kommt.