Spektakuläre Preise für Lizenz gefordert

Ärger über SCO einigt die Linux-Lobby

15.08.2003
MÜNCHEN (CW) - SCO hat mit seiner Politik gegen Linux für Einigkeit jener Teile der IT-Industrie gesorgt, die ein Interesse an dem quelloffenen Betriebssystem haben.

Wer weiß, wie sorgfältig bei der Suse Linux AG die Vor- und Nachteile verschiedener Maßnahmen gegen SCO diskutiert worden sind, musste sich schon wundern: Keine 24 Stunden nach Red Hats Klage gegen SCO (siehe CW 32/03, Seite 5) stellte sich der Nürnberger Distributor an die Seite des Konkurrenten. "Wir spenden Red Hat Beifall für die Bemühungen, die Rhetorik der SCO Group und die Furcht, Unsicherheit und Zweifel, die sie einzuflößen versucht, einzudämmen", heißt es in einer ungewöhnlich harschen Suse-Erklärung.

Schnelle Klärung gewünscht

SCO habe mit "unbelegten und hetzerischen Statements" versucht, die zunehmende Akzeptanz von Linux aufzuhalten. Suse versicherte Red Hat seiner Unterstützung in der Auseinandersetzung mit SCO.

Auch der deutsche Linux-Verband (Live), in dem Softwarehäuser, Dienstleister, Anwenderunternehmen und Einzelpersonen mit Linux-Interessen vertreten sind, begrüßte in einer Erklärung "ausdrücklich das juristische Vorgehen gegen SCO". Die Gruppe erwartet, "dass baldmöglichst alle von SCO gestreuten Zweifel an der Rechtssicherheit bei der Nutzung von Linux widerlegt sind".

Der Verband weist darauf hin, dass Linux-Anwender in Deutschland ohnehin vor Ansprüchen von SCO sicher sind. Denn der Linux-Tag e.V. hatte SCO vor Gericht zu einer Unterlassungserklärung gezwungen. Demnach darf SCO nicht weiter behaupten, Linux-Betriebssysteme enthielten unrechtmäßig erworbenes geistiges Eigentum von SCO oder seien ein nicht autorisiertes Derivat von Unix. Außerdem darf SCO nicht weiter drohen, Endanwender könnten für die Verwendung von Linux haftbar gemacht werden oder hätten Strafverfolgung zu befürchten. Bei Zuwiderhandlung würde in Deutschland eine Strafe von 10000 Euro fällig.

Andernorts versucht SCO gleichwohl, Linux-Anwender zu Zahlungen zu drängen. Wer vor einer Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung sicher sein will, soll eine "SCO Intellectual Property License for Linux" erwerben. Die kostet für jeden Desktop-PC 199 Dollar. Bis zum 15. Oktober 2003 werden für einen Server mit einer CPU 699 Dollar verlangt, danach steigt die Forderung auf 1399 Dollar pro Prozessor. Für ein Zwei-Wege-System beträgt der Einstiegspreis 1148 Dollar, für die Acht-CPU-Lizenz sind es 4999 Dollar. Und für jedes Gerät mit Embedded-Linux möchte SCO 32 Dollar sehen.

Damit wäre Linux, zu dessen Entwicklung SCO und die Vorgängerin Caldera nicht sonderlich viel beigetragen haben, teurer als das eigene Betriebssystem "Unixware". Das kostet auf einem Ein-Prozessor-Server mit einem Anwender 609 Dollar. Bei einem Intel-basierenden Vier-Wege-System mit 25 Anwendern schlägt Unixware mit 5074 Dollar zu Buche. Die Linux-"Licence" auf dem gleichen System würde sich auf 5596 Dollar belaufen.

Wenn SCO den Preis tiefer angesetzt hätte, wären wohl eher Anwender bereit, auf die Erpressung einzugehen, meint Analyst Charles King vom Marktforschungsunternehmen Segaza Group. Wenn aber SCO jetzt mit derart exorbitanten Forderungen komme, würden Anwenderunternehmen von SCO Beweise für ihre Behauptungen verlangen. (ls)