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Ändern neue CPU-Designs das Software-Pricing?

20.12.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Softwarehersteller werden in absehbarer Zeit von Prozessor-basierenden Lizenzbedingungen abrücken, sagen Analysten. Die Gründe sehen sie in neuen Chip-Designs, die mehrere Prozessorkerne in einer CPU vereinen, und die Verteilung von Software über Grids. Zur Zeit behandeln die Hersteller Chips mit mehreren Rechenkernen unterschiedlich. Während IBM Softwarelizenzen für die entsprechende Variante des Power-4-Prozessors wie für zwei eigenständige CPUs abrechnet, behandelt Sun den Dual-Core UltraSparc IV wie einen normalen Prozessor. Der Hersteller plant, künftig bis zu acht Prozessorkerne auf einem Chip zu vereinen.

Auch Intels Hyperthreading-Technologie zeige Grenzen für die Lizenzierung auf. Oracle versuchte bereits vor drei Jahren unter der Bezeichnung "Universal Power Unit" ein neues Pricing-Schema einzuführen, allerdings erfolglos. Es unterschied zwischen Prozessoren mit Intel- und RISC-Architektur. Die Hersteller müssten außerdem den Ankündigungen Rechnung tragen, dass sich Anwendungen auf Intel-Clustern billiger betreiben ließen als auf herkömmlichen Unix-Rechnern. Völlig unklar sei, wie die Prozessoren in einem Grid abgerechnet werden sollen.

Ein Pricing-Modell, das den neuen Formen von Rechnerverbänden und Prozessor-Designs gerecht werde, sei nur sehr schwer zu entwickeln, sagte Jacqueline Woods, Vice President von Oracles Abteilung Global Pricing and Licensing Strategy. Man sei dabei auf die Zusammenarbeit mit den Hardwareherstellern angewiesen. Auch das Herunterbrechen von Lizenzen auf Anwender lasse sich kaum realisieren, da sich in großen Netzen die genaue Nutzerzahl nicht bestimmen lasse. Für Kunden müsse ein neues Lizenzmodell fair, einfach und vorhersehbar sein. (lex)