Geschäftsführer wegen Mitgliedsschwund entlassen

ADL-Verband in der Krise

05.09.1975

MÜNCHEN - Ein Jahr nachdem er einen neuen, mit Vorschußlorbeeren bedachten Vorstand bekam, baut der ADL-Verband zunächst einmal ab: der bisherige hauptamtliche Geschäftsführer Wolf Joachim Davin, im Münchener Telefonbuch als Werbeberater verzeichnet, geht am 30. September - ohne das es einen Nachfolger gibt. Angesichts von etwa 200 000 in der EDV tätigen Bundesbürgern ist die "Standesorganisation" reichlich klein: der Vorstand spricht von über 1500 Mitgliedern, kritische Mitglieder glauben, es seien nur noch kaum 1200. Auf die 20 000 Mann starke "British Computer Society" angesprochen, erwidert ADL-Vorstandsmitglied H. Fuchs (Druckerei Hess KG, Braunschweig): "Ein Trauerspiel - es muß wohl an den Deutschen liegen."

Während andere Berufsorganisationen das fünffache verlangen, steht der Mitgliedsbeitrag für Einzelpersonen im ADL auf 48 Mark im Jahr - und das wird von manchen noch als zu hoch empfunden. Wo aber wenig Geld in der Kasse ist, kann nicht viel geboten werden.

Zwar will ADL-Bundesvorsitzender Thilo Steinbrinck für künftige Zeiten als neuen Geschäftsführer einen "aktiven EDV-Fachmann" suchen. Aber, um "den Mitgliedern etwas zu bieten", wird im Herbst neben vielen Zukunftsplänen nur ein Sparprogramm präsentiert: Empfehlung an die Landesverbände, das Schleswig-Holstein-Modell nachzumachen und Kurz-Seminare sowie Arbeitsgruppen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Organisation sowie dem RKW zu veranstalten.

"Wir mußten erst einmal eine Bestandsaufnahme machen und neue Kontakte - zum Beispiel zu Herstellern - knüpfen. Damit war das erste halbe Jahr schon ausgefüllt" entschuldigt Steinbrinck die ehrenamtlichen Verbands-Oberen. -py