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Abrechnungsbetrug: Worldcom betraut Anwaltskanzlei mit interner Untersuchung

30.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der des Abrechungsbetrugs beschuldigte US-Carrier MCI (ehemals Worldcom) hat nach eigenen Angaben eine Anwaltskanzlei auf den Fall angesetzt. Wie der zweitgrößten US-Anbieter für Ferngespräche mitteilte, soll das Anwaltsbüro Gibson, Dunn & Crutcher LLP aus Los Angeles nun eine unternehmensinterne Untersuchung vornehmen. MCI-Chef Michael Cappellas gab außerdem bekannt, dass sein Unternehmen mit der Ermittlungsbehörde vollständig kooperieren und aufgedeckte Vergehen streng ahnden werde.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die US-Staatsanwaltschaft vor zwei Monaten die Ermittlungen gegen MCI aufgenommen hatte. Auslöser dafür waren in die Öffentlichkeit gelangte interne Dokumente sowie entsprechende Hinweise ehemaliger MCI-Mitarbeiter und der Telefongesellschaften AT&T, SBC Communications und Verizon (Computerwoche online berichtete). Dem Konzern wird vorgeworfen, er habe über neun Jahre hinweg Ferngespräche als Ortsgespräche ausgegeben, um lokalen Anbietern keine Durchleitungsgebühren zahlen zu müssen. Besonders schwerwiegend sind dabei nach einem Bericht der "Associated Press" die Anschuldigungen der Konkurrenten, MCI habe Gespräche der US-Regierung, einschließlich streng geheimer Telefonate des State Departments, durch kanadisches Territorium geleitet, um Gebühren zu sparen. Der Konzern wies diese Anschuldigung aufs Heftigste

zurück und erklärte, dieser Traffic liefe nicht über Gateways sondern vielmehr verschlüsselt über eine besondere MCI-Verbindung.

Einige Analysten sehen in den Vorwürfen einen neuen Versuch der Konkurrenz, den Abschluss des Gläubigerschutzstatus zu verhindern. Am 25. August soll eine wichtige Anhörung vor Gericht stattfinden, in der über das weitere Schicksal des zahlungsunfähigen TK-Konzerns entschieden wird. Selbst wenn MCI wieder voll ständig rehabilitiert wird, könnte es dem Carrier zum Verhängnis werden, wenn er anschließend mit Klagen überhäuft wird oder die US-Regierung ihren fast eine Milliarde Dollar schweren Vertrag kündigt. (mb)