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Abgehört und dafür auch noch zur Kasse gebeten

31.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine Computerpanne hat Zeitungsberichten zufolge bei dem Mobilfunkanbieter O2 für erheblichen Ärger gesorgt: Die Telefonrechnungen für September legten nahe, dass Anschlüsse abgehört wurden, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Die Belauschten seien dafür sogar zur Kasse gebeten wurden, hieß es weiter. So erhielten die Kunden, deren Apparat abgehört wurde, im Oktober von O2 ungewöhnliche Telefonrechnungen: Sie enthielten zahlreiche "abgehende Mailbox-Verbindungen" zu der immer gleichen Festnetznummer. Über diesen Anschluss hätten Sicherheitsbehörden belauschte Gespräche aufgezeichnet. Diese Verbindungen stellte O2 ihren Kunden dann in Rechnung. Dabei ging es um Abhöraktionen der Polizei als auch der Geheimdienste. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise von etwa 50 Personen, deren Rechnung

Kosten für gegen sie gerichtete Abhöraktionen enthielten. Die Betroffenen hätten sich die Einzelverbindungen auf der Rechnung ausweisen lassen.

Laut O2-Pressesprecher Roland Kuntze handelt es sich um einen Software-Fehler bei O2. Es wäre ein Abrechnungsprogramm in Betrieb genommen worden, das den Fehler enthalten habe.

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums seien im vergangenen Jahr Abhöraktionen im Zusammenhang mit 3868 Verfahren genehmigt wurden. Insgesamt 9122 Menschen und deren Gesprächspartner wurden am Telefon belauscht. Die Zahl der überwachten Anschlüsse liege noch weit höher, da viele Personen mehrere Anschlüsse besitzen. (km)