Telefónica/O2-Chef

5G-Versteigerung ist nicht gut für Deutschland

23.05.2019
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Der Chef von Telefónica/O2 jammert: Die teure 5G-Versteigerung würde dazu führen, dass Deutschland nicht das beste Netz bekomme. Und der 5G-Aufbau länger dauere. Und die Nutzer müssten mehr dafür bezahlen.

Telefónica-Chef Markus Haas ist sauer. Haas kritisiert die hohen Summen, die sein Mobilfunkunternehmen und die Konkurrenten für die 5G-Lizenzen in Deutschland bezahlen müssen. Dieses Geld würde für den Ausbau des Netzes fehlen.

Bei der seit dem 19. März 2019 laufenden Versteigerung haben die vier bietenden Unternehmen, nämlich Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und United Internet bis jetzt rund sechs Milliarden Euro geboten.Markus Haas sagt zu dieser Summe: „Das ist nicht gut für Deutschland“, wie das Handelsblatt berichtet.Dieses Geld würde fehlen, wenn es darum gehe, die modernste Technik für die 5G-Netze anzuschaffen. Haas weiter: „Deutschland wird sicherlich nicht das beste 5G-Netz haben“. Wobei der objektive Beobachter angesichts der Qualität der derzeitigen 4G-Netze in Deutschland ohnehin schon zu dieser Vermutung gekommen sein dürfte…

Außerdem behauptet Haas laut Handelsblatt, dass 5G ohne die teure Versteigerung schneller kommen würde. Und letztendlich müssten seiner Meinung nach die Nutzer die Preise dafür bezahlen. Haas behauptet weiter, dass man mit sechs Milliarden Euro 60.000 Mobilfunkmasten errichten könnte. Haas wagte keine Prognose dazu, wann die 5G-Versteigerung endlich zu Ende ist.

Telefónica-Deutschland wolle künftig enger mit den Konkurrenten zusammenarbeiten, um im ländlichen Raum die Funklöcher zu schließen. Dafür hat Telefónica-Deutschland allen Grund: Wer zum Beispiel mit dem Zug von München nach Regensburg fährt und im O2-Netz eingewählt ist, bleibt unterwegs immer mal wieder mehrere Minuten offline.

Der Telefónica-Deutschland-Chef ist mit seiner Kritik nicht allein, auch Telekom-Chef Timotheus Höttges hat die hohen Summen bereits kritisiert.

Beim kommenden Aufbau des 5G-Netzes sieht sich Telefónica Deutschland außerdem mit dem gleichen Problem konfrontiert wie Deutsche Telekom, Vodafone und United Internet: Möglicherweise können die Mobilfunkunternehmen keine Geräte des bisher viel genutzten Lieferanten Huawei verwenden, da Huawei unter Umständen wegen des US-Lieferstopps für viele aus den USA stammenden Bauteile keine Netzwerkgeräte bauen kann. Oder Huawei sogar untersagt wird, Netzwerkgeräte für das kommende 5G-Netz zu liefern. Diese Fragen sind allerdings derzeit noch offen.