370-kompatible 4300 - aber IBM läßt DOSVS auslaufen

09.02.1979

STUTTGART - Datenbank-Träumer wurden bei der Ankündigung der neuen IBM-Rechner 4331 und 4341 unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: "CICS/DOS/VS und DL/1 DOS/VS sind auch die DB-BC-Produkte der Zukunft", so Cornelius Schulz-Wolfgramm, Leiter des IBM-Direktionsbereiches Vertrieb Datenverarbeitung, anläßlich der Taufe der "E-Serien-Zöglinge" in Böblingen. Gleichwohl müssen /370-Anwender mit Systemen bis Modell 148 Umstellungs-Querelen befürchten. Zwar laufen die "LSI-Wunderkinder" (512 KB auf einer Speicherkarte) im /370-Modus auch unter DOS, DOS/VS und OS/VS1 - erhebliche Leistungseinbußen seien dabei aber, wie IBM zugibt, nicht auszuschließen.

Das hieße: IBM rät von einer Eins-zu-Eins-Umstellung ab. Die Benutzer der kleinen und mittleren /370er-Systeme werden sich ohnehin damit abfinden müssen, daß ihr Hersteller das alte Betriebssystem DOS/VS mit Release 34 auslaufen läßt - der Nachfolger ist DOS/VSE, das "exakt auf das neue VS-Konzept" abgestimmte Betriebssystem der 4300 (IBM-Aussage). Was sich konkret hinter den DOS/VS-Erweiterungen (E für Extended) verbirgt, konnte Schulz-Wolfgramm nicht befriedigend beantworten. (Ein Überbetriebssystem Ó la VM/370?)

Daß die Software-Investitionen der Anwender geschätzt werden sollen, erscheint somit nur oberflächlich betrachtet als Uneigennützigkeit des Marktführers: Irgendwann müssen DOS-Anwender doch umstellen, und dann geht's ans Portemonnaie. Denn IBM hat gleichzeitig ein neues Software-Konzept bekanntgegeben, das die im DV-Bereich, bei den - 303X-Rechnern begonnene Unbundling-Strategie konsequent fortsetzt Software-Preise wurden nicht genannt.

Nahezu die gesamte 4300-Software wird in Form von Paketen - vorkonfiguriert, vorgeneriert, getestet - gegen Lizenzgebühr geliefert. Das System "IPO/E" (Installation Productivity Option Extended) soll zu einer "schnelleren, wirtschaftlicheren Installation und zu insgesamt homogeneren und stabileren Systemen führen", wirbt IBM.

Die in Böblingen (4331) und Burlington/USA (4341) entwickelten "DV-Babies" (Schulz-Wolfgramm) bieten "die Rechnerleistung der "Großen" zum Preis der bisher ganz "Kleinen"" (eine 0,5 MB-Maschine kostet rund 15 000 Mark Monatsmiete). Dieser Slogan verrät, welche Zielgruppen die Stuttgarter anpeilen: "IBM 4331 - das Einstiegssystem für kleinere Unternehmen; das Zweitsystem für unsere kleineren Kaufkunden. IBM 4341, das Nachfolgesystem für System /370-115/-125; das Zweitsystem für größere Kaufkunden." So heißt es in einer - nur für den IBM-internen Gebrauch bestimmten - Informationsbrschüre.

Als "kleinere Kaufkunden" sind /370115/-125-Anwender gemeint, die "größeren Kaufkunden" sind Unternehmen mit den Modellen 135, 138, 145 und 148.

Die 4331 wird mit Hauptspeichergrößen von 0,5 und 1 MB angeboten. Zum Vergleich: Die Mindest-Hauptspeichergröße entspricht der maximalen Hauptspeichergröße des Modells /370-125.

Der größere Bruder wartet gleich mit CPU-Kapazitäten von 2 und 4 MB auf. Er verfügt über einen Pufferspeicher von 8 KB (Zugriff auf 8 Bytes in 225 Nanosekunden), den die 4331-Zentraleinheit nicht besitzt. Die Hauptspeicherzugriffszeit (Lesen und Schreiben) beträgt beim Rechner 4331 (für 4 Bytes) 900/1300 Nanosekunden. Bei der 4341 beträgt die Rechnerzykluszeit 150 oder 300 Nanosekunden je 8 Bytes.