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21 Prozent weniger Aufträge für Siemens

23.01.2003
Mit seinen Zahlen zum ersten Quartal sieht Siemens die eigene Prognose vom Dezember bestätigt: ein marktbedingt rückläufiges Volumen, aber Ergebnisverbesserungen im operativen Geschäft

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Siemens AG hat heute früh Zahlen zum Ende Dezember 2002 abgeschlossenen ersten Quartal ihres laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Umsatz, Gewinn und Auftragsrückgang gingen allesamt zurück, der Gewinnschwund fiel allerdings geringer aus als von Analysten erwartet. Der im Dezember veröffentlichte Ausblick - "gedämpfter Optimismus" für 2003 - bleibt jedoch bestehen.

Für das abgeschlossene Vierteljahr weist Siemens einen Gewinn nach Steuern von 521 Millionen Euro oder 59 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu 538 Millionen Euro oder 61 Cent im Vorjahresquartal. Das aktuelle Ergebnis enhält eine Belastung von 17 Millionen Euro aus der Beteiligung an Infineon; im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern hier noch einen positiven Effekt von 157 Millionen Euro verbuchen können.

Das operative EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) steigerte Siemens von 487 Millionen Euro im Vorjahr auf 604 Millionen Euro. Davon stammen 125 Millionen Euro aus Projektstornos der Sparte Power Generation. Außerdem gingen die Aufwendungen für Restrukturierung und Sonderabschreibungen gegenüber dem Vorjahresquartal von 147 auzf 115 Millionen Euro zurück. Allerding musste Siemens für seine in- und ausländischen Pensionspläne mit 198 Millionen Euro deutlich mehr ausgeben als vor Jahresfrist (63 Millionen Euro).

Der Umsatz des Münchner Unternehmens ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 18,85 Milliarden Euro zurück, der Auftragseingang fiel um 21 Prozent auf 20,15 Milliarden Euro. Gegenüber dem vorhergehenden vierten Quartal sank der Umsatz um neun Prozent, der Auftragseingang legte dagegen um sechs Prozent zu. Rechnet man Währungs- und Konsolidierungseffekte aus den aktuellen Zahlen heraus, beträgt der Rückgang bei Einnahmen und Orders ein und dreizehn Prozent. Den Mittelabfluss aus der laufenden Geschäfts- und Investitionstätigkeit gibt Siemens mit 1,14 Milliarden Euro an, unter anderem aufgrund einer Aufstockung der Pensionspläne in Deutschland und Großbritannien um 442 Millionen Euro.

ICN bleibt Schwachstelle

Vor allem die Sparte Information and Communication Networks (ICN) kämpfe weiter mit dem "drastischen Investitionsrückgang" im Bereich TK-Infrastruktur, erklärte Siemens. Die Sparte weist aktuell einen Verlust von 151 Millionen Euro aus, darin enthalten 49 Millionen Dollar Sonderbelastungen. Ein Jahr zuvor meldete ICN einen Fehlbetrag vin 124 Millionen Euro (inklusive Sonderaufwendungen in Höhe von 76 Millionen Euro). Zumindest der Unterbereich Enteprise Network schrieb im abgeschlossenen Quartal schwarze Zahlen. Insgesamt ging der Umsatz bei ICN um 29 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zurück. Rund zehn Prozentpunkte gehen dabei auf das Konto von Währungseffekten sowie der Dekonsolidierung von Unisphere Networks und Network Systems. Der Auftragseingang von ICN sank um 26 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Der Bereich erwartet weitere Restrukturierungsaufwendungen.

Wie von Konzernchef Heinrich von Pierer am vergangenen Wochenende bereits angedeutet steht Information and Communication Mobile (ICM) deutlich besser da. Der Mobilfunkbereich steigerte sein EBIT im Jahresvergleich von 37 - seinerzeit belastet durch 49 Millionen Sonderaufwendungen für Restrukturierung bei Mobile Networks - auf 59 Millionen Euro. Mit Handys setzte ICM 1,31 Milliarden Euro um, was unterm Strich 52 Millionen Euro zum Bereichsergebnis beisteurte (Vorjahresquartal: 20 Millionen Euro). Im Weihnachtsgeschäft verkaufte ICM elf Millionen Mobiltelefone, auch bei Schnurlostelefonen lief das Geschäft gut. Die Netzsparte musste allerdings bei Umsatz und Auftragseingang Federn lassen und rutschte mit einem EBIT-Verlust von 25 Millionen Euro in die roten Zahlen. Vor Jahresfrist hatte der Bereich noch acht Millionen Euro operativen Gewinn gemacht.

Die IT-Dienstleistungssparte Siemens Business Systems (SBS) meldet ein operatives Ergebnis von zwölf Millionen Euro im Vergleich zu 32 Millionen Euro im Berichtszeitraum des Vorjahres. Der Bereichsumsatz sei "in einem schwierigen Marktumfeld" insbesondere im Kernmarkt Deutschland um 14 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro gesunken, so Siemens. Der Rückgang um 27 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro beim Auftragsrückgang macht hier wenig Hoffnung auf Besserung.

Verhaltener Ausblick

Trotz der "angespannten konjunkturellen Rahmenbedingungen" hält Siemens an seinem verhaltenen Optimismus für das laufende Geschäftsjahr fest. Auf der Hauptversammlung in München erklärte von Pierer, die Zahlen für das erste Quartal bestätigten den im vergangenen Dezember festgestellten Trend: ein marktbedingt rückläufiges Volumen, aber Ergebnisverbesserungen im operativen Geschäft. Angesichts der "erheblichen Währungseffekte und der zahlreichen Fragezeichen im Umfeld" gebe es keinen Anlass, die ursprüngliche Prognose zu revidieren. (tc)