12 Zoll mit Retina-Display

12 Zoll Macbook, Core m3 von 2017 im Test

29.07.2017
Von Martin André
Auch Apples kleinster aktueller Mobil-Mac bekommt eine neue Intel-CPU. Erstmals teilt Apple die Serie auf in Modelle mit Core-m3- und i5-Prozessoren. Wir fühlen dem Einstiegsmodell auf den Zahn.
MacBook 2017
MacBook 2017
Foto: Apple

Optisch hat Apple am Macbook nichts verändert. Nach wie vor stellt das 12-Zoll-Macbook den kleinsten mobilen Mac in Apples Programm dar. Man bekommt es in vier verschiedenen Farben, Gold, Space-Grau, Silber und Roségold. Mit weniger als einem Kilogramm Gewicht kommt das Macbook schon fast in den Bereich der Tablet-Computer, doch im Gegensatz zu denen gibt es hier eine echte Tastatur und genau die hat Apple gegenüber dem Vormodell überarbeitet. Es kommt nun der Butterfly-Mechanismus der zweiten Generation zu Einsatz, genau wie bei den aktuellen Macbook-Pro-Modellen. Die Tasten sollen einen etwas größeren Tastenhub liefern und tatsächlich, den Unterschied spürt man sofort bei der ersten Begegnung. Zwar gibt es nach wie vor keinen echten mechanischen Druckpunkt, aber das haptische Feedback, das die Tasten liefern ist wirklich gut, besser als vorher, auch wenn der Tastenhub immer noch vergleichsweise gering ist. Vielschreiber werden sich sicher schnell an die Tasten gewöhnen. Besser als die virtuellen Tasten eines Tablet-Computers sind sie allemal.

Abgesehen von der neuen Tastatur finden sich sämtliche weiteren Innovationen unter der Haube. Apple verbaut nun Intel-Prozessoren der siebten Generation, die auf den Codenamen "Kaby Lake" hören. Interessant ist, dass Apple nur noch im Einstiegsmodell einen Chip mit der offiziellen Bezeichnung "Core m" einsetzt. Ansonsten bekommt man Notebook-Prozessoren der Core-i-Serie. Da das Macbook ohne Lüfter auskommt, sollen auch die Core-i-Modelle unter 5 Watt verbrauchen. Der Prozessor unseres Testgerätes hört auf den Namen Core m3 7Y32. Laut den offiziellen Spezifikationen von Intel wird der Chip mit einer Basistaktfrequenz von 1,1 GHz betrieben, Apple übertaktet ihn also bereits ab Werk auf 1,2 GHz. Per Turboboost kann die Taktfrequenz auf bis zu 3 GHz automatisch hochgefahren werden. Der Chip ist mit zwei physikalischen Kernen ausgerüstet, er arbeitet aber mit Hyper-Threading , macOS erkennt also vier logische Kerne.

Nach wie vor benutzt das Macbook den im Hauptprozessor integrierten Grafikchip, den Intel in der Kaby-Lake-Architektur weiter optimiert hat. Er hört auf die Bezeichnung Intel HD Graphics 615.

Normale magnetische Festplatten baut Apple schon lange nicht mehr in seine mobilen Macs ein und so gibt auch das aktuelle Macbook ausschließlich mit schnellem SSD-Speicher. Die Anbindung sowie die SSD-Chips selbst hat Apple verbessert, Speicherzugriffe sollen deutlich schneller erfolgen, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben.

CPU-Leistung

In unseren Benchmarks zeigt sich, dass der Kaby-Lake-Chip tatsächlich mehr Leistung abliefert. Im Vergleich zum ersten Macbook-Modell von 2015 zieht die aktuelle Version in nahezu allen Tests deutlich davon. Beim synthetischen Benchmark Geekbench 4 und dem etwas mehr praxisorientieren Cinebench-R15-Test messen wir 30 bis 40 Prozent mehr Rechenleistung. Der auf OpenCL spezialisierte Test "Gaston" liefert nicht ganz so deutlich bessere Ergebnisse, er stützt sich vor allem auf die GPU als Recheneinheit. Auch bei den Praxistests in iTunes, iMovie, Garageband und Fotos kann man gut 20 Prozent mehr Geschwindigkeit ablesen. Aus dem Rahmen fällt unser Rendertest mit Final Cut Pro X. Hier ist das neue Macbook sogar langsamer als das Modell von 2015. Dies kann aber auch an Final Cut Pro X selber liegen, denn seit 2015 wurde die Videoschnittsoftware mehrmals überarbeitet. Die Qualität der Videoberechnungen hat Apple offensichtlich gesteigert, um den Preis höherer Systemanforderungen. Final Cut Pro X ist aber auf dem Macbook grundsätzlich nicht wirklich zu empfehlen. Die Profisoftware verlangt nach deutlich mehr CPU und Grafikleistung sowie besserer Speicherausstattung. Ein Macbook Pro mit 16 GB RAM dürfte hier inzwischen die Mindestausstattung abgeben.

Mit über 6400 Punkte im Multicore-Test liegt das aktuelle Macbook 2000 Punkte vor dem ursprünglichen Modell von 2015. Hier kann man die Entwicklung, die die Intel-CPU in den vergangenen zwei Jahren genommen hat, sehr gut ablesen.
Mit über 6400 Punkte im Multicore-Test liegt das aktuelle Macbook 2000 Punkte vor dem ursprünglichen Modell von 2015. Hier kann man die Entwicklung, die die Intel-CPU in den vergangenen zwei Jahren genommen hat, sehr gut ablesen.

Grafikleistung

Eine ausgesprochene Spielemaschine war das Macbook nie und sollte es auch nicht sein. Zwar kann man das ein oder andere ältere Spiel durchaus mal zocken, doch aktuelle Titel sind eine Qual. Entweder es ruckelt mit Bildraten von unter 12 fps vor sich hin (Batman Arkham City, Elite Dangerous) oder man muss die Qualitätseinstellungen soweit runterschrauben, dass die Spiele nicht mehr schön anzusehen sind. Daran ändert der etwas schnellere Grafikkern im Kaby-Lake-Prozessor auch nichts. Spieler sollten hier auf die Macbook-Pro-Modelle zurückgreifen.

Schnellere SSD

Beim Zugriff auf den Massenspeicher hat sich deutlich mehr getan. Wir messen mit Disk Speed von Blackmagicdesign erstmals Datentraten jenseits von 1 GB pro Sekunde. In der Praxis macht sich das allerdings kaum bemerkbar. Die Bootzeit liegt mit 22 Sekunden sogar etwas über der des 2015er Macbook, allerdings lief dieses vor zwei Jahren auch noch mit einer älteren macOS-Version (10.10 Yosemite). Dennoch: Programme mit intensivem Zugriff auf den Massenspeicher sollten vom schnelleren SSD-Speicher des aktuellen Macbook deutlich profitieren.

Der praxisnahe Test von Disk Speed bescheinigt der SSD einen Datenrate von über einem Gigabyte pro Sekunde beim Lesen und Schreiben. Das sind in dieser Notebook-Klasse rekordverdächtige Werte!
Der praxisnahe Test von Disk Speed bescheinigt der SSD einen Datenrate von über einem Gigabyte pro Sekunde beim Lesen und Schreiben. Das sind in dieser Notebook-Klasse rekordverdächtige Werte!

Displays

Am Display hat Apple nichts verändert. Das 12-Zoll-Retina-Display löst 2304 mal 1440 Pixel auf. Das IPS-Panel liefert auch bei sehr spitzen Blickwinkeln noch eine überzeugende Farbdarstellung. Im Vergleich zu den Macbook-Pro-Modellen ist der Farbumfang des Macbook-Displays aber deutlich kleiner. Der P3-Farbraum wird hier nicht erreicht. Wer farbkritische Anwendungen laufen lassen will, sollte besser auf ein Macbook Pro aufsteigen. Abgesehen vom Farbumfang ist das Macbook-Display jedoch ein Genuss. Wir messen eine maximale Helligkeit von über 370 cd/qm. Das reicht in den meisten Lebenslagen aus, selbst unter freiem Himmel kann man das Display noch gut ablesen.

Im Vergleich zum Macbook Pro (transparenter Körper repräsentiert das 2017er 15-Zoll-Modell) liefert das Macbook (farbiger Körper) einen deutlich kleineren Farbraum. Den P3-Standard erreicht das 12-Zoll-Display nicht.
Im Vergleich zum Macbook Pro (transparenter Körper repräsentiert das 2017er 15-Zoll-Modell) liefert das Macbook (farbiger Körper) einen deutlich kleineren Farbraum. Den P3-Standard erreicht das 12-Zoll-Display nicht.

Akkulaufzeit

Apple verspricht eine Laufzeit von 10 Stunden mit einer vollen Akkuladung. Unser Surftest im WLAN, bei dem wir ununterbrochen bestimmte Webseiten in Safari neu laden, erreicht mit 10 Stunden und 35 Minuten fast eine Punktlandung. Auf 7 Stunden und 21 Minuten kommt das Macbook immerhin noch beim Worst-Case-Test mit voll aufgedrehter Display-Helligkeit und Abspielen von MP4-Videos. Das reicht in der Regel für einen Langstreckenflug aus. In puncto Akkulaufzeit gab es bei den Macbook-Modellen aber noch nie Grund zur Beanstandung. Dieses Thema hat Apple gut im Griff.

Fazit

Das kleine Macbook wird langsam erwachsen, Schritt für Schritt. Wer noch das 2015er-Modell sein eigen nennt, sollte durchaus überlegen, auf die aktuelle Version aufzusteigen. Die Leistungssteigerungen machen sich in der täglichen Arbeit bemerkbar, vor allem in der "gefühlten" Geschwindigkeit. Für Profis oder Spielernaturen ist das Macbook aber nach wie vor keine Alternative, die sollten besser gleich zu einem der Macbook-Pro-Modelle greifen. (Macwelt)