Stellensuche in sozialen Netzen

11 Tipps für Xing und Linkedin

12.03.2019
Von 
Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Berufliche soziale Netze fressen sinnlos Zeit, oder sie führen, mit etwas Glück, zum Wunschjob. Je nachdem, wie man sie benutzt.
Finden und gefunden werden: Xing hilft dabei.
Finden und gefunden werden: Xing hilft dabei.
Foto: Piotr Swat - shutterstock.com

Xing hat im deutschsprachigen Raum nach eigenen Angaben zehn Millionen Mitglieder, LinkedIn verweist sogar auf elf Millionen. Wenn man hier oder dort nur jeden Zehntausendsten erreicht, hat man 1.000 Menschen über seine beruflichen Fähigkeiten informiert. Das ist konkurrenzlos. Offensichtlich ist aber auch die Gefahr, sich zu verzetteln.

Grundsätzlich gibt es drei Arten, auf LinkedIn und Xing nach einer neuen beruflichen Position zu suchen. Man kann auf Stellenanzeigen antworten, die Personalabteilungen aus Unternehmen und wohl auch Headhunter dort schalten. Man kann Kontakte knüpfen, pflegen und ausbauen und darauf warten, dass man irgendwann auf jemanden stößt, der das hat, was man sucht. Und man kann das digitale Selbst-Marketing so gestalten, dass man hoffen kann, von den passenden Unternehmens-Recruitern und Personalberatern gefunden zu werden. Ein paar Tipps aus der Praxis helfen dabei.

1. Ehrlich sein: Bei Spaziergängen in Xing und LinkedIn stößt man schnell auf Bekannte, die mit Lücken oder Fehlschlägen in ihrem beruflichen Lebenslauf kreativ umgehen. Beispielsweise wollen sie den Eindruck erwecken, ihre jüngste Festanstellung dauere noch an. In einem Netzwerk, das auf immer besseres Kennenlernen angelegt ist, fällt das auf.

2. Lesbar schreiben: Die Liste der bisherigen beruflichen Stationen, die Xing- und LinkedIn-Mitglieder in ihren Profilen anlegen, sieht immer gleich aus. Individueller hervortun kann man sich mit zusätzlichen, frei formulierten Selbstporträts. Manche Mitglieder verzichten darauf oder beschränken sich auf wenige Stichworte. Wer Leser mit 1.000 oder 2.000 Zeichen bei der Stange hält, hat einen Vorteil. Dazu muss der Text konkret berufsbezogen, spürbar aufrichtig und gut geschrieben sein. Eine Erstfassung sollte man überschlafen und sich fragen: Würde ich das zu Ende lesen, wenn es jemand anders geschrieben hätte? Würde ich es glauben?

3. Personalberater und Recruiter locken: Wer auf LinkedIn oder Xing von Leuten gefunden werden möchte, die eine Stelle besetzen wollen, sollte ihnen in seinem Profil die Informationen geben, die sie sich wünschen: bisherige Aufgaben und Verantwortungsschwerpunkte; Fachkenntnisse, Schlüsselqualifikationen und Erfolge; bisherige Führungsspanne, also die Zahl der geführten Mitarbeiter; Umsatz und Gesamtmitarbeiterzahl zumindest des aktuellen beziehungsweise letzten Arbeitgebers.

4. Nicht übertreiben: Als "Experten" sollte man sich selbst nicht anpreisen, rät Holger Ahrens, dessen Unternehmen "Die Profiloptimierer" einzelnen Xing- und LinkedIn-Mitgliedern bei ihrem digitalen Selbst-Marketing ebenso hilft wie Unternehmen beim Employee Branding: "Diese Bewertung muss von anderen kommen." Selbst sollte man nur gute Bewertungen vergeben, an die man glaubt. Lobkartelle auf Gegenseitigkeit werden durchschaut.

Das Linkedin-Profil sollte immer aktuell sein.
Das Linkedin-Profil sollte immer aktuell sein.
Foto: Twin Design - shutterstock.com

5. Profil pflegen: Wer Neuigkeiten aus dem eigenen Berufsleben schnell in sein Profil einarbeitet, erweckt Aufmerksamkeit, gerade weil viele Mitglieder es nicht tun. Personalberater empfehlen ein professionelles Foto. Manche raten zu englischen Texten, das wird aber wenig praktiziert.

6. Kontakte pflegen: Um eine neue Stelle zu finden, muss man für verlässlich gehalten werden, darf also einmal geknüpfte Kontakte nicht ohne Grund einschlafen lassen. Das geht aber nur mit Einschränkung. Kontaktanfragen abzulehnen oder zu ignorieren ist in Ordnung.

7. Zeit aufwenden und begrenzen: "Als Faustregel empfiehlt es sich, einmal pro Woche ein Lebenszeichen zu geben", sagt Holger Ahrens. Wer an seinem Profil nichts zu ändern hat, hat viele andere Möglichkeiten, zu zeigen, dass er noch da ist. Xing und LinkedIn laden auf Schritt und Tritt ein, etwas zu schreiben oder zu kommentieren. Das kann auch zum Problem werden: Wie alle sozialen Medien sind diese Plattformen darauf ausgelegt, die Mitglieder rund um die Uhr online zu halten. Wer hier zum Übertreiben neigt, kann sich ein Zeitbudget setzen.

8. Erst mal knausern: Die kostenpflichtigen Premium-Funktionen beider Plattformen erlauben eine genauere Suche nach freien Stellen, können also ihr Geld wert sein. Trotzdem kann man es erst einmal ohne probieren.

9. Verlinken oder auswählen? Wer sein LinkedIn- mit seinem Xing-Profil und womöglich noch mit seiner Website verlinkt, landet in den Google-Trefferlisten weiter oben. Wer nur eine Mitgliedschaft will, muss sich entscheiden. LinkedIn war von vornherein internationaler ausgerichtet. Xing versteckt die Löschfunktion nicht, wurde noch nie wegen Hackens verklagt, macht mit internem Datenschutz mehr Arbeit und weist mit seinen Regionalgruppen Wege in die analoge Welt.

10. Alternativen: Wer mit Xing und LinkedIn unzufrieden ist, kann sein Netzwerk zum Beispiel auch auf Meetup, Absolvent oder Vutuv pflegen. In der Regel sind solche kleineren Plattformen stärker spezialisiert.

11. Raus ins Analoge: "Digitales wird Analoges nie ersetzen", sagt Holger Ahrens. "Es ist eine Ergänzung." LinkedIn und Xing sind Anbahnungs­mittel für Kontakte im wirklichen Leben.