System-Tools

11 kleine Windows-Tricks mit großer Wirkung

14.12.2019
Von Thorsten Eggeling
Windows bietet zahlreiche Einstellungen, über die sich das System für jeden Anwender perfekt anpassen lässt. Nicht alle Optionen sind leicht zu finden, und manchmal ist deren Nutzen auch nicht sofort ersichtlich.

Windows zeigt sich direkt nach der Installation mit den Vorgaben und Einstellungen, die Microsoft für die meisten Nutzer als sinnvoll erachtet. Dadurch liegen jedoch etliche Funktionen des Betriebssystems brach, weil Microsoft die zugehörigen Optionen gut versteckt oder deaktiviert hat. Das geschieht in dem durchaus guten Willen, für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen und unerfahrene Benutzer von bestimmten Einstellungen fernzuhalten.

Wer sich intensiver mit Windows beschäftigt, empfindet die Einschränkungen eher als lästig und ändert als Erstes beispielsweise einige Einstellungen im Windows-Explorer, um wirklich alle relevanten Ordner und Dateien zu sehen. Weitere Optimierungen betreffen in der Regel das Windows-Startmenü und den Schnellzugriff auf häufig genutzte Programme.

Einige Windows-Einstellungen sind zwar für jeden nützlich, entfalten ihre Wirkung jedoch nur bei einer bestimmten Hardware-Ausstattung. Weitere interne Festplatten im PC sowie mehrere USB-Sticks und externe Festplatten etwa mit umfangreichen Audiound Videobeständen sind keine Seltenheit. Mit einer optimierten Konfiguration lassen sich weitere Laufwerke besser einbinden und schneller durchsuchen.

Der Artikel bezieht sich auf das zurzeit aktuelle Windows 10 in der Version 1903. Die Tipps funktionieren teilweise auch mit älteren Windows-Versionen, die Bezeichnungen können jedoch abweichen.

1. Ausgeblendete Elemente sichtbar machen

Der Windows-Explorer ist als Dateimanager eins der wichtigsten vorinstallierten Tools. Dateien kopieren, verschieben, umbenennen sowie Ordner erstellen gehören zu den Standardaufgaben für jeden PC-Benutzer. Man muss allerdings wissen, dass der Windows-Explorer nicht die tatsächlichen Verhältnisse auf der Festplatte darstellt. Standardmäßig sind bestimmte Elemente verborgen, vor allem um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Für viele Anwender ist das so in Ordnung, wenn es nur um den Umgang mit persönlichen Dateien geht. Wer jedoch Zugriff auf bestimmte Systemordner oder Dateien benötigt, bekommt diese erst einmal nicht zu Gesicht.

Das lässt sich schnell ändern, in dem Sie im Windows-Explorer beispielsweise das Laufwerk "C:" öffnen, dann im Menüband auf das Register "Ansicht" klicken und ein Häkchen vor "Ausgeblendete Elemente" setzen. Sollte das Fenster des Windows-Explorers zu schmal aufgezogen sein, sehen Sie die Schaltfläche "Ein-/Ausblenden" und erst nach einem Klick darauf die Option "Ausgeblendete Elemente".

Sie sehen jetzt die zuvor ausgeblendeten Ordner, beispielsweise "ProgrammData", in dem viele Anwendungen die systemweite Konfiguration speichern. In Ihrem Profilverzeichnis unter "C:\Benutzer\Benutzername" taucht jetzt der Ordner "AppData" auf. Darin liegen die Konfigurationsdateien des Benutzers.

Aber auch jetzt zeigt der Windows-Explorer noch nicht alles an. Das passiert erst, wenn Sie im Menüband auf "Ansicht" und dann auf "Optionen -› Ordner- und Suchoptionen ändern" und die Registerkarte "Ansicht" gehen und das Häkchen vor "Geschützte Systemdateien ausblenden (empfohlen)" entfernen. Auf Laufwerk "C:" erscheinen jetzt auch Dateien wie "pagefile.sys" (Auslagerungsdatei) und "swapfile.sys" (Auslagerungsdatei für Apps) sowie Ordner wie "$Recycle.Bin" (Papierkob).

Übrigens: Der Windows-Explorer zeigt für Ordnernamen teilweise die deutschsprachigen Übersetzungen an. "C:\Benutzer" heißt eigentlich "C:\Users" und die Bezeichnung von "C:\Programme" lautet auf der Festplatte "C:\Program Files". Den tatsächlichen Namen sehen Sie, wenn Sie einen dieser Ordner öffnen und dann in die Adressleiste des Windows-Explorers klicken. Für die Arbeit im Windows-Explorer sind die Bezeichnungen in der Regel nicht relevant, wohl aber in der Eingabeaufforderung.

2. Erweiterungen bei allen Dateien anzeigen

Potenzielles Risiko: Wer nicht genau hinsieht, kann bei ausgeblendeten Dateinamenserweiterungen eine ausführbare BAT-Datei für eine harmlose Textdatei halten.
Potenzielles Risiko: Wer nicht genau hinsieht, kann bei ausgeblendeten Dateinamenserweiterungen eine ausführbare BAT-Datei für eine harmlose Textdatei halten.

Dateinamen bestehen unter Windows in der Regel aus dem Dateinamen, einem Punkt und der Dateinamenserweiterung. An der Erweiterung erkennt Windows, um welchen Dateityp es sich handelt und mit welcher Anwendung eine Datei per Doppelklick geöffnet wird.

Der Windows-Explorer zeigt die Dateinamenserweiterungen standardmäßig nicht an, dafür aber in der Ansicht "Details" eine Beschreibung in der Spalte "Typ". Bei ausführbaren Dateien (".exe") erscheint hier "Anwendung", bei Textdateien (".txt") lesen Sie "Textdokument". Auch das soll wohl der Übersichtlichkeit dienen, allerdings lassen sich Dateien so schwerer identifizieren, wenn man nicht genau hinsieht. Es sorgt für mehr Klarheit, wenn Sie im Windows-Explorer auf das Register "Ansicht" gehen und ein Häkchen vor "Dateinamenserweiterungen" setzen.

Das hat nebenbei auch den Effekt, dass sich Dateinamenserweiterungen unkompliziert vergeben lassen. Wenn Sie beispielsweise eine Textdatei erstellen und speichern, erhält diese die Endung ".txt". Soll aus der Text- eine Batchdatei mit der Endung ".bat" oder ".cmd" werden, können Sie die Dateinamenserweiterung im Windows-Explorer jetzt einfach ändern, indem Sie die Datei umbenennen. Sind die Dateinamenserweiterungen im Windows-Explorer ausgeblendet, ist das nicht möglich. Wenn Sie ein ".bat" anhängen, lautet die Bezeichnung "Dateiname.bat.txt", wodurch der Editor für die Datei zuständig bleibt und daraus keine Windows-Batchdatei wird.

Die ausgeblendeten Dateinamenserweiterungen stellen außerdem ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar. "Dateiname.txt.bat" beispielsweise zeigt der Windows-Explorer standardmäßig als "Dateiname.txt" an. In der Spalte "Typ" steht dann zwar "Windows- Batchdatei", was man aber nur in der nicht standardmäßigen Ansicht "Details" sieht. Wem die unterschiedlichen Icons für Text- und Batchdateien nicht auffallen, der startet dann möglicherweise eine gefährliche Batchdatei, statt eine Textdatei in Notepad zu öffnen.

Alternatives Startmenü verwenden

Wer auf interaktive Kacheln verzichten kann und ein Startmenü im Windows- 7-Stil bevorzugt, sollte sich Open Shell ansehen, dem Nachfolger von Classic Shell. Das Tool ersetzt das Startmenü von Windows 10 komplett und zeigt die bislang von Windows 7 gewohnten Menüeinträge und Schaltflächen an.

Nach der Installation erscheint nach einem Klick auf die Schaltfläche „Start“ ein Konfigurationsdialog. Hier legen Sie fest, wie das neue Startmenü aussehen soll. Setzen Sie ein Häkchen vor „Show all settings“ und gehen Sie auf die Registerkarte „Language“. Klicken Sie auf „de_DE Deutsch (Deutschland)“ und dann auf „OK“, um die deutschsprachige Oberfläche zu aktivieren. Bestätigen Sie mit „OK“. Klicken Sie die Schaltfläche „Start“ mit der rechten Maustaste an und gehen Sie auf „Exit“. Danach gehen Sie im Explorer auf „C:\Programme\Open-Shell“ und starten das Programm „StartMenu“ („StartMenu.exe“) per Doppelklick.

Das Original-Windows-Startmenü lässt sich auch weiterhin aufrufen. Dazu halten Sie die Shift-Taste gedrückt und klicken auf die Schaltfläche „Start“.

3. Laufwerksbuchstaben neu vergeben und stabil halten

Laufwerksbuchstaben selbst festlegen: Bei USB-Laufwerken sollten Sie einen Buchstaben am Ende des Alphabets wählen, damit sich die Zuordnung sicher nicht ändert.
Laufwerksbuchstaben selbst festlegen: Bei USB-Laufwerken sollten Sie einen Buchstaben am Ende des Alphabets wählen, damit sich die Zuordnung sicher nicht ändert.

In der Regel ist die Systemfestplatte über den Laufwerksbuchstaben "C:" ansprechbar, danach folgt - wenn vorhanden - eine Datenpartition ("D:") und das CD/DVDLaufwerk ("E:"). Wenn Sie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte anschließen, weist Windows dem Laufwerk den nächsten freien Laufwerksbuchstaben zu, bei unserem Beispiel "F:". Wenn Sie den USB-Stick abziehen und einen anderen Stick mit dem PC verbinden, erhält auch dieser den nächsten freien Buchstaben, also "F:". Sind jedoch beide Sticks verbunden, lässt sich der erste über "F:" ansprechen, der zweite erhält mit "G:" den nächsten freien Laufwerksbuchstaben.

Windows merkt sich in diesem Fall die Zuordnung der Laufwerksbuchstaben. Der zweite USB-Stick bekommt jetzt immer den Laufwerksbuchstaben "G:" auch wenn "F:" gerade nicht belegt ist. Es ist daher ungewiss, welchen Laufwerksbuchstaben Windows jeweils vergibt.

Wer sich mehr Kontrolle über die Laufwerksbuchstaben wünscht, vergibt diese manuell. Dazu drücken Sie die Tastenkombination Win-R, tippen diskmgmt.msc ein und bestätigen mit "OK". Sie öffnen damit die Datenträgerverwaltung. Klicken Sie das gewünschte Laufwerk im oberen oder unteren Teil des Fensters mit der rechten Maustaste an, und wählen Sie im Kontextmenü "Laufwerksbuchstaben und -pfade ändern". Klicken Sie auf "Ändern" und wählen Sie den neuen Laufwerksbuchstaben. Verwenden Sie beispielsweise "X", "Y" oder "Z". Diese Zuweisung sollte sich in Zukunft nicht mehr ändern, da Windows bei neuen Geräten zuerst die vorderen Buchstaben des Alphabets vergibt. Klicken Sie auf "OK".

Sie erhalten einen Warnhinweis über Probleme, die Programme mit dem geänderten Laufwerksbuchstaben haben könnten. Das gilt jedoch nur, wenn Anwendungen auf dem USB-Laufwerk installiert sind und Pfade in der Registry oder in Konfigurationsdateien auf den bisherigen Laufwerksbuchstaben verweisen. In diesem Fall sollten Sie auf "Nein" klicken und den Laufwerksbuchstaben nicht ändern. Enthält das USB-Laufwerk nur Daten, spielt der Buchstabe keine Rolle.

4. Laufwerke in beliebigen Ordnern bereitstellen

Wer ganz ohne oder mit weniger zusätzlichen Laufwerksbuchstaben auskommen möchte, kann Laufwerke auch in einem Pfad bereitstellen. Ob das sinnvoll ist oder nicht, hängt von den eigenen Vorlieben und der persönlichen Arbeitsweise ab. Um beispielsweise ein externes oder internes Laufwerk mit einer Musiksammlung einzubinden, gehen Sie so vor:

Schritt 1: Erstellen Sie den Ordner "C:\Benutzer\ Benutzername\Musik\MP3-Stick". Für "Benutzername" setzen Sie die Bezeichnung Ihres Windows-Kontos ein.

Schritt 2: Verbinden Sie den USB-Stick mit dem PC und öffnen Sie die Datenträgerverwaltung (Win-R, diskmgmt.msc). Gehen Sie vor wie in Punkt 3 beschrieben, klicken Sie aber auf "Entfernen", um den Laufwerksbuchstaben zu löschen.

Schritt 3: Gehen Sie erneut auf "Laufwerksbuchstaben und -pfade ändern", klicken Sie auf "Hinzufügen", und wählen Sie "In folgendem NTFS-Ordner bereitstellen". Über "Durchsuchen" wählen Sie den in Schritt 1 erstellten Ordner aus. Im Dialog "Nach Laufwerkspfad suchen" sind die Pfade übrigens nicht deutschsprachig lokalisiert, sodass Sie den Ordner unter "C:\Users\Benutzername\Music\MP3-Stick" finden. Klicken Sie auf "OK", um die Änderung zu speichern. Der Inhalt des USB-Laufwerks ist von nun an unter dem gewählten Pfad zu finden. Wenn Sie das Laufwerk trennen und erneut anschließen, bindet Windows es automatisch wieder dort ein.