Doppelt so viele Downloads wie bei iOS

10 Jahre Google Play Store

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Ende Oktober 2008 war es soweit: Drei Monate nach den Apple-Usern bekamen auch die Android-Benutzer mit dem Android Market ihren eigenen Marktplatz für Apps.
Mit dem Android Market startet 208 Google seinen Marktplatz für Android.
Mit dem Android Market startet 208 Google seinen Marktplatz für Android.
Foto: Creative Caliph - shutterstock.com

Über 70 Milliarden Downloads, über 22 Milliarden Dollar Umsatz - was heute mit dem Google Play Store ein Milliarden-Business ist, begann vor 10 Jahren ganz unspektakulär. Nachdem Google im August 2008 mit Android Market - so der ursprüngliche Name des heutigen Play Store - einen eigenen Marktplatz für Smartphone-Apps angekündigt hatte, stand die Plattform gegen Ende Oktober 2008 endlich zur Verfügung. Gegenüber dem damaligen Noch-Smartphone-Platzhirsch Apple mit iOS hatte man lediglich eine Verspätung von drei Monaten.

Start als Android Market

Wenn die Deutschen Geld für Apps ausgeben, dann für Dating-Apps wie Tinder oder Lovoo.
Wenn die Deutschen Geld für Apps ausgeben, dann für Dating-Apps wie Tinder oder Lovoo.
Foto: App Annie

Verspätung hatte zumindest hierzulande im Vergleich zu den USA und Großbritannien auch die Bezahlfunktion innerhalb der Plattform. Ein Manko, das anfangs hierzulande gerade auf Entwicklerseite die Begeisterung für den Android Market bremste. Denn eigentlich sollte die Plattform ein App Store für die Verbreitung von Android-Spielen und -Programmen sein, die von Dritten stammen. Dabei sollten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Programme angeboten werden.

Verwöhnt durch das anfangs grundsätzlich kostenlose Angebot in Deutschland - der deutsche Play Store ermöglichte Bezahlfunktionen erst ab April 2009 - etablierte sich eine Art Gratiskultur im Android-Lager. Während Apple-Nutzer von Beginn an gewohnt waren, für Content und Apps zu bezahlen, galt es bei Android als hip, nur Kostenloses zu nutzen. Spötter witzelten denn auch über Android als Betriebssystem des armen Mannes.

Nur ein Payment-System

Obwohl Spiele nur 41 Prozent der Downloads ausmachen, bringen sie 88 Prozent des Umsatzes.
Obwohl Spiele nur 41 Prozent der Downloads ausmachen, bringen sie 88 Prozent des Umsatzes.
Foto: App Annie

Erschwerend kam hinzu, dass Google auf seinem Marktplatz anfangs nur das hauseigene System Google Wallet akzeptierte. Andere Optionen wie etwa Paypal oder das Bezahlen per Mobilfunkrechnung sowie Guthaben-/Geschenkkarten kamen erst später dazu.

All dies trug dazu bei, dass der Google Play Store, sprich Android Market, bis zum Beginn der Dekade mit Monatsumsätzen um die fünf Millionen Dollar nicht gerade eine kommerzielle Erfolgsgeschichte war. Zum Gamechanger wurde der Market, als er 2012 in Google Play Store umbenannt wurde und eine kräftige Content-Spritze bekam. Zwischen 2011 und 2013 wurden mit Google Play Musik, Play Bücher, Play Filme, Play Kiosk sowie Play Spiele neue Content-Kategorien eingeführt, die sowohl mit kostenlosen als auch bezahlten Inhalten aufwarteten.

Auf dem Weg zum Milliarden-Business

Bezahlen für Apps? Für die Japaner scheint dies ganz natürlich zu seine, während sich die Deutschen eher in Zurückhaltung üben.
Bezahlen für Apps? Für die Japaner scheint dies ganz natürlich zu seine, während sich die Deutschen eher in Zurückhaltung üben.
Foto: App Annie

Eine Entscheidung, die sich in den folgenden Jahren auszahlte. Der Google Play Store entwickelte sich zu einem Milliarden-Geschäft mit zuletzt (2017) über 22 Milliarden Dollar Jahresumsatz - obwohl Google Play in China nicht verfügbar ist. Besonders konsumfreudig zeigten sich die japanischen Benutzer, so die App-Datenplattform App Annie: Diese gaben seit der Umbenennung in Play Store seit Mitte 2012 etwas über 25 Milliarden Dollar auf der Plattform aus. Deutlich geringer waren die Umsätze in Deutschland mit 3,1 Milliarden Dollar. Cash-Cow im Play-Universum sind dabei Spiele. Auf sie entfallen 88 Prozent der Ausgaben.

Betrachtet man die Ausgaben für Apps, so stehen bei den deutschen Nutzern die Dating-Apps Tinder und Lovoo auf Platz 1 und 2 nach Nutzerausgaben. Bei den Downloads stehen bei den Deutschen WhatsApp, Facebook. Skype und Instagram an der Spitze. Allerdings stellt App Annie seit zwei Jahren eine Verschiebung des Nutzerverhaltens fest. Mit dem Aufbau der 4G-Netze wird die Mediennutzung verstärkt mobil: Streaming-Dienste für Musik und Multimedia, wie Snapchat, Pandora oder Netflix, sind auf dem Vormarsch und bauen ihren Anteil an den Nutzerausgaben aus.