Wege zum sicheren VoIP
26.11.2007
Autor(en): Claudia Bardola, Claudia Bardola ist Redakteurin Kommunikation/Netzwerktechnik bei der Computerworld Schweiz..

Als relativ neue Technik weist Voice over IP (VoIP) zahlreiche Sicherheitsrisiken auf. Die gute Nachricht: Da es sich letztlich nur um eine weitere IT-Applikation handelt, kann man existierende (und künftige) Schwachstellen leicht beheben.
Lauschangriff, Gebührenbetrug, Serviceunterbrechung: Der britische Security-Experte und SIPtap-Entwickler Peter Cox ist nicht der Erste, der auf die vielfältigen Gefahren der VoIP-Telefonie hinweist. Es ist daher unabdingbar, VoIP zuverlässig abzusichern. Dieses Unterfangen ist allerdings nicht trivial und reichlich komplex. Denn während sich klassische Telefonanlagen bereits recht gut schützen lassen, indem sie in ordentlich zugangsgeschützten Räumlichkeiten installiert werden, muss bei der IP-Telefonie wesentlich mehr beachtet werden.

Zum einen werden bei VoIP Medien genutzt, auf die enorm viele Anwender zugreifen können. Zum anderen erbt VoIP durch die Verschmelzung der TK- mit der IT-Welt alle von IP-basierenden und lokalen Netzen bekannten Mängel und Sicherheitsprobleme. Beispiele sind Denial-of-Service-Attacken, Routing-Umlenkungen, Man-in-the-Middle-Angriffe oder das Abhören des Sprachverkehrs durch Span-Ports. Hinzu kommen Angriffe, die speziell die VoIP-Protokolle im Visier haben, wie etwa die Manipulation von Call-Routing-Tabellen.
Zudem erhalten Cyber-Kriminelle mit VoIP ein neues Spielfeld. Für sie ist es ein Leichtes, die Absenderkennung zu verändern und das Messaging-System für Spit (Spam over Internet-Telephony) und Phishing zu missbrauchen. Hacking-Tools, mit denen sich VoIP-Systeme knacken lassen, sind inzwischen nicht nur in großer Vielfalt verfügbar. Sie lassen sich auch von technisch nur mittelmäßig versierten Personen nutzen, die so mit verhältnismäßig geringem Aufwand die entsprechenden Systeme manipulieren können.
Eine aus der IT-Welt bekannte Methode ist beispielsweise das Pharming: Die Gespräche werden über einen Fremdserver geleitet ? gänzlich unbemerkt vom Benutzer. Die Hacker können die Telefonate abhören oder VoIP-Passwörter abfangen.
Die Risiken unter Kontrolle
Doch ebenso wie die Hacker und Betrüger auf aus der IT-Landschaft bekannte Tools zurückgreifen können, stehen auch den VoIP-Anwendern gleichsam bewährte Gegenmittel zur Verfügung. Denn letztlich ist VoIP ja nicht mehr, als eine weitere IT-Applikation. Die damit verbundenen Risiken sind größtenteils bekannt und entsprechend gut in den Griff zu bekommen.
Dennoch muss, damit eine VoIP-Infrastruktur zuverlässig geschützt werden kann, ein umfassendes Sicherheitskonzept erstellt werden, welches sämtliche Komponenten des Systems berücksichtigt.
Den Grundstein eines solchen Konzepts stellt - wie bei klassischen TK-Anlagen auch - die physische Absicherung aller beteiligten Systemkomponenten dar. Diese dürfen ausschließlich für autorisierte Administratoren zugänglich sein.
Zweite Säule der VoIP-Absicherung ist die Abschottung des Netzes. Um Manipulationen am und über das Netz einen Riegel vorzuschieben, gibt es unterschiedliche Varianten. So können das Sprach- und Datennetz wahlweise durch ein VLAN (Virtual Local Area Network) oder durch die Verwendung unterschiedlicher Ports voneinander getrennt werden.
Zur Absicherung der Wege, auf denen die Sprachdaten transportiert werden, empfiehlt sich der Einsatz eines VPN (Virtual Private Network). Hierbei wird die sichere Datenkommunikation zwischen mehreren Standorten eines Unternehmens gewährleistet, indem der gesamte Datenverkehr auf fest definierten Verkehrswegen und über zuverlässig überwachte Router geleitet wird.
Die VPN-Technik sichert allerdings nur den Übertragungsweg der Sprachdaten. Zur Sicherstellung einer umfassenden End-to-End-Security sind daher noch weitere Schritte nötig. So müssen einerseits die Sprachdaten verschlüsselt werden. Andererseits ist dafür zu sorgen, dass auch die entsprechenden Signalisierungsdaten verschlüsselt werden. Dies trifft insbesondere auf das allgegenwärtige SIP (Session Initiation Protocol) zu. Letzteres ist für die Session-Kontrolle zuständig, also beispielsweise die Registrierung der Endgeräte, den Rufaufbau und den Rufabbau. Wenn SIP im Einsatz steht, tauschen die Endgeräte verschiedene Nachrichten miteinander und mit den Applikationsservern aus. Weil die SIP-Nachrichten aber textbasiert und meist als Klartext gesendet werden, könnten sie leicht abgefangen, gefälscht und manipuliert werden.
Weiterer Handlungsbedarf besteht bei der Codierung des Administrationsverkehrs: VoIP-Komponenten lassen sich über verschiedene Protokolle wie HTTP, Telnet, SSH oder HTTPS administrieren, von denen einige die Benutzer- und Passwortdaten ebenfalls als Klartext übertragen, also sehr leicht abhörbar sind. Für eine sichere Verwaltung der VoIP-Komponenten müssen die administrativen Verbindungen entweder verschlüsselt werden oder über einen gesonderten Netzbereich erfolgen.
Überdies müssen alle Endgeräte wie VoIP-Telefone und Softphones am PC in das Sicherheitskonzept miteinbezogen werden. Denn VoIP-Endgeräte können durch Manipulationen der Konfigurationen oder der Firmware das gesamte Netz in die Knie zwingen. Dies lässt sich verhindern, indem Änderungen an der Konfiguration nur zentral über eine Applikation an einzelnen Geräten oder an Gerätegruppen erlaubt sind.