
Insgesamt gewinnt man den Eindruck eines hochgradig ambitionierten Projekts, welches sich das "E" in "ECM" aber erst noch erarbeiten muss: So mangelt es an Funktionen wie revisionssicheres Archivieren, Erfassen von Papierdokumenten oder die Integration von E-Mail-Systemen. Alfresco taugt zurzeit nicht für Compliance-orientierte Aufgaben und erfüllt etwa die Anforderungen der GDPdU noch nicht.
Wertet man andererseits das ECM-Postulat als Ziel statt als Statusbeschreibung, entpuppt sich Alfresco als gut vermarktete Vision. Auch wenn das Unternehmen hier kein Pionier ist -bereits seit längerem existieren ausgefeilte Open-Source-Pakete wie "Contineo", "Xinco", "CPS" und "Knowledgetree" -, so spricht doch die Strategie und auch das Timing für die Newcomer. Denn die klassischen Hersteller sehen sich derzeit ebenjenen Herausforderungen gegenüber, welche Alfresco bereits in seiner Basis berücksichtigt: Modularität und Offenheit sowie Interoperabilität im Rahmen einer Service Oriented Architecture (SOA).
Alfresco besticht durch seine durchdachte, offene und flexible Plattform, und man darf hoffen, dass diese zügig zum vollwertigen ECM-System ausgebaut wird. Im jetzigen Stadium stellt es ein rudimentäres DMS dar und ist somit kaum eine ernsthafte Konkurrenz für die etablierten Lösungen.
Dem Anwender nutzt es im Wesentlichen als intelligenter und schneller Datenspeicher mit der Chance, den Laufwerkswildwuchs elegant und einfach unter Kontrolle zu bringen, insbesondere auch in heterogenen Umgebungen. So betrachtet kann es beispielsweise eine kostenfreie Alternative zu Microsofts "Sharepoint Services" sein.