Auch der Hersteller von Dach- und Temperatur-Management-Systemen Webasto mit Stammsitz in Stockdorf bei München baut derzeit. Er investiert 20 Millionen Euro in ein neues Gebäude im nah am Stammsitz gelegenen Gilching, in das ein Teil des Unternehmens im Winter übersiedeln wird. Vor allem für die Koordination internationaler Entwicklungsprojekte erhofft sich Marketing-Vorstand Phillip Thompson, der für das Projekt verantwortlich ist, Impulse durch die neue Technik. "Sie hilft uns, auf vielen Ebenen die Wertschöpfung zu steigern", sagt er. "Wenn wir beispielsweise Komponenten entwickeln, sind daran Fachleute bei uns in der Zentrale, aber auch in Brandenburg, in Indien und in den Vereinigten Staaten beteiligt." Diese Projekt-Teams können in Zukunft miteinander telefonieren und gleichzeitig Entwürfe aus einem gemeinsamen Datensatz aufrufen. "Bis heute waren dazu Videokonferenzsysteme nötig, die nicht immer gut funktionierten, E-Mails, die mitunter fehlinterpretiert werden, und Anrufe, die manchmal missverständlich sind. Durch die neue Technik werden wir in der Entwicklung schneller, weil wir besser kommunizieren."
Bernd Göllnitz, CIO bei Webasto: "Ich gehe davon aus, dass wir unser neues CRM-System von Microsoft out of the box implementieren können."Webasto-CIO Bernd Göllnitz geht zudem davon aus, dass die Integration neuer Anwendungen auf Grundlage des neuen Netzwerkes problemlos vonstatten geht. "Der Technologie-Layer spielt keine Rolle mehr. Ich gehe davon aus, dass wir unser neues CRM-System von Microsoft, das alte Siebel-Anwendungen ablösen soll, out of the box implementieren können."
Die meisten Unternehmen setzen dagegen auf kleinere Entwicklungsschritte in Richtung IP-Netz. Evolution statt Revolution - das ist zum Beispiel bei der Dresdner Bank zu beobachten. "Wir bauen unsere Konvergenz-Infrastruktur beständig aus, aber es gibt keinen Big Bang", sagt Wöbking. Die Frankfurter betreiben bereits mit der Allianz ein weltweites Netz auf IP-Basis, an das in einigen Fällen auch die Telefonanlagen von Filialen angebunden sind. Wenn die alten PBX-Telefonanlagen an das Ende ihres Lebenszyklus anlangen, kaufen die Frankfurter grundsätzlich IP-fähige Komponenten, um sie zu ersetzen. Und wenn Einheiten des Unternehmens in neue Gebäude umziehen, wie etwa bei der Investmentbanking-Sparte der Bank in London, ist das eine Gelegenheit, eine neue Infrastruktur zu schaffen.
"Dort haben wir ein rein IP-basiertes Netzwerk aufgebaut, bei dem auch die Endgräte IP-basiert arbeiten", sagt Wöbking. Dort wird mit Voice over IP telefoniert, und die Telefone haben ein kleines Display, das auch zur Übertragung von bewegten Bildern geeignet ist. Der Gesprächspartner ist dann auf dem Videoschirm zu sehen. "Aber die überwältigende Mehrheit in den Häusern hat konventionelle Endgeräte?, sagt Wöbking. "Wir sehen bisher nicht den großen Nutzen, wenn wir alle weltweit dieselben Endgeräte hätten und uns auf dem Bildschirm sehen könnten. Die Frage bei solchen Entscheidungen ist immer: Was nützt d as unseren Kunden? Und wie wirkt sich so etwas auf unsere Gewinn-und-Verlust- Rechnung aus? Oft gehen solche Rechnungen zu Ungunsten der Technologie aus."
Investiert in Konvergenztechnologie hat Wöbking vor allem dort, wo die Kunden es direkt bemerken - zum Beispiel in den Callcentern. "Das Kundenverhalten hat ich im Bankenbereich extrem schnell verändert", erklärt er. Ein neues Voice-Portal verteilt deshalb die Kapazitäten der Kundenbetreuer besser. Zugleich sind Anruferkennung mit Banksystemen wie der Kontoführung verzahnt. "An der Kundenschnittstelle können wir uns differenzieren", sagt Wöbking.
In den Bereichen, wo es keiner sieht, genügt es der Bank dagegen, eher wirtschaftliche als technische Schwerpunkte zu setzen. "Wir wollen gut aufgestellt sein, müssen aber nicht jede Innovation als Erste ausprobieren", sagt der CIO. Er rechnet damit, dass die Verbindungsleitungen zwischen allen Filialen nicht vor 2009 komplett auf IP-Technologie umgestellt sind. Die letzten klassischen Telefone sollen vermutlich 2012 ausgemustert werden.
Wöbking ist bislang zufrieden mit dem, was er eingekauft hat, doch damit unterscheidet er sich von vielen Befragten. Das Leistungsvermögen der erworbenen Technologien überzeugt zwar vier Fünftel der Kunden. Noch immer sind aber mehr als ein Drittel des CIOs mit der Stabilität und der Zuverlässigkeit der eingekauften Lösungen nicht zufrieden. 26 Prozent sehen die mangelnde Stabilität sogar als Hindernis für den Ausbau der Konvergenzinfrastruktur. Und satte 38 Prozent ärgern sich über Mängel beim Support.
Bislang dominieren etablierte Platzhirsche den Markt. Auf Siemens entfallen 22,5 Prozent der Aufträge, auf Cisco 19 Prozent. Alcatel Lucent mit zwölf und IBM mit elf Prozent folgen. Auch Avaya mit sechs Prozent und Nortel mit 4,5 Prozent können sich über Stücke des Kuchens freuen. Anbieter aus dem Carrier-Segment wie QSC oder BT spielen noch keine Rolle, könnten sich aber bei guten Angeboten Hoffnung machen, dass sich das ändert. Denn immerhin kommen bei 22 Prozent der Projekte nicht die genannten Platzhirsche zum Einsatz. Und Investitionsentscheidungen hängen bei Konvergenzprojekten nach Angaben der befragten CIOs nicht vom Bekanntheitsgrad der Anbieter ab.
Immerhin ein Sechstel aller Konvergenzprojekte wird inzwischen übrigens von externen Dienstleistern verantwortet. Und 36 Prozent der CIOs halten das Outsourcing für eine brauchbare Methode, um die hohen Investitionskosten bei Konvergenzprojekten auch bei unklarem Return-on-Investment im vertretbaren Rahmen zu halten.
Bei der Dresdner Bank spielt dabei nicht nur die naturgemäß enge Zusammenarbeit mit Allianz Shared Infrastructure Services (ASIC), die weltweite IT Tochter der Allianz, eine wichtige Rolle. Auch Fujitsu Services, das nach der Übernahme von 500 Mitarbeitern für die Betreuung der Desktop-Services und für die Kommunikationsinfrastruktur verantwortlich ist, hilft den Frankfurtern. "Die Weiterentwicklung unserer Infrastruktur bei VoIP und anderen Themen haben wir bei dem Deal festgeschrieben", sagt Friedrich Wöbking. "Während wir das Know-how in Sachen Applikationsentwicklung für das Front-End im Haus behalten wollen, brauchen wir nicht unbedingt vertieftes Wissen um die IP-Kommunikation auf der Drahtund Protokollebene."
Die Methode Arbeitsteilung könnte Schule machen. Denn nicht nur die Kosten und mitunter auch die Angst vor Sicherheitsproblemen bremsen den Aufbau der Einheitsnetze. 38 Prozent nennen als Hindernis für Konvergenzprojekte, dass eigenes Know-how im Hause fehlt. Doch erst ein Viertel der CIOs setzt beim Einkauf von externen Leistungen darauf, gezielt Fachwissen im Konvergenzbereich zuzukaufen, über das die eigene Organisation nicht selbst verfügt. Insbesondere beim Aufbau neuer Dienste wie IP-basierter Videokonferenzsysteme ist externe Hilfe willkommen.
Doch unabhängig, ob künftige Konvergenzprojekte von der eigenen IT, vom hausinternen Dienstleister oder von Externen gestemmt werden, in jedem Fall steht fest, dass die Investitionen in die Technologie weiter steigen. Derzeit beträgt der prozentuale Anteil von Sprach-Daten-Konvergenz-Projekten am gesamten IT Budget rund 14 Prozent. Dass dieser Wert bis 2010 den Erwartungen der befragten CIOs zufolge um fast das Dreifache auf 36 Prozent steigen wird, zeigt, dass die Entwicklung der Netze gerade erst Fahrt aufgenommen hat.
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