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Technik-Trends Connectivity & Storage
Ergebnisse der CIO-Studie 2007

Konvergenz ist Chefsache

04.12.2007
Autor(en): Lars Reppesgaard, Lars Reppesgaard ().
Sprache und Daten werden in Zukunft über einen Kanal fließen. Unternehmen investieren derzeit zwar nur 14 Prozent ihres IT-Budgets in diese Umstellung. 2010 sollen es aber bereits 36 Prozent sein. Am besten kontrolliert diese Ausgaben der CIO - und nicht eine eigenständige TK-Abteilung.

Friedrich Wöbking, CIO der Dresdner Bank:
Friedrich Wöbking, CIO der Dresdner Bank: "Wir sehen bisher nicht den großen Nutzen, wenn wir alle weltweit dieselben Endgeräte hätten und uns auf dem Bildschirm sehen könnten."

Friedrich Wöbking, der CIO der Dresdner Bank, ist gerade erst aus dem Flugzeug gestiegen. Zwei Tage hat seine Reise in die Vereinigten Staaten gedauert. Abgesichert durch ein Virtual Private Network konnte er drüben auf Anwendungen und Daten zugreifen, als hätte er an seinem Schreibtisch in der Frankfurter Gallusanlage gesessen. "Ansonsten habe ich über den Blackberry Kontakt gehalten", sagt der CIO. Alle Vorstände der Dresdner Bank sind mit Blackberrys ausgestattet. Auch vier von zehn Investmentbankern von Dresdner Kleinwort arbeiten mit den mobilen Alleskönnern. Wöbking hat sogar einen Bereitschaftsdienst eingerichtet, der auch am Wochenende unterstützt, sollte das Geschäftswerkzeug einmal ausfallen.

Nicht nur bei der Dresdner Bank hat sich die Arbeitswelt durch Telekommunikation massiv verändert. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl derjenigen, die als viel reisende Manager, Vertriebsleute, Servicetechniker oder als Heimarbeiter nicht ihre gesamte Arbeitszeit im Unternehmen verbringen, nach Angaben des Netzwerkausrüsters Alcatel Lucent um rund 40 Prozent gestiegen. "Die Menschen sind nicht mehr so strikt an das Büro gebunden", bestätigt Wöbking. Und wenn sie doch noch dort arbeiten, können sie besser kommunizieren als früher. Auf Wöbkings Schreibtisch steht beispielsweise ein Monitor mit Kamera, der an ein Videokonferenzsystem angeschlossen ist. "Das hilft uns seit einigen Jahren, die eine oder andere Reise zu vermeiden", sagt der CIO.

"Hanuta-Fernsehen" für Mitarbeiter

Generelle Vorteile von konvergenten Netzen und mögliche Hemmfaktoren.
Generelle Vorteile von konvergenten Netzen und mögliche Hemmfaktoren.

Wenn sich Projektkomitees der Dresdner in London und in Frankfurt austauschen, setzen sie natürlich nicht mehr ausschließlich auf eine Telefonleitung. Schließlich werden neben der Sprache auch Daten übertragen, in diesem Fall die Bits, aus denen sich die Videobilder zusammensetzen. Die Basis, auf der IT- und TK-Leitungen zusammenwachsen, ist das Internet Protokoll (IP). IP-basiert verschickt die Dresdner auch die kleinen Videoclips, die die Mitarbeiter wegen der haselnusswaffelgroßen Bilder auch "Hanuta-Fernsehen" nennen. Sie sind inzwischen auch bei der Muttergesellschaft Allianz Teil der Unternehmenskommunikation. Allianz-Chef Michael Diekmann erreicht über diesen Kanal bei seinen Neujahrsansprachen inzwischen weltweit 170.000 Mitarbeiter.

Für das Zusammenwachsen von Technologien wie der Informationstechnologie und der Telekommunikationstechnik steht der Begriff Konvergenz. Unterschiedliche Anwendungen arbeiten auf Basis einer gemeinsamen Infrastruktur und werden so immer stärker miteinander verzahnt. Doch was treibt die Entwicklung an? Wie sind die Projekte organisiert, wenn Konvergenzlösungen eingeführt werden? In welchen Bereichen setzen die CIOs besonders auf die neuen Netze? Und hält die Technik, was sie verspricht? Die Marktforscher von MBmedien in Krefeld haben für CIO exklusiv ermittelt, wie es um das Thema Konvergenz in Deutschlands Unternehmen bestellt ist. Dazu befragten sie 287 CIOs, die in den größten 1.000 Unternehmen in Deutschland arbeiten.

Erstes Ergebnis: Konvergente Netzwerke lösen langsam, aber sicher die klassische Telekommunikationstechnik ab. Die duale Infrastruktur mit dem Datennetz auf der einen und dem Telefonnetz auf der anderen Seite verschwindet. Zweites Ergebnis: Vor allem mit Blick auf die explodierende Anzahl von Mobilgeräten erhoffen sich CIOs durch konvergente Infrastrukturen zu sparen, da diese im Vergleich zu heterogenen Netzwerken leichter zu warten und zu administrieren sind.

Mobile IT gehört dazu

Integration mobiler Geräte.
Integration mobiler Geräte.

Die schmerzhaften Erfahrungen mit wild wuchernden und nicht zu verwaltenden Geräteparks haben Spuren hinterlassen - das belegt, dass mehr als die Hälfte der CIOs auch eine Integration der Mobilgeräte in das Einheitsnetz anstrebt. 31 weitere Prozent geben sogar an, dass die Integration von Mobiltechnologie der Hauptantrieb ihrer Konvergenzprojekte ist.

Allerdings fasst die IP-Technologie nur schrittweise Fuß. Voll integrierte Konvergenznetze gibt es derzeit in den allerwenigsten Unternehmen. Lediglich 2,5 Prozent der Firmen geben an, über sie zuverfügen. Immerhin setzen aber CIOs bereits in 41 Prozent der Firmen Konvergenztechnik auf Applikationsebene regelmäßig ein. Weitere 32 Prozent sammeln in Pilotprojekten Erfahrungen mit der Technologie. Nur etwas mehr als ein Fünftel der CIOs vermelden keinen nennenswerten Einsatz der Technologie. In den nächsten drei Jahren wird sich dieses Bild verändern. 41 Prozent der CIOs gehen davon aus, dass ihr Unternehmen 2010 mit einem voll integrierten Konvergenznetz arbeitet. Und fast jeder zweite kündigt an, dass es Erweiterungen auf der Applikationsebene geben wird. Nur drei Prozent erwarten, dass es auch 2010 keine Planung in Sachen Konvergenz gibt.

IP-Telefonie ausgereift

Künftiger Integrationsgrad.
Künftiger Integrationsgrad.

Der bei weitem wichtigste Einsatzbereich der Konvergenztechnologie ist der Untersuchung zufolge die IP Telefonie. Die hat ihre Kinderkrankheiten inzwischen hinter sich. "Mittlerweile hat sich die VoIP-Sprachqualität der von ISDN angenähert und ist auch im Unternehmensbereich akzeptabel", sagt Burkhard Zohlnhöfer, Telekommunikationsexperte der Unternehmensberatung Steria-Mummert. Weil die Verbindungen inzwischen relativ stabil sind und das Sprachniveau akzeptabel ist, gibt es wenige Gründe, auf die Einsparungen zu verzichten, die durch das Zusammenführen von TK- und IT-Netz möglich sind. Mehr als die Hälfte allergeplanten Investitionen werden in den Ausbau von Sprachdatenlösungen aufgewendet.

Der Bedeutungsverlust der klassischen Telekommunikationstechnik wird auch bei der Budgetierung von Konvergenzprojekten deutlich. Nur 4,5 Prozent werden aus dem TK-Budget bestritten. Die Regel ist, dass Konvergenzprojekte als Teil des regulären IT- Budgets betrachtet werden. 62 Prozent der CIOs rechnen sie auf diese Weise ab. Knapp ein Sechstel der Befragten kann bei Konvergenzprojekten auf ein Sonderbudget zugreifen, bei dem fallweise abgerechnet wird. Die projektbezogene Abrechnung ist ein Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird, erklären die Studienautoren.

Auch bei der organisatorischen Aufhängung der Projekte zeigt sich, dass die Zeit der klassischen TK zu Ende geht. Nur bei drei Prozent der Konvergenzprojekte liegt die Federführung im Fachbereich TK. In 36 Prozent der Fälle liegt sie bei der zentralen IT, und jedes fünfte Unternehmen setzt sogar darauf, sie als strategische Entwicklungsprojekte direkt beim CIO persönlich anzusiedeln. Auch Friedrich Wöbking definiert zentral die strategischen Leitlinien für den Ausbau der Konvergenztechnologie der Dresdner Bank. "Beim Aufbau eines neuen Konvergenznetzes für unsere Investmentbanker in London lief es wie in vielen Projekten", sagt er. "Die Londoner haben den Ausbau vorgeschlagen, der Vorschlag kam auf meinen Tisch, und ich habe es als Projekt mit ihnen zusammen verabschiedet."

Dass die Zentrale - nicht nur bei der Dresdner - die wesentlichen Entscheidungen in Sachen Konvergenz trifft, zeigt, dass Unternehmen den Wildwuchs von Lösungen nicht länger dulden, weil nicht abgestimmte Technik der Bereiche und Regionalabteilungen die Unterhaltskosten in die Höhe treibt. Der Aufbau der Kommunikationsinfrastruktur von morgen ist deshalb für CIOs ein strategisches Projekt, das von ganz oben angeschoben und gesteuert werden muss. Kurz gesagt: Konvergenz ist Chefsache.

Anbieter in Deutschland.
Anbieter in Deutschland.

Dennoch werden wohl auch in drei Jahren Unternehmen, die durchgängig auf IP-basierte Netze und vor allem Endgeräte setzen, die Ausnahme sein. Kaum ein Unternehmen plant, die eigene Infrastruktur so radikal umzubauen, wie es sich die Komponentenhersteller wünschen. Meist wird die bestehende TK-Infrastruktur um IP-Komponenten erweitert, um die alten, noch nicht abgeschriebenen Anlagen weiter zu betreiben.

IP bei Trinkgut und Webasto

Der Bau neuer Gebäude ist oft der Auslöser, wenn die Kommunikationsinfrastruktur komplett neu aufgestellt wird. So setzt unter anderem Trinkgut aus Krefeld, die größte Getränkemarktkette in Nordrhein-Westfalen, beim Neubau eines hochmodernen Logistikzentrums in Hamm auf ein konvergentes Netzwerk, über das nicht nur die IP-Telefonie abgewickelt wird. Dank des drahtlosen Netzwerks übertragen Gabelstaplerfahrer gleichzeitig jede Warenbewegung online mit einem mobilen Handheld-Terminal an das Lagerverwaltungs- und das Warenwirtschaftssystem. Das Wireless LAN dient zudem für mobile Telefonate in der Lagerhalle und dem umliegenden 150.000 Quadratmeter großen Firmengelände.



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