| Seite 1: | 2007: Der Markt für IT-Dienstleister - Alles paletti bei Serviceanbietern? |
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Der Studie "Marktanalyse IT-Services 2006" zufolge, die die Marktforscher von Berlecon erarbeitet haben, waren die Erwartungen der IT-Dienstleister für die wirtschaftliche Entwicklung durchweg positiv. Im Vergleich zum Vorjahr sahen die befragten knapp 100 IT-Services-Anbieter mit mindestens 50 Mitarbeitern bezüglich Umsatz, Auftragsbestand und Ergebnis deutlich optimistischer in die Zukunft als noch 2005. Nur in einem Punkt bliesen sie Trübsal: Die Preise, die sie für ihre Handreichungen verlangen können, gehen in den Keller.
| 1. T-Systems | 15,0 |
| 2. Siemens IT Solutions & Services | 7,2 |
| 3. IBM | 6,4 |
| 4. Hewlett-Packard | 3,6 |
| 5. Siemens Communications | 3,2 |
| 6. Accenture | 2,7 |
| 7. SAP | 2,6 |
| 8. Fiducia | 2,4 |
| 9. EDS | 1,7 |
| 10. Capgemini* | 1,4 |
| *in der Printausgabe wurde wegen eines technischen Versehens fälschlicherweise CSC auf Platz 10 geführt. |
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Entspannung hat sich im vergangenen Jahr auch in Sachen Outsourcing breitgemacht. Das große globale Thema vergangener Jahre hatte auch hierzulande hohe Wellen geschlagen. Die Furcht vor dem Verlust vieler Arbeitsplätze auch durch die Konkurrenz indischer Dienstleister war groß. Nach der Berlecon-Studie glaubte 2005 noch fast jeder vierte der befragten großen IT-Service-Anbieter, der sich auf Softwareentwicklung und Integration spezialisiert hat, dass Offshore-Dienstleister eine ernsthafte Konkurrenz für sie seien. 2006 befürchten das nur noch acht Prozent. Die Sourcing-Diskussion ist nüchterner und gelassener geworden, sagt Berlecon-Analyst Andreas Stiehler.
Auch entspreche das häufig gezeichnete Bild von der national agierenden deutschen IT-Services-Werkstatt, die bald von den aufstrebenden Anbietern aus Offshore-Nationen überrannt wird, nicht den Tatsachen. "Das zeigen die Ergebnisse aus empirischen Studien des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen", sagt Stiehler.
Ohnehin bevorzugten Kunden hierzulande immer noch deutsche Outsourcing-Lösungen, bestätigt auch Gartner-Analyst Michael von Uechtritz. Er stellt fest, dass nach wie vor traditionellen Outsourcing-Dienstleistern der Vorzug gegeben wird. Zumindest, wenn sie beispielsweise in Polen Delivery-Center unterhalten, wo also deutsche Sprachkenntnisse vorhanden sind.
Sein Analystenkollege von IDC, Dan Bieler, kann dem zustimmen. Sourcing und Outsourcing seien nach wie vor politische Themen. Immer noch bestimmten "weiche Aspekte wie der direkte Zugriff auf einen Dienstleister, den man auch sprachlich versteht und der buchstäblich in der Nähe ist, die Sourcing-Diskussion".
Laut Berlecon-Mann Stiehler war 2006 auch das Jahr, in dem die Serviceanbieter begannen, im größeren Stil Global-Delivery-Modelle aufzubauen und damit die Frage zu beantworten, wie man als Dienstleistungsanbieter Offshore- und Nearshore-Modelle konzipieren kann.
Ein besonderes Merkmal der Exportnation Deutschland sei es in diesem Zusammenhang, dass selbst unter den mittelständischen IT-Dienstleistungskunden ein Großteil auch international agiert. Diese Unternehmen wollen ihre Kernsysteme auch im Ausland nutzen und erwarten hier die Unterstützung durch die IT-Dienstleister. Genauso verständlich sei der Wunsch der Kunden, an den oft propagierten Kosteneinsparungen durch Offshoring zu partizipieren, so Stiehler. Warum also nicht die Nutzung von Offshore-Ressourcen beim IT-Dienstleister einfordern oder gleich Leistungen zu Offshore-typischen Preisen? Für national agierende IT-Dienstleister ergebe sich aus diesen Forderungen eine klare Handlungsanweisung: "Wollen sie ihre Kunden nicht an global aufgestellte Wettbewerber verlieren, können sie sich der Internationalisierung kaum entziehen", so Stiehlers Resümee.
Auch Experton-Analyst Burau sieht hier bei den deutschen IT-Dienstleistern eine problematische Beschränkung. Zum Thema globales Sourcing oder Nearshoring hätten viele deutsche IT-Dienstleister noch strategischen Nachholbedarf. Burau: "Die deutschen Anbieter folgen hier zu wenig dem internationalen Trend, sich durch eine intelligente Verteilung und Balancierung der Ressourcen flexibler aufzustellen. Das gilt insbesondere für die ohnehin nicht global agierenden Dienstleister."
Ein Trend, der IT-Dienstleistern schon 2006 zu schaffen machte und der sie auch künftig zunehmend belasten wird, ist die Konsolidierung des Marktes. Trotz Konjunkturaufschwungs in Deutschland befinden sich die Preise, die IT-Serviceanbieter verlangen können, im Keller. Die IT-Budgets steigen zudem nur moderat. Burau, Vorstand und Lead Advisor bei der Experton Group, sieht vor allem "wegen der fortgeschrittenen Konsolidierung in den Hard-, Software- und Reseller-Segmenten die Anbieter aus diesen Bereichen zunehmend ins Serviceumfeld driften. Hinzu kommen "verstärkt ausländische Anbieter, die bislang vorwiegend auf reiferen Märkten wie in den USA oder Großbritannien präsent waren, im deutschen Markt aber noch ungehobenes Potenzial vermuten", argumentiert Burau.
"Der Kuchen, den es zu verteilen gibt, ist klein und dürfte auch in den kommenden Jahren kaum größer werden", bestätigt Stiehler. Auch er sieht Hard- und Softwareanbieter sowie Reseller, deren Margen im angestammten Betätigungsfeld immer kleiner würden und die deshalb "ihr Heil nun im Services-Umfeld" suchen. Ständig kämen neue Anbieter hinzu. Dies zeigten Beispiele wie etwa Fujitsu Services, das sich TDS einverleibte, oder der Hardwareanbieter Dell mit seinem Managed-Services-Angebot.
Noch eine Veränderung ist im deutschen Markt für IT-Dienstleistungen zu konstatieren: Der Anwender verhält sich anders als in früheren Jahren. Er stellt das Thema Kostenreduktion weniger deutlich in den Vordergrund und redet dafür eher von Kostentransparenz und Kostenflexibilität. Das hat Folgen für das Angebot von IT-Dienstleistern. Um nämlich die Forderung von Anwendern nach eben dieser Transparenz und Flexibilität erfüllen zu können, schneidern die Serviceanbieter Offerten, die "einen immer stärkeren Produktcharakter bekommen", sagt Burau. Damit reagieren die IT-Dienstleister auf den Zwang, Lieferstrukturen zu optimieren, um "wiederum Services kostengünstiger und sozusagen mit Standardpreisen aus Katalogen anbieten zu können".
IT-Dienstleister versuchen zudem, ihre Position als strategischer und langfristiger Partner des Kunden zu stärken. Hierzu wollen sie nicht nur Standarddienste oder kundenindividuelle Leistungen übernehmen und erbringen. Vielmehr versuchen sie, sich als Partner von Anwendern zu zeigen, die Unternehmen "bei der Transformation und Weiterentwicklung ihrer Prozesse behilflich sind und ein Gesamtangebot aus Consulting, System-Integrations-Aktivitäten und Outsourcing formulieren", beschreibt Burau die veränderten Ansprüche an IT-Dienstleister.
Das modifizierte Anforderungsprofil an IT-Dienstleister zwingt diese auch zu Handlungsweisen, die in der kapitalistisch und globalisiert ausgerichteten freien Marktwirtschaft vielleicht nicht nahe zu liegen scheinen: zur Kollaboration bei gleichzeitigem Wettbewerb. Burau wie Bieler sehen im Servicemarkt eine bislang nicht da gewesene Form der neudeutsch Coopetition (Co-Operation/Competition).
Experton-Mann Burau sagt, Zusammenarbeit und Wettbewerb auf dem IT-Dienstleistungsmarkt seien vor dem Hintergrund der existierenden Business-Modelle in vielen Fällen heute schon zwei Seiten derselben Medaille. Die Anforderungen der Kunden und die Neupositionierung und Fokussierung vieler IT-Dienstleister mache eine Zusammenarbeit mit ehemaligen Wettbewerbern für bestimmte Themen notwendig.
Solch ein Thema ist laut IDC-Analyst Bieler die zunehmende Konvergenz von Telekommunikation und IT. Das zeige sich etwa am Beispiel der über drei Jahre alten Allianz zwischen HP und British Telecom. "HP hat ganz klar erkannt, wie wichtig das Thema Kommunikation auch für den IT-Dienstleistungsmarkt geworden ist." Beide Firmen hätten deshalb interne Strukturen aufeinander angepasst, Teams gebildet, ein Eskalations-Management etabliert, ferner bessere Service-Level-Agreements (SLAs) entwickelt, Ansprechpartner für Kunden etabliert etc.