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Münchner "Linux-Revolution" hat Nachahmer gefunden

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Wenn die drittgrößte Stadt Deutschlands den Software-Giganten Microsoft abblitzen lässt, redet man darüber auch in den USA.

München schaffte es deshalb sogar in amerikanische Zeitungen, als der Stadtrat vor fünf Jahren beschloss, Microsoft-Programme schrittweise von den Computern des Rathauses zu verbannen. Um die "Software-Revolution" ist es leise geworden, doch die Umstellung geht mit Eifer voran. Andere Behörden haben inzwischen nachgezogen. Kampflos will der US-Konzern das Feld aber nicht räumen. "Wir sind lernfähig", betont Microsoft-Manager Andreas Hartl.

Die Vorlagenlösung 'Wollmux' ist Teil des LiMux-Projekts.
Die Vorlagenlösung 'Wollmux' ist Teil des LiMux-Projekts.
Die Vorlagenlösung 'Wollmux' ist Teil des LiMux-Projekts.

"Wir würden es wieder machen", urteilt derweil der stellvertretende Leiter des Münchner LiMux-Projekts, Florian Schießl. In der IT-Abteilung der Münchner Stadtverwaltung zieren Pinguin-Bilder die Wände - die Figur ist das Maskottchen des frei verfügbaren Betriebssystems Linux. Bis spätestens Mitte 2012 sollen 80 Prozent der 14.000 Computer in der Stadtverwaltung auf Linux umgestellt sein. Schon deutlich früher, nämlich Ende dieses Jahres, sollen alle Rathaus-Mitarbeiter die Finger von Word, Excel und dem Internet Explorer lassen und dafür die freie Bürosoftware OpenOffice.org sowie den kostenlosen Webbrowser Firefox benutzen.

Kurzfristig war mit der Umstellung allerdings kein Geld zu sparen, im Gegenteil. Für das Projekt LiMux - einer Wortschöpfung aus Linux und dem M für München - musste die Stadt erst einmal 13 Millionen Euro berappen. Nach Schießls Worten wäre eine Umrüstung des damaligen Betriebssystems Windows NT4 auf den Nachfolger Windows XP sogar um bis zu zwei Millionen Euro billiger gewesen. Finanziell lohnt sich der Umstieg auf freie Software erst nach etlichen Jahren, weil nicht immer wieder Lizenzgebühren zu bezahlen sind.

Dem Münchner Beispiel folgen mittlerweile auch andere. Das Auswärtige Amt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vertrauen ebenso wie etliche Städte auf eine Alternative zu Windows, Word und Excel. Die Amerikaner müssen sich also warm anziehen. "Die Firma Microsoft hat sich sicherlich gedacht, für die Stadt München kommt nur infrage: Die kaufen uns für die nächste Version die Lizenzen ab", erzählt Schießl. Doch für die Stadtverwaltung zählte eine andere Frage: "Inwieweit begeben wir uns in die Abhängigkeit von genau einem Hersteller?" Schießl spricht damit das wichtigste Anliegen der Open-Source-Gemeinde an.

Open Source heißt Quelloffenheit und bedeutet, dass Computerprogramme frei verändert werden können. "Frei meinen wir nicht im Sinn von Freibier", erläutert Schießl. Quelloffenheit biete Programmierern den Vorteil, dass sie Software verbessern und um zusätzliche Anwendungen erweitern könnten, ohne dafür auf eine bestimmte Firma angewiesen zu sein. Dieser Vorteil wiegt auch für andere Stadtverwaltungen schwer. So setzen etwa auch Mannheim, Schwäbisch Hall und das bayerische Treuchtlingen zumindest teilweise auf freie Software.

"Die Münchner Entscheidung hat nicht dazu geführt, dass Massen von Stadtverwaltungen dem Beispiel gefolgt sind", sagt Microsoft-Manager Hartl, räumt aber ein, Microsoft habe sich inzwischen darum bemüht, Windows-Plattformen auch für freie Software zu öffnen. Auch Richard Seibt vom Verband Open Source Business Foundation (OSBF) findet, dass Microsoft heute stark im Bereich Open Source engagiert ist. "Die meinen es ernst", lautet sein Urteil. (dpa/tc)

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