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Software Infrastruktur

Ray Ozzie

Microsofts neuer Anlauf ins Web

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von Wolfgang Miedl (ist freier Autor in Erding bei München)

Das Geschäftsmodell

CW: Googles Erfolg beruht auf einem einfachen Geschäftsmodell mit Werbung und Web-Applikationen. Nun haben Sie angekündigt, zukünftig auch stärker auf Werbung zu setzen. Wollen Sie sich langsam von Ihrem traditionellen Lizenzgeschäft verabschieden?

OZZIE: Wir sind überzeugt davon, dass es für Software unterschiedliche Geschäftsmodelle gibt - je nach Marktsegment, in dem man sich bewegt. Unternehmen beispielsweise erwerben heute Software entweder als Lizenz, oder sie mieten sie auf Basis von Verträgen. Werbung wird in diesem Umfeld als störend empfunden. Die gleiche Software wiederum verkaufen wir an Konsumenten in Form eines Pakets. Auch mit werbefinanzierten Modellen haben wir bereits einige Erfahrungen gesammelt, wie Sie an unserem MSN Messenger sehen können. Wir experimentieren hier auf einigen Feldern, um zu lernen, wo Werbung funktioniert und wo nicht. Als weitere erfolgversprechende Erlösquelle betrachten wir auch die transaktionsbasierende Nutzung etwa im Mobilfunk mit Inhalten oder kleinen Applikationen. Entsprechende Infrastrukturen bauen wir gerade für uns und unsere Entwicklungspartner auf. Es kommt darauf an, das richtige Modell für den richtigen Markt zu finden.

CW: Haben Sie mit Azure und den Office Web Applications das Ende des traditionellen Rich-Client-PC eingeläutet?

OZZIE: Nein. Was Sie hingegen künftig verstärkt von uns sehen werden, sind Multi-Client-Anwendungen, die sowohl auf dem PC als auch im Web und auf Mobiltelefonen laufen. Das entsprechende Office-14-Beispiel haben wir bereits gezeigt, ein weiteres ist die Windows-Live-Fotogalerie. Es geht darum, die jeweils spezifischen Stärken des PC, des Webs und des Handys zu nutzen. Allerdings erfordert das auch bei den Entwicklern ein Umdenken. Sie müssen ihren Horizont erweitern und verstehen, dass wir die gesamte Plattformbandbreite unterstützen.

CW: Aber der PC wird an Bedeutung verlieren?

OZZIE: Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass der PC ein riesiges Potenzial besitzt, für das der Kunde beim Kauf bewusst bezahlt. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potenzial zu nutzen, indem wir zunächst den Teil der Applikation liefern, der auf den PC gehört. Dazu gibt es nun auch die entsprechende Web-Komponente. Da aber Web-Applikationen im Bedienkomfort den PC-Programmen unterlegen sind, besteht der Trick darin, den jeweils richtigen Teil der Applikation für die entsprechende Plattform zu finden. (ue)

Was wird aus Groove?

Microsoft hat mit den Office-14-Applikationen auch neue Web-Collaboration-Funktionen vorgestellt. Dass das bislang wenig bekannte Office Groove damit seine Existenzberechtigung verliert, kann sich sein Erfinder Ray Ozzie erwartungsgemäß nicht vorstellen:

"Ich kann Ihnen versichern, dass Groove in zukünftigen Office-Versionen eine sehr zentrale Rolle spielen wird - und zwar im Zusammenhang mit Sharepoint. Derzeit setzen es viele Unternehmen ein, um Sharepoint-Bibliotheken auch offline unterwegs bearbeiten zu können. Im Moment kann ich nur so viel verraten, dass wir beträchtliche Investitionen aufgebracht haben, um Groove noch besser in Sharepoint zu integrieren."

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