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Update: Die Post stellt ihre SOA Open Source

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Der Logistikkonzern initiiert eine Nutzervereinigung für Service-orientierte Architekturen und gibt sein Framework frei.

Post-CIO Johannes Helbig setzt auf eine herstellerneutrale SOA-Vereinigung.
Post-CIO Johannes Helbig setzt auf eine herstellerneutrale SOA-Vereinigung.

Auf der Fachkonferenz "SOA Days 2007" ließ Johannes Helbig die Bombe platzen: Die in jahrelanger Arbeit entwickelte SOA-Infrastruktur der Deutschen Post stehe ab sofort als Freeware zur Verfügung, erklärte der CIO des Unternehmensbereichs Brief. Spätestens bis zum Jahresende werde das "Sopera" getaufte Framework über ein Open-Source-Lizenzmodell nutzbar sein. "Wir wollen die Eintrittsschwelle für SOA senken", begründete der Manager den Schritt. Ziel sei es, Post-Kunden den Einstieg in SOA zu erleichtern, ohne selbst zum Softwareanbieter zu werden. Wartung, Support und Schulungen offeriert die eigens dazu gegründete Sopera GmbH mit Sitz in Bonn. Nach Helbigs Angaben handelt es sich um ein von privaten Geldgebern finanziertes Unternehmen, an dem die Post nicht beteiligt ist. Als Geschäftsführer agiert der ehemalige McKinsey-Berater Ricco Deutscher.

Die Open-Source-Initiative bildet nach der Lesart der Post aber nur einen Baustein, um das Thema SOA in den Unternehmen voranzutreiben. Dazu beitragen soll künftig auch das "SOA Innovation Lab", das die Bonner initiiert haben. Helbig versteht darunter eine hochkarätig besetzte Anwender-Community, deren Mitglieder sich ausschließlich aus dem "C-Level" rekrutieren, sprich: CIOs und Chief Architects. Zu den Gründungsmitgliedern zählten große deutsche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Neben dem Erfahrungsaustausch werde die Vereinigung auch neue Aspekte wie Event Processing behandeln und dabei mit Hochschulen zusammenarbeiten.

Das SOA Innovation Lab ist aus Sicht des Post-CIO denn auch mehr als eine User Group im klassischen Sinn: "Die Mitglieder müssen sowohl finanziell als auch inhaltlich substanzielle Beiträge leisten", so Helbig im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Neben der Funktion als Community werde die Gruppe Themen rund um SOA auch in Workshops vertiefen. Die Agenda ebenso wie die finanzielle Ausstattung bestimmten die Mitglieder, IT-Anbieter blieben dabei außen vor.

Bereits im Januar hatte die Deutsche Post Teile ihres internen IT-Dienstleisters Sopsolutions in ein unabhängiges Unternehmen eingebracht. Gemeinsam mit dem Nürnberger IT-Dienstleister 100World gründete der Logistikkonzern die Senacor Technologies AG. Sie soll Kunden beim Umbau komplexer IT-Landschaften helfen und setzt dabei unter an-derem auf SOA und das Konzept der Enterprise Architecture (EA). Michael Herr, vormals Chef der Sopsolutions, wurde Mitglied des Senacor-Managements.

Das Argument der Herstellerneutralität führt die Post auch für ihr SOA-Framework ins Feld. "In Sopera steckt das Erfahrungswissen von sechs Jahren erfolgreicher SOA-Nutzung in einem großen Konzern. Daran müssen sich andere Lösungen messen lassen", warb Deutscher für das Angebot. Mit dem offengelegten Quellcode könnten Anwender bedarfsgerecht eigene Lösungen auf Basis der Software erstellen und nutzen. Das "Sopera Advanced Service Framework" bietet unter anderem Funktionen für die Integration von Anwendungen, Daten und Geschäftsprozessen. Hinzu kommen diverse Management-Tools, die den gesamten Lebenszyklus von SOA-Services abdecken sollen. Produkte anderer Anbieter, beispielsweise ein Service-Repository, lassen sich über eine Plug-in-Architektur integrieren. Ab Juni soll das Java-basierende Sopera-Framework auch in einer Version für Microsofts .NET-Plattform verfügbar sein.

Als Infrastruktur für Service-orientierte Architekturen konkurriert Sopera unter anderem mit den quelloffenen SOA-Komponenten von Jboss/Red Hat. Mit den Praxiserfahrungen der Deutschen Post im Rücken könnte sich das Paket aber durchaus auch zu einer ernst zu nehmenden Alternative zu kommerziellen Closed-Source-Produkten entwickeln. "Red Hat will einen eigenen SOA-Stack", zog Deutscher schon mal die rote Linie zum US-amerikanischen Rivalen. "Wir dagegen bieten ein Framework, das Systeme anderer Hersteller einbindet."

Noch offen ist die Frage der Lizenzierung für Sopera. Gegenüber der COMPUTERWOCHE sagte Deutscher, er wolle ein "anwenderfreundliches Lizenzmodell". Die General Public License (GPL) in der Version 2.0 betrachte er wegen ihrer "viralen Wirkung" als eher unwahrscheinliche Option. In der Open-Source-Community dürfte diese Sicht nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Als potenzielle Kunden sieht Deutscher unter anderem große Unternehmen aus der Logistik-, Automobil- und der Telekommunikationsbranche. Sopera werde sich zunächst auf den deutschen Markt konzentrieren, später aber auch in den USA an den Start gehen.

Mehr zum Thema Service-orientierte Archi-tekturen finden Sie im SOA-Expertenrat der COMPUTERWOCHE. (wh)


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