CW-Subnets     |     Executive Briefings     |     Blogs & Forum     |     CW-TV     |     Newsletter     |     RSS
Schließen
Dock ein-/ausblenden
Service Oriented Architecture & Business Process Management

Nachruf

Die Rezession hat SOA das Genick gebrochen

Drucken |  Empfehlen |  PDF |  Merken
SOA ist tot, doch Softwareservices werden weiter bestehen, schreibt Anne Thomas Manes von der renommierten Burton Group in einem Nachruf auf das Konzept der Service-orientierten Architektur.

In der Kritik stand SOA schon lange. Zu teuer, zu komplex, zuviel Marketing und zu wenig konkreter Nutzen für das Geschäft, lauteten gängige Argumente. Nun hat die amerikanische Analystin Anne Thomas Manes, eine der prominentesten Expertinnen auf dem Gebiet, einen Nachruf verfasst. "SOA ist am 1. Januar 2009 untergegangen", schreibt sie in einem Blog-Posting. "Die katastrophalen Auswirkungen der Rezession hätten der Idee den Todesstoß versetzt. Überleben werden ihrer Einschätzung nach einige Abkömmlinge der SOA: Mashups, Business-Process-Management (BPM), SaaS, Cloud Computing und andere Architekturansätze, die von Services abhingen (siehe auch: Das Ende des SOA-Hypes).

Wir müssen SOA aus unserem Vokabular streichen, rät die US-Analystin Anne Thomas Manes.
Wir müssen SOA aus unserem Vokabular streichen, rät die US-Analystin Anne Thomas Manes.
Wir müssen SOA aus unserem Vokabular streichen, rät die US-Analystin Anne Thomas Manes.

Statt eines Heilsbringers habe sich SOA in den meisten Organisationen zu einem "großen gescheiterten Projekt" entwickelt, kritisiert Manes. Die mit SOA verbundenen Versprechen seien nicht eingelöst worden. Nachdem Unternehmen Millionen in das Konzept investiert hätten ständen IT-Systeme nicht besser da als zuvor. In einigen Fällen habe sich die Situation durch höhere Kosten und längere Projektlaufzeiten sogar verschlimmert (siehe auch: Warum SOA-Projekte scheitern).

Erfolgreiche SOA-Einführungen hingen stets mit grundlegenden Veränderungen in der IT zusammen und nicht mit einigen Schnittstellen für bestehende Anwendungen, erläuterte die Analystin in einem Interview: Firmen, die eine solche Transformation geschafft haben, könnten auf spektakuläre Erfolge verweisen. Allerdings sei SOA in solchen Fällen nur Teil einer größeren Initiative gewesen.

Manes, die bei der amerikanischen Marktforschungs- und Beratungsfirma Burton Group die Position eines Research Director innehat, erklärte auch, was Unternehmen ihrer Meinung nach besser machen müssen. Entscheidend sei es, IT-Vorhaben mit den Business-Anforderungen in Einklang zu bringen und die damit einhergehenden Probleme zu verstehen. IT-Verantwortliche sollten die Anwendungsarchitektur als Ganzes unter die Lupe nehmen anstatt nur einzelne Integrationsprojekte zu fahren. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation ließen sich aber immer weniger SOA-Initiativen finanzieren. Die entscheidenden Personen in den Unternehmen seien enttäuscht über die ausbleibenden Erfolge und deshalb nicht mehr bereit, noch mehr Geld für SOA auszugeben.

Dessen ungeachtet bleibe die Nachfrage nach Softwarediensten wie etwa Cloud-Services bestehen, betont die Analystin. Angesichts der geballten öffentlichen Kritik sollten Unternehmen aber auf das Akronym verzichten und stattdessen eher über Begriffe wie Enterprise Service Bus (ESB) reden. Manes: "SOA ist zu einem Unwort geworden. Wir müssen es aus unserem Vokabular streichen."

Mehr zum Thema Service-orientierte Architekturen und Business-Process-Management (BPM) im CW-Experten-Blog SOA meets BPM.

(2 Beiträge), 
Kommentieren
tomte-muc
Es gibt SOA in ESB-Ausfuehrung, schon lange vor dem Begriff "SOA" gab es SOA ohne jeglichen ESB, und noch mehr gibt es heute ESB-Missbrauch ohne SOA-Indikation (ESB machte sich gut im Skill ...). Statt zuerst in SOA-Hype zu verfallen (und eigentlich nur dessen XML-Wrapper zu kennen) und dann SOA fuer tot gesagt zu erklaeren, sollte man einfach SOA als ein sehr nuetzliches Prinzip sehen, das sich mit JEE/JNDI, JINI, ... und u.a. auch mit (leider XML- statt ASN.1-basierten) "WebServices" umsetzen laesst. tomte zum Beitrag

axelangeli
Ein sensations-heischender Artikel, der zeigt wie man Schlagzeilen produziert. Glücklicherweise hat Anne Manes dann doch nicht das Totengeläut für SOA angestimmt. Denn das wäre wirklich traurig. Denn was ist eigentlich das Geheimnis hinter SOA? Es ist endlich ein Name für das Paradigma der verteilten Computerarchitektur, ohne die künftig die Komplexität (=Mehrdimensionalität) der Softwaresysteme gar nicht mehr in Griff zu kriegen sein wird. SOA ist allgegenwärtig: Windows und UNIX sind SOA-Architekturen, das WWW sowieso; jeder Mikroprozessor funktioniert nur, weil er eine Komposition von lose gekoppelten Modulen (=Services) darstellt. Jedes zivilisierte Dorf ist eine SOA in der spezialisierte Handwerker auf der Basis gemeiner regeln arbeiten. Wer SOA aus dem Vokabular streichen will, muss erst mal einen besseren Namen finden. Besser wäre es aber, wenn gerade die Analystenfirmen stärker selbst, Ausbildung anböten, um zu verhindern, dass die Mehrzahl der Softwarehersteller SOA diskreditieren, indem sie etwas SOA nennen, was es gerade nicht ist. Manes hat aber recht, dass es manche Firma gibt, die den Begriff SOA nicht lieben, weil man Ihnen Unsinn verkauft hat: die Hauptschuld tragen die grossen ERP-Hersteller wie SAP, die zwar traditionell (in R/3) eine sehr reife SOA bieten können, aber versuchen ihre Ladenhüter als SOA anzubieten. Deshalb hat Manes auch nicht SOA kritisiert, sondern nur den missbrauchten Begriff. Damit geht es SOA ähnlich wie vielen guten Ideen. Allerdings unterstütze ich auch den Gedanken, mehr über ESB zu reden, der aber auch schon von manch einem Middleware-Hersteller diskreditiert wird, weil diese ihr ETL-Tool als ESB verkaufen. Und wer nie ein Fahrrad gesehen hat und einen Roller als Fahrrad verkauft bekommt, blamiert in aller Regel alle Fahrräder der Welt. Dennoch: Lang lebe SOA, denn wie Victor Hugo schon erkannte: "keine Armee der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist." zum Beitrag


Beitrag schreiben

Noch kein Forums-Mitglied?
Dann gleich hier anmelden.

SOA & BPM: CW-REDAKTEURE EMPFEHLEN
BPMN - ein Standard weckt Hoffnung BPMN - ein Standard weckt Hoffnung Große Erwartungen setzt die BPM-Szene in Version 2.0 der OMG-Spezifikation Business Process Modeling Notation (BPMN).
weiter
So klappt BPM in der Praxis (Foto: Fotolia, sk-design) So klappt BPM in der Praxis Vier Praxisbeispiele zeigen: Investitionen in das Business-Process-Management (BPM) sind nicht vergeblich.
weiter
Eine kleine BPM-Fibel Eine kleine BPM-Fibel Eine Übersicht über die wichtigsten Standards im Bereich Business-Process-Management (BPM) gibt Saperion.
weiter
Sind Sie fit für EAM? (Foto: Fotolia, G. Menzl) Sind Sie fit für EAM? Wie Sie im Vorfeld eines EAM-Projekts abschätzen, ob Sie die Pflege der Enterprise Architecture überhaupt leisten können.
weiter
BPM ist für viele Neuland BPM ist für viele Neuland Zahlreichen Firmen fehlen die Ressourcen oder die Kompetenz für Business-Process-Management (BPM).
weiter
MEHR ZUM THEMA SOA & BPM
  • Whitepaper
  • Top geklickt
Jobangebote
FEATURED LINKS

KOSTENLOSE NEWSLETTER VON COMPUTERWOCHE
Nachrichten morgens
Whitepaper
Nachrichten mittags
CW-Mittelstand
Highlights der Woche
Hardware
SAP-Newsletter
Software
Job + Karriere
Open-Source
Stellenmarkt
Produkte + Techn.
Freiberufler
Security
Server + Storage
Netzwerke
Mobile & Apps