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Wer zu spät testet, verschleudert Geld

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von Stefan Ueberhorst
IT-Projekte sprengen deshalb so oft den Kosten- und Zeitrahmen, weil die im späten User-Acceptance-Test gefundenen Fehler nur aufwändig und teuer zu beheben sind. Die Tests sollten schon in der frühen Projektphase der Anforderungsspezifikation ansetzen.

Die Zahlen des von der Standish Group alle zwei Jahre veröffentlichten Chaos Reports sind erschreckend: Im Jahr 2004 (für dieses Jahr liegen noch keine Ergebnisse vor) konnten von 100 IT-Projekten nur 29 erfolgreich abgeschlossen werden. Als gescheitert galten 18 Vorhaben, während 53 die Zeit- und Budgetvorgaben sprengten beziehungsweise, um das zu vermeiden, im Funktionsumfang gekappt wurden. Das Bild verdüstert sich nochmals, wenn man die Vergleichszahlen von 2002 heranzieht, als immerhin noch 34 Prozent der Projekte gelangen, nur 15 Prozent abgebrochen werden mussten und 51 Prozent aus dem Rahmen fielen. Die Hoffnung damals, dass sich in der IT eine durchgängige Testpraxis, wenn auch auf niedrigem Niveau, etablieren könnte, war mit der 2004-Ausgabe des Reports verflogen.

Hier lesen Sie ...

- wo Fehler in einem IT-Projekt entstehen;

- welche Kosten die Fehlerbehebung in den einzelnen Projektphasen verursacht;

- warum Tools bislang nicht zu einer durchgängigen Testpraxis geführt haben;

- wie ein Vorgehensmodell für eine früh einsetzende Testpraxis aussehen könnte.


Was im Maschinenbau, der Automobil- und der Luftfahrtindustrie selbstverständlich ist, wird in der IT buchstäblich auf die lange Bank geschoben: ein im Produkt-Entwicklungszyklus möglichst früh einsetzender Testprozess. Softwareprojekte starten mit der Anforderungsspezifikation (Requirements) und werden mit dem Fachkonzept beziehungsweise den Spezifikationen fortgesetzt. Es folgen Implementierung und Coding, wo auch die ersten Funktionstests stattfinden. Der eigentliche Rückschlag erfolgt oft im anschließenden User-Acceptance-Test, also kurz vor dem Rollout. Wie das National Institute of Standards and Technology in einer 2001 veröffentlichten Studie ermittelt hat, entstehen die meisten Fehler (etwa 70 Prozent) in der Requirements-Phase, gefunden werden sie jedoch erst im User-Acceptance-Test. Die Folgen sind verheerend: Um einen Fehler schon sehr früh, das heißt während der Anforderungsspezifikation, zu beheben, müssen rund 100 Euro kalkuliert werden. Denselben Fehler nach einem fehlgeschlagenen User-Acceptance-Test auszubügeln kostet das 50- bis 100-fache, im Durchschnitt also 7500 Euro.

Wie schnell diese Praxis Millionenbeträge verschlingen kann, belegt ein Zahlenbeispiel der auf Softwaretest- und Qualitäts-Management-Beratung spezialisierten SQS-Gruppe aus Köln. Hier geht man davon aus, dass im Enterprise-Umfeld pro 4000 Euro Projektvolumen ein Testfall benötigt wird. Für ein zehn Millionen Euro umfassendes Vorhaben bedeutet das also 2500 Testfälle, in denen erfahrungsgemäß jeweils mindestens ein Fehler entdeckt wird. Spätestens hier wird deutlich, welchen Unterschied es ausmacht, eine Fehlerkorrektur mit 100 oder 7500 Euro zu veranschlagen.


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